Kazim Abaci

Fachsprecher für Integration

Bezirk: Altona

Hamburger Integrationsfonds (XXI): Vermittlung in Arbeit sowie digitale Bildung integrativ gestalten – i3 e. V. (Initiative Informatik Inspiration) unterstützen

Donnerstag, 19.01.2017, Drucksache 21/

Antrag der Abgeordneten Monika Schaal, Andreas Dressel, Dirk Kienscherf, Ksenija Bekeris, Wolfgang Rose, Kazim Abaci, Annkathrin Kammeyer, Doris Müller, Hansjörg Schmidt, Jens-Peter Schwieger, Regina Jäck, Brigitta Schulz, Hendrikje Blandow-Schlegel, Uwe Giffei, Martina Friederichs und Fraktion sowie der Abgeordneten Dr. Stefanie v. Berg, Christiane Blömeke, Mareike Engels, Antje Möller, Farid Müller (GRÜNE) und Fraktion

Bürgerschaft und Senat unternehmen vielfältigste Anstrengungen, die Integration der in Hamburg lebenden Flüchtlinge, Migrantinnen und Migranten konsequent voranzubringen – immer in guter Nachbarschaft und im guten Miteinander von alteingesessenen und neu hinzukommenden Hamburgerinnen und Hamburgern. Die Maßnahmen haben immer auch zum Ziel, das soziale Leben und die Lebensqualität in Hamburg insgesamt sowie in den Quartiere und Stadtteilen für alle noch besser zu machen.
Die Bürgerschaft hat mit Drs. 21/5237 den Senat gebeten, einen Hamburger Integrationsfonds einzurichten und die Ermächtigung zur Verursachung von Kosten aus diesem Fonds an entsprechende Beschlüsse der Hamburgischen Bürgerschaft gekoppelt. Ausgaben sollen für Maßnahmen und Zuweisungen, die integrationsfördernde Angebote für Geflüchtete beinhalten, getätigt werden. Mit Beschluss der Drs. 21/5860 stehen nunmehr 7 Millionen Euro im Haushalt 2016 zur Verfügung. Die Mittel sind übertragbar. Zugleich wurde im Einzelplan 9.2 im Aufgabenbereich 283 ein neues Zentrales Programm „Hamburger Integrationsfonds– investiv“ mit einem Mittelvolumen von 3 Millionen Euro für investive Maßnahmen geschaffen. Damit gibt es ein zusätzliches Förderinstrument, das in der aktuellen Startphase zahlreicher Integrationsprojekte helfen soll, wichtige Projekte investiv oder konsumtiv zu unterstützen – immer mit dem Ziel dauerhaft tragfähiger, nachhaltiger Strukturen in den Regelsystemen unseres gesellschaftlichen Zusammenlebens. Aufgrund der grundlegenden Bedeutung soll die Bürgerschaft solche Förderentscheidungen selbst treffen, um politische Akzente bei der Umsetzung der Integrationspolitik setzen zu können. Der Hamburger Integrationsfonds soll – im Vorlauf zur Aufstockung des durch die Bezirke zu vergebenden Quartiersfonds – tragfähige Strukturen in den Nachbarschaften unterstützen, die Sozialräume bzw. landesweit wichtige bzw. pilotartige Integrationsprojekte stärken.
Die Hacker School ist eine non-profit UG (http://www.hacker-school.de/) und damit ein Social Business, das 2014 von drei Unternehmern aus der IT- und Medienbranche in Hamburg gegründet wurde. Diese Unternehmer arbeiten ehrenamtlich. Im Rahmen von regelmäßigen, kostengünstigen Kursen, die von professionellen, ehrenamtlich arbeitenden Software-Entwickler*innen (sog. „Inspirern“) gegeben werden, können Kinder und Jugendliche in die Welt des Programmierens hineinschnuppern. Nun soll das Konzept der Hacker School UG für die Integrationsarbeit ausgeweitet werden. Dafür wurde im Juni 2016 der gemeinnützige Verein i3 e.V. (Initiative Informatik Inspiration) gegründet. Die Zielgruppe dieser Neuausrichtung ist vor allem die Altersgruppe der Zuwanderinnen und Zuwanderer von 18 bis 25. Viele dieser jungen Menschen haben aufgrund ihrer Fluchtgeschichte eine unterbrochene Schul- oder Hochschulbiografie. Für sie gilt es Angebote zu schaffen, da ihnen viele Bildungsmöglichkeiten aufgrund ihres Alters verwehrt sind – so sind sie nicht mehr schulpflichtig, alternative Angebote gibt es kaum. Der i3 e.V. nimmt sich genau dieser Zielgruppe an und ermöglicht es den jungen Zugewanderten, nicht nur Kompetenzen sowie Spezialwissen zu erwerben, sondern vor allem auch ihre bereits vorhandene Kompetenzen an Hamburger Kinder weiterzugeben. Viele der neu Angekommenen haben in ihrer Heimat informatorische Grundbildung genossen – viele sogar durch ein angefangenes, dann aber durch die Flucht abgebrochenes Informatik-Studium.
Um das bestehende und hoch erfolgreich laufende Projekt der Hacker School auszuweiten, muss die Anzahl und Frequenz der Kurse drastisch erhöht werden, um die Kurse regelmäßig anbieten zu können. Zur Ausweitung findet der i3 e.V. einerseits interessierte, mit informatorischer Grundbildung ausgestattete Geflüchtete als auch weitere teilnehmende Unternehmen in Hamburg, die unentgeltlich ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter als Inspirer für die Geflüchteten zur Verfügung stellen. Diese Koordination und Akquise sollen festangestellte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der i3 e.V. übernehmen.
Ziel und Idee des gemeinnützigen Vereins ist es, dass Zugewanderte, die bereits informatische Kenntnisse haben, mit den weiterhin ehrenamtlich arbeitenden Inspirern aus den Hamburger Unternehmen gemeinsam Kurse für Kinder und Jugendliche geben, um diese für Informatik zu begeistern. In diesen Kursen sollen zukünftig auch geflüchtete Kinder und Jugendliche kostenlos teilnehmen können, sie sollen die Hälfte