Gewalt auf Hamburgs Fußballplätzen

Mittwoch, 15.08.2012, Drucksache 20/4811

Antwort des Senats: Parlamentsdatenbank

Groe Anfrage der Abgeordneten Jan-Hinrich Fock, Annkathrin Kammeyer, Martina Koeppen, Mathias Petersen, Sören Schumacher, Ali Simsek, Juliane Timmermann und Fraktion.

Im Mittelpunkt der Sportpolitik des Senats stehen die Menschen dieser Stadt, die sportaktiv und sportbegeistert sind oder für den Sport gewonnen werden können. Die „Dekadenstrategie“ (Drs. 20/2948) versteht Sport als eine Querschnittsaufgabe über alle Felder der Politik. Dazu gehören unter anderem Integration, Freizeitgestaltung, Gesundheit, Familie, Soziales und Bildung. Diese Bereiche kommen gerade in der Sportart mit der größten Beteiligung, unter Aktiven und Zuschauer/innen, zu tragen: dem Fußball. Fußball ist einer der bedeutendsten Breiten- und Leistungssportarten in Deutschland. Der Hamburger Fußballverband (HFV) hat circa 166.000 Mitglieder, rund 270 Vereine nehmen am Spielbetrieb des HFV teil und jährlich finden etwa 60.000 Spielbegegnungen statt.
Im Fußball kommt es zwar überwiegend, aber nicht nur, zu positiven Erfahrungen. Eine Große Anfrage aus dem Jahr 2009 der SPD-Bürgerschaftsfraktion (19/5142) hat einen umfassenden Einblick in die Problematik „Gewalt auf Hamburgs Fußballplätzen“ gegeben. Laut der Antwort des damaligen Senats lag die Anzahl der aus unterschiedlichen Gründen erfolgten Spielabbrüche im Amateur- bzw. Jugendbereich bei konstant um die 50 Spiele pro Saison – Spielabbrüche aufgrund von Gewaltvorfällen allerdings waren „geringer“. Der HFV nahm vor dem Hintergrund der Großen Anfrage eine interne Auswertung der vorhandenen Unterlagen des Sportgerichts für die Jahre 2008 und 2009 vor. Die Auswertung ergab, dass in beiden Jahren insgesamt im Jugendbereich die Zahl der registrierten Gewaltvorkommen bei 17 (darunter fünf Spielabbrüche) und im Amateurbereich bei 43 Gewaltfällen (15 Spielabbrüche) lag.
Eine erneute Bestandsaufnahme erscheint zwei Jahre nach der Beantwortung der Großen Anfrage zu Gewalt auf Hamburgs Fußballplätzen sinnvoll.

Vor diesem Hintergrund fragen wir den Senat:
1. Wie beurteilt der Senat allgemein die gegenwärtige Situation und die Entwicklung seit Beantwortung der Großen Anfrage 19/5142 (2009) im Bereich „Gewalt im Fußball“?
2. Welche Rolle spielt rassistisch motivierte Gewalt in diesem Zusammenhang?
3. Wie viele Spielabbrüche hat es im Hamburger Amateurfußball jeweils in den Jahren 2010 und 2011 aufgrund von Gewaltanwendungen und/oder Gewaltandrohungen gegeben? Bitte gemäß der Antwort auf die Drs. 19/5142 nach beteiligten Vereinen, Datum, Spielklasse, Art der Vorkommnisse, Geschlecht, Alter und Funktion der Spieler/innen der beteiligten Mannschaften, Verletzungen und Strafen aufführen.

