Eltern-Kind-Zentren und Elternlotsenprojekte im Umfeld von Flüchtlingsunterbringungen mit der Perspektive Wohnen

Donnerstag, 28.01.2016, Drucksache 21/

Antrag der Abgeordneten Carola Veit, Ksenija Bekeris, Matthias Czech, Hildegard Jürgens, Uwe Lohmann, Frank Schmitt, Hendrikje Blandow-Schlegel, Tim Stoberock, Michael Weinreich und Fraktion sowie der Abgeordneten Anna Gallina, Dr. Stefanie von Berg, Filiz Demirel, Antje Möller, Farid Müller, Dr. Anjes Tjarks (GRÜNE) und Fraktion

Eltern-Kind-Zentren (EKiZ) sind Anlaufstellen an ausgewählten Kindertagesstätten für Eltern, deren Kinder (noch) nicht in eine Kita gehen. Sie ermöglichen den Austausch mit anderen Eltern, erfahrene Kita-Erzieherinnen oder -Erzieher stehen mit ihrem Fachwissen zur Verfügung. Eltern kochen zusammen oder belegen Kurse zur Babymassage, singen mit Kindern oder nehmen Elternbildungs-, Informations- und Beratungsangebote in Anspruch. Für die Kinder gibt es Spiel- und Lernstunden. Von den Eltern werden keine Beiträge erhoben, lediglich für das Mittagessen gilt ein Kostenbeitrag von zwei Euro pro Portion.
Das hohe Niveau, auf dem die EKiZ arbeiten, resultiert auch aus der wissenschaftlichen Begleitung. So hat die Stadt Hamburg gemeinsam mit der Zeit-Stiftung Ebelin & Gerd Bucerius die Erarbeitung eines Qualitätskonzeptes für die Hamburger Eltern-Kind-Zentren in Auftrag gegeben, das nicht zuletzt ein vollständiges Qualitätshandbuch für die Fachkräfte vor Ort enthält. Als Ziele wurden formuliert:
1. Familien pflegen soziale Kontakte über ihre Herkunftsgruppe hinaus und integrieren sich in Institutionen und in den Stadtteil.
2. Eltern erweitern ihr Wissen über Erziehungsaufgaben und über Lernvoraussetzungen von Kindern.
3. Eltern gestalten sprach-, bildungs- und bewegungsfördernde Aktivitäten mit ihren Kindern.
4. Eltern kennen und nutzen für sie relevante Hilfs- und Beratungsangebote über das EKiZ hinaus.
5. Eltern kennen und nutzen konstruktive Handlungsweisen im Umgang mit Krisensituationen.
6. Kinder entwickeln Ich-Kompetenzen, Sozial- und Sachkompetenzen.
Diese Leistungen und Ziele können für Eltern mit Fluchthintergrund besonders wertvoll sein. EKiZ bieten Integrationsmöglichkeiten, weil die Erzieherinnen und Erzieher vor Ort die soziale Umgebung gut kennen und zugleich die kulturelle Herkunft der Besucherinnen und Besucher berücksichtigen können. Ihre Kinder werden frühzeitig an die institutionelle Kindertagesbetreuung herangeführt, die sie aus ihren Herkunftsländern so oft nicht kennen. Nicht zuletzt erhalten die Menschen die Gelegenheit zum alltäglichen Umgang mit der deutschen Sprache. Mit Blick auf die Flüchtlinge ist besonders relevant, dass das Qualitätskonzept den Fachkräften der EKiZ fachliche Kompetenzen abfordert „in Bezug auf Migration: Wissen um Bedeutung von Vorerfahrungen (z.B. von Fluchterlebnissen)“. Ausdrücklich soll laut Qualitätskonzept durch die Angebote „die Integration von Familien mit Migrationshintergrund gefördert“ werden. Derzeit gibt es rund vierzig EKiZ in Hamburg. Angesichts der steigenden Zahlen von Flüchtlingen in Hamburg ist es notwendig, das Angebot auszuweiten. So sollen zehn neue EKiZ gerade dort an Kindertagesstätten angesiedelt werden und für alle Eltern offen sein, wo große Wohnunterkünfte mit vielen Flüchtlingskindern be- oder entstehen. Die Mehrheit der zusätzlichen EKiZ wird sukzessive parallel zur Errichtung der geplanten Großunterkünfte in Betrieb genommen werden, weshalb in 2016 zunächst zwei Neueinrichtungen stattfinden können. Zusätzlich sollen bestehende EKiZ verstärkt werden, die ihre Angebote für Mütter und Väter aus Wohnunterkünften erweitern.
Direkt an die EKiZ werden qualifizierte Elternlotsen mit eigenem Migrationshintergrund angebunden. Sie können die Familien in ihren Wohnunterkünften ansprechen und in die Angebote der EKiZ sowie darüber hinaus in Kitas, Schulen, weitere Familienfördereinrichtungen, zu Behörden oder Ärztinnen und Ärzten begleiten. Sie sprechen ihre Sprache und fungieren als Kultur- und Sprachmittler. Sie unterstützen und entlasten die Arbeit in den EKiZ, indem sie als erste Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner mit unterschiedlichen kulturellen Hintergründen zur Verfügung stehen. Die Arbeit der Elternlotsen soll auf der Grundlage eines Rahmenkonzeptes mit entsprechenden Qualitätskriterien stattfinden, welche auf den bisherigen Hamburger Erfahrungen mit Elternlotsenprojekten beruhen (Stadtteilmütterprojekte, Projekt „Frühstart für Erfolg“).

Die Bürgerschaft möge beschließen,
1. für den Betrieb von zunächst zwei zusätzlichen Eltern-Kind-Zentren und die Verstärkung bestehender Eltern-Kind-Zentren im Umfeld von Wohnunterkünften mit vielen Flüchtlingskindern aus dem Produkt „Zentrale Verstärkung Zuwanderung“ (Produktgruppe 283.01 „Zentrale Ansätze“) die Kosten für Transferleistungen in der Produktgruppe 254.06 „Kindertagesbetreuung“ in Einzelplan 4.0 um 400.000 Euro in 2016 zu erhöhen,
2. für die Durchführung von zwei zusätzlichen Lotsenprojekten für Flüchtlinge aus dem Produkt „Zentrale Verstärkung Zuwanderung“ (Produktgruppe 283.01 „Zentrale Ansätze“) die Kosten für Transferleistungen in der Produktgruppe 254.03 „Familienförderung“ in Einzelplan 4.0 um 120.000 Euro in 2016 zu erhöhen.
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