Kazim Abaci

Fachsprecher für Integration

Bezirk: Altona

Geschenk der Mehrsprachigkeit fördern und Unterricht in den Herkunftssprachen fest an Hamburgs Schulen verankern

Montag, 01.09.2014, Drucksache 20/

Antrag der Abgeordneten Gerhard Lein, Barbara Duden, Andrea Rugbarth, Kazim Abaci, Matthias Czech, Jan-Hinrich Fock, Ulrike Hanneken-Deckert, Lars Holster, Hildegard Jürgens und Fraktion

Eine alte Hafenstadt wie Hamburg hat eine lange Geschichte der Migration. Schon immer kamen Menschen aus allen Teilen der Welt nach Hamburg, um hier zu arbeiten und zu leben. Seit Generationen leben Menschen unterschiedlichster Herkunftsnationen in Hamburg. Derzeit haben ca. ein Drittel aller Hamburgerinnen und Hamburger einen Migrationshintergrund. Zu ihnen zählen nicht nur neu Zugewanderte, sondern auch Bürgerinnen und Bürger, die keine eigene Migrationserfahrung haben und die die deutsche Staatsangehörigkeit besitzen. Denn einen Migrationshintergrund haben per Definition auch all jene, bei denen nur ein Elternteil einen Migrationshintergrund hat.
Damit können viele Menschen in Hamburg ihren Kindern ein großes Geschenk mit in die Wiege legen: die Mehrsprachigkeit. Die Mehrsprachigkeit von Kindern ist grundsätzlich eine Bereicherung und ein kultureller Wert an sich. Während andere Jugendliche für ein Auslandsjahr in die Welt gesandt werden, um Fremdsprachen zu lernen, bringen diese Kinder und Jugendlichen ihre sprachliche Vielfalt mit in Kitas und Schulen. Sie verfügen damit über ein Potenzial, das ihnen selber, aber auch unserer Gesellschaft und Wirtschaft viele Chancen eröffnet. Daher fördert die für Bildung zuständige Behörde den Erhalt und die Erweiterung mehrsprachiger Kompetenzen von Schülerinnen und Schülern und hat diesen Punkt als ein Ziel in das Hamburger Integrationskonzept aufgenommen. Bereits heute werden an 72 Schulen ca. 2.500 Schülerinnen und Schüler in elf Herkunftssprachen unterrichtet. Die meisten Angebote gibt für die Sprachen Türkisch, Italienisch und Polnisch, aber auch Spanisch, Russisch und Portugiesisch können belegt werden.
Unterricht in den Herkunftssprachen fördert und stärkt:
• die natürliche Mehrsprachigkeit der Schülerinnen und Schüler,
• das Selbstbewusstsein der Schülerinnen und Schüler in Bezug auf ihre Zweisprachigkeit,
• die Entwicklung der Lese- und Schreibkompetenz in der Herkunftssprache,
• die Motivation für das Sprachenlernen insgesamt, weil mit soliden Grundlagen in der Muttersprache auch die deutsche Sprache und jede weitere Fremdsprache leichter gelernt werden können.
Zudem bekommen Schülerinnen und Schüler durch den Unterricht in den Herkunftssprachen Orientierungshilfen für eine teilweise kulturell komplexe Lebenswirklichkeit in Familie und Schule. Der Unterricht in den Herkunftssprachen fördert außerdem eine Kultur der Anerkennung von Mehrsprachigkeit und von kultureller Vielfalt an den Hamburger Schulen. Mehrsprachigkeit ist ein persönlicher, gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Gewinn.


Die Bürgerschaft möge daher beschließen,
Der Senat wird ersucht,
1. den Unterricht in den Herkunftssprachen zum Schuljahr 2015/2016 aufzuwerten, indem zukünftig jene vorhandenen Sprachangebote als Wahlpflichtfächer angeboten werden, die von der Kultusministerkonferenz als Prüfungsfach für die Abschlussprüfungen als 2. oder 3. Fremdsprache zugelassen sind, und so die Einbringung der Leistungen ins Abschlusszeugnis zu ermöglichen.
2. zu prüfen, inwieweit eine Ausweitung der Angebote zum Unterricht in den Herkunftssprachen möglich ist.
3. zu prüfen, wie die Anzahl der Schülerinnen und Schüler mit erfolgreicher Sprachfeststellungsprüfung in der Herkunftssprache gesteigert werden kann.