Stadtplanung von heute für die Stadtentwicklung von morgen III: Kleinteilige Gewerbe- und Möglichkeitsräume mitdenken und fördern

Donnerstag, 12.04.2018, Drucksache 21/

Antrag der Abgeordneten Dirk Kienscherf, Martina Koeppen, Anne Krischok, Christel Oldenburg, Uwe Lohmann, Dorothee Martin, Lars Pochnicht, Michael Weinreich und Fraktion sowie der Abgeordneten Olaf Duge, Mareike Engels, Farid Müller, Ulrike Sparr, Dr. Anjes Tjarks (GRÜNE) und Fraktion

Hamburg wächst – um zuletzt etwa 20.000 Menschen im Jahr. Die Demografen rechnen mit 70.000 zusätzlichen Haushalten in Hamburg bis 2030. Diese Entwicklung ist grundsätzlich sehr positiv zu bewerten, zeigt sie doch, dass Hamburg als attraktiver Wohn- und Arbeitsstandort gilt. Hamburg bleibt damit eine vielfältige Stadt der verschiedenen Generationen und Kulturen und die noch vor zwei Jahrzehnten befürchtete Überalterung der Gesellschaft wird nicht eintreten – eine große Chance für eine positive Zukunftsentwicklung.
Zeitgemäße Stadtplanung und Stadtentwicklung mit Weitsicht bedeuten, die sehr verschiedenen Bedürfnisse und Anforderungen, die eine Stadtgesellschaft des 21. Jahrhunderts bei der Errichtung neuer Quartiere auch vor dem Hintergrund einer sich verändernden Arbeitswelt hat, vorher mitzudenken, mitzuplanen und ggf. zu finanzieren.
Ein prägendes Element in der HafenCity ist es beispielsweise, dass öffentlichkeitswirksame Nutzungen in den Erdgeschossbereichen zu einer Belebung der Quartiere und umgekehrt erst zu einer Wirtschaftlichkeit von spezifischen Nutzungen beitragen und letztlich erst zu einer attraktiven Urbanität führen. Die Erdgeschossbereiche weisen zudem für eine bessere Multifunktionalität höhere Geschossdecken von vier bis fünf Metern auf.
Vielfach ist die Nutzung dieser Flächen für kleinteiliges Gewerbe, Existenzgründerinnen und Existenzgründer sowie ehrenamtliche, gemeinnützige und soziale Stadtteilinitiativen und Vereine oder auch den Sport (indoor) im Neubau allerdings nicht finanzierbar. Im neuen Stadtteil Mitte Altona ist beispielsweise die Ansiedlung eines Sportvereins in der alten Kleiderkasse an den hohen Mieterwartungen bzw. auch hohen Kosten der Grundsanierung des Vorhabenträgers gescheitert.
Eine integrierte Stadtentwicklung braucht aber gerade diese Initiativen und Vereine, die ein gemeinsam gestaltetes Nachbarschaftsleben überhaupt erst ermöglichen. Ehrenamtlich tätige Vereine und Initiativen sind für das städtische Leben „unbezahlbar“, sorgen sie doch gerade erst für eine stabilisierte Nachbarschaft, für Integration unterschiedlichster Menschen, Gruppierungen oder auch Religionen. Ohne sie wäre beispielsweise die Bewältigung des verstärkten Zuzugs von Geflüchteten mit wesentlich größeren Schwierigkeiten verbunden gewesen.
In neue Stadtteile wie Oberbillwerder, Trabrennbahn, Mitte Altona II und Wilhelmsburger Mitte, die in Hamburg in naher Zukunft vielfach entstehen werden, ziehen häufig sowohl junge Familien als auch Singles, die verstärkt Strukturen aus Coworking-Arbeitsplätzen, Creativ Labs oder Gründeretagen kombiniert mit einer Kita-Versorgung suchen.
Um den dringend notwendigen bezahlbaren Wohnungsbau nicht zu verteuern und gleichzeitig stadtentwicklungspolitische Fehler zu vermeiden, gilt es zu erwägen, wie mit welchem Aufwand und finanziellen Ressourcen sich Möglichkeitsräume und kleinteilige Gewerberäume in größerem Umfang multifunktional und bezahlbar realisieren lassen.

Die Bürgerschaft möge beschließen:
Der Senat wird ersucht,
1. zu prüfen, mit welchen Instrumenten und Maßnahmen (organisatorische Ansätze und Förderprogramme), bei größeren Bauvorhaben – wie beispielsweise in Wilhelmsburg und in Oberbillwerder – die Erdgeschosse für soziale (u.a. Vereine, Initiativen, Vereinssport) und gewerbliche Nutzungen (hier vor allem für stadtteilverträgliche Existenz- und Betriebsgründungen) verstärkt nutzbar gemacht werden können und dies mit dem „Bündnis für das Wohnen“ im Rahmen der Entwicklung des Leitbilds „Gute Nachbarschaft“ zu diskutieren;
2. darzustellen, welche finanziellen Mittel für ein mögliches IFB-Förderprogramm bei einer sozialen Nutzung oder Nutzung durch Existenzgründerinnen und Existenzgründer notwendig sind, und
3. der Bürgerschaft bis zum Jahresende 2018 zu berichten.




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