11.08.2010: Elbtreppen-Häuser.
Die Antwort des Senates auf eine Schriftliche Kleine Anfrage der SPD-Bürgerschaftsabgeordneten Arno Münster und Anne Krischok zum geplanten Abriss der Elbtreppenhäuser in Hamburg-Neumühlen wirft neue Fragen auf:
Nach Auskunft des Senates plant SAGA/GWG den Abriss der Häuser Elbtreppe 5, 7, 9 sowie 15 c und 15 d. An dieser Stelle sollen zwei Gebäude mit insgesamt rd. 2100qm Bruttogeschossfläche und 25 Wohneinheiten entstehen. Die Wohntürme erreichen dabei eine Gebäudehöhe von bis zu 26 Metern über NN, was einer Höhe von bis zu 20 Metern über Straßenniveau entspricht.
Hinsichtlich der Geschossigkeit gibt es widersprüchliche Angaben. In der Senatsantwort ist von vier bis sechs Geschossen die Rede. Die weiteren Fragen zur Architektur, Tiefgaragenstellplätze und der Grundflächenzahl wurden mit Hinweis auf ein angeblich „frühes Planungsstadium“ vom Senat nicht beantwortet.
Angesichts der genannten Eckdaten ist jedoch einer massiven Bebauung auszugehen: „Man muss nicht Mathematik studiert haben um zu erkennen, dass sich 25 Wohnungen mit 2100qm BGF auf der vorhandenen Fläche nicht in vier Geschossen unterbringen lassen. Bei zwei Wohnungen je Geschoss und Gebäude sind sechs Geschosse plus einer Wohnung in einem zusätzlichen Staffelgeschoss eher realistisch“, kommentiert der Altonaer Bürgerschaftsabgeordnete Arno Münster die Antwort des Senates.
Auch sei es abwegig von einem frühen Planungsstadium zu sprechen, da der Senat bestätigt hat, dass mehrere Architektenbüros städtebauliche Entwürfe für die Neubebauung erstellt haben: „Der Oberbaudirektor hat diesen Prozess begleitet. Ich bin mir sicher, dass nur ausgereifte Pläne und Massenmodelle vom Oberbaudirektor bewertet werden. Die ausweichenden Antworten des Senates zu diesem brisanten Bauvorhaben kann ich in diesem Zusammenhang nicht akzeptieren“, so Münster weiter.
Als geradezu zynisch bewertet Münster die Einleitung des Senates in der Antwort auf die Anfrage, die als Hauptargument für den Abriss des historischen Ensembles die Schaffung zusätzlichen Wohnraumes in attraktiver Lage aufführt. Die Übertragung des Eigentums an die Bewohnergemeinschaft und die Sanierung in Eigenleistung sei im Sinne einer dauerhaften Perspektive für die Anlage nicht tragfähig, so der Senat: „Mit nur siebzehn zusätzlichen Wohnungen wird die Wohnungsnot in Hamburg nicht gelöst. Stattdessen werden die letzten Zeugen des Arbeiterwohnens am Altonaer Elbufer zerstört. Das der Senat SAGA/GWG auf Kosten der historischen Bausubstanz zwingt, hier Kasse zu machen ist einfach nur beschämend.“, erklärt Arno Münster.
04.08.2010: Elbtreppenhäuser.
Der von SAGA GWG geplante Abriss des historischen Gebäudeensembles an der Elbtreppe in Hamburg-Neumühlen birgt politischen Sprengstoff.
Wie durch Medienberichte bekannt wurde, hat das städtische Wohnungsbauunternehmen den Verfall der um 1850 errichteten Gebäudegruppe aktiv befördert, obwohl die Elbtreppe seit dem Jahr 2000 im gültigen Bebauungsplan als besonders geschützter Erhaltungsbereich ausgewiesen ist.
Die aktuellen Planungen für die Errichtung von zwei fast dreißig Meter hohen Wohntürmen sind offenbar direkt vom Oberbaudirektor voran getrieben worden.
Angebote der Mieterinitiative und der Lawaetz-Stiftung die Elbtreppenhäuser zum derzeitigen Verkehrswert zu übernehmen und vollständig zu sanieren, sind mit Blick auf das von langer Hand vorbereitete Neubauvorhaben stets ausgeschlagen worden.
„Das ist ein Verhalten, wie wir es bisher nur von Spekulanten und Heuschrecken kennen. Für ein Wohnungsbauunternehmen der Freien- und Hansestadt Hamburg ist dieses Vorgehen unwürdig." erklärt dazu der SPD-Bürgerschaftsabgeordnete Arno Münster.
Münster verweist in diesem Zusammenhang auf die Verantwortung der Aufsichtsratsvorsitzenden von SAGA GWG, der Stadtentwicklungssenatorin Anja Hajduk. „Frau Hajduk bestimmt als Aufsichtsratsvorsitzende die Geschäftspolitik. Die Entscheidung ein historisch einzigartiges Ensemble wie die Elbtreppe verfallen und Abreißen zu lassen, kann nicht im Unternehmen alleine getroffen werden. Ich fordere die Senatorin auf, zum Abriss der Elbtreppe Stellung zu beziehen!“, so Münster weiter.
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