Pierre de Meuron berichtet über unbeherrschbares Nachtragswesen und frühzeitig ausgesprochene Warnungen die allem Anschein nach ungehört blieben
Im letzten PUA Elbphilharmonie am 17.11. eröffnete der Architekt de Meuron tiefe Einblicke in seine Arbeit an der Elbphilharmonie. Er sprach von einem „unbeherrschbaren Nachtragswesen“ von Seiten Hochtiefs und kritisierte, dass fast jede Schraube mit einer Mehrkostenforderung belegt worden sei. Auch der Vertrag soll laut de Meuron schwerwiegende Mängel beinhalten. „Die vertraglichen Unzulänglichkeiten belasten das Projekt bis heute und verschärfen die Situation immer mehr.“ Hinzu kommt, dass auch die Planerverträge lange Zeit nicht ausreichend synchronisiert waren. Die gewählte Vertragskonstellation bedürfe, so de Meuron, einer starken Projektsteuerung. Die ReGe sei seiner Meinung nach nicht professionell aufgestellt gewesen. Auf diese Kritik habe er zentrale Beteiligte wie Ole von Beust und Karin von Welck stets aufmerksam gemacht.
Zur umstrittenen Drucksache 19/1841 sagt de Meuron aus, dass zu keiner Zeit die Rede davon war, dass 95% des Bausolls definiert gewesen seien. Somit ist wiederholt ein Element dieser Drucksache widerlegt worden. Das definierte Bausoll war eines der tragenden Argumente um bei der Bürgerschaft die Zustimmung für den millionenschweren Nachtrag 4 zu erhalten.
Senatsdrucksache zum Nachtrag 4 enthält laut Aussage von Hochtief gravierende Unwahrheiten
Am 23.12.2008 wurde im Rahmen einer Senatsdrucksache der sogenannte Nachtrag 4 vorgestellt. Er sollte endlich eine verbindliche Kostengrenze mit sich bringen - nachdem die Bürgerschaft nochmals Mehrkosten in Höhe von 137 Mio. € zustimmte. Nun liegen bereits wieder Mehrkostenforderungen von gut 66 Mio. € vor. Im Untersuchungsausschuss sagte der Leiter der Hamburger Hochtief-Niederlassung Dr. Thomas Möller aus, dass die Senatsdrucksache 3 gravierende Unwahrheiten beinhalte. Die Budgets seien nie, wie in der Drucksache formuliert, "ein nach oben begrenzter Kostenrahmen" gewesen. Auch die Darstellung der sogenannten Einigunssumme von 30 Mio. € sei nicht richtig. Alle Zahlungen seien stets mit Leistungen belegt gewesen. Auch die Formulierung dass der Nachtrag 4 eine "Generalbereinigung des Projektes" darstelle, sei so nicht thematisiert worden. Damit steht der zentrale Vorwurf im Raum, dass der damalige CDU/GAL-Senat die Bürgerschaft und damit die Öffentlichkeit Ende 2008 falsch über die finanzielle Lage informiert hat. "Der Anschein, der durch die Drucksache des schwarz-grünen Senats erweckt wurde, ist falsch", so der SPD-Obmann Hakverdi nach der Vernehmung.