4. Welche Maßnahmen gegen Gewalt hat der Hamburger Fußball-Verband HFV seit 2009 aufgelegt und zu welchen Zeitpunkten?
4.1 Wer waren jeweils die Zielgruppen?
4.2 Wie viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben an diesen Maßnahmen seit 2003 teilgenommen?
4.3 Wie viel haben diese Maßnahmen jeweils gekostet und aus welchen Mitteln wurden sie finanziert?
4.4 Wie beurteilen die Veranstalter diese Maßnahmen?
4.5 Wie beurteilen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer diese Maßnahmen?
4.6 In welcher Weise werden diese Maßnahmen fortgesetzt?
5. Welche Initiativen gegen Gewalt im Fußball hat die Stadt in den Jahren seit 2009 ergriffen?
5.1 An welchen der in Punkt 4 genannten Maßnahmen war die Stadt beteiligt und welchen Beitrag hat sie geleistet? Welche dieser Maßnahmen gegen Gewalt im Fußball werden insbesondere aus dem so genannten Neun-Säulen-Modell Gewaltprävention (mit-)finanziert? Falls es keine Beteiligung der Stadt gab, warum nicht?
5.2 Hat die Stadt im Zusammenhang mit der Bekämpfung von Gewalt im Fußball Initiativen Dritter unterstützt? Wenn ja, worum geht es dabei?
5.3 Hat in den letzten Jahren ein Runder Tisch zu Gewalt im Fußball stattgefunden? Wenn ja, mit welchem Erfolg und mit welchen Teilnehmerinnen und Teilnehmern? Wenn nein, warum nicht? Ist ein Runder Tisch geplant?
6. Welche und wie viele Kooperationen zur Gewaltprävention und zum Umgang mit Gewalt gibt es zwischen den Sportvereinen/dem HFV und anderen Institutionen seit 2009?
6.1 Wer waren jeweils die Zielgruppen?
6.2 Wie viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben an diesen Aktionen/Veranstaltungen seit 2009 teilgenommen?
6.3 Wie teuer waren diese Aktionen/Veranstaltungen jeweils und aus welchen Mitteln wurden sie bezahlt?
6.4 Wie beurteilen die Veranstalter diese Aktionen/Veranstaltungen?
6.5 In welcher Weise werden diese Aktionen/Veranstaltungen fortgesetzt?
7. Die Polizei Hamburg erhält vom HFV eine Kopie „Meldung Gewalt- und Rassismusvorkommnisse“, die auch dem Deutschen Fußball Bund durch den HFV zugeht.
7.1 Wie viele Meldungen sind der Polizei in den jeweiligen Monaten seit 2009 zugegangen?
7.2 Welchen Inhalt hatten die jeweiligen Meldungen?
7.3 Wie beurteilt der Senat die Gewaltbereitschaft der Problemfanszene (auch unterhalb der Profiligen)?

7.4 Wie beurteilt der Senat die Kräftebindung der Polizeien der Länder und des Bundes insgesamt durch Gewalt im Fußball?
7.5 Wie wird der Senat das gezielte Vorgehen von Polizei und Vereinen, Fußballverbänden, Fanorganisationen, Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben sowie der FHH gegen Gewalt in und im Umfeld von Stadien verbessern und die personelle Bindung der Polizei durch Fußballspiele senken?
7.6 Was unternimmt der Senat, um künftig einsatzmäßige Belastungsspitzen der Sicherheitskräfte zu vermeiden? Wird bei der Gestaltung des Spielbetriebes in den Ligen zukünftig die besondere Einsatzbelastung der Polizeien durch andere Großereignisse berücksichtigt werden? Plant der Senat, dass zukünftig eine gemeinsame Vorgehensweise wird zwischen den Polizeien und dem DFB und der DFL abgesprochen werden wird?
7.7 Wie beurteilt der Senat die Absicht von DFB und DFL, eine Studie zur aktuellen Situation von Projekten und Sicherheitsmaßnahmen zu beauftragen? Gibt es bereits Überlegungen, wie der Senat die Ergebnisse (längerfristige Analysen der Fankultur und Evaluation von Präventionsprojekten) bei der zukünftigen Präventionsarbeit berücksichtigen wird? Wenn ja, in welcher Weise?
8. Welche Erkenntnisse gibt es darüber, bei wie vielen Fußballspielen der Amateur- und der Jugendligen es in den vergangenen Jahren zu Polizeieinsätzen im Zusammenhang mit akuten Gewalttätigkeiten kam? Hat die Anzahl der Gewalttätigkeiten zugenommen?
9. In welcher Weise fließen Fragen des Umgangs mit Gewalt auf dem Fußballplatz und der Gewaltdeeskalation in die Trainerausbildung und Schiedsrichter-ausbildung ein?
10. Hat der HFV seit der letzten Großen Anfrage Anreizsysteme in Abhängigkeit von Gewaltvorfällen auf Sportplätzen für die Sportvereine geschaffen?
10.1 Wenn ja, welche? (Bitte aufschlüsseln in Anreizsysteme im Jugend- und Erwachsenenbereich)
10.2 Wenn nein, warum nicht und gibt es entsprechende Vorhaben?
11. Sind seit 2009 andere Sportarten im Bereich des Jugend- oder Amateursports auffällig geworden, in denen sich vergleichbare Gewaltphänomene wie beim Fußball zeigen, und welche Maßnahmen werden ggf. ergriffen, um diesen Entwicklungen zu begegnen?
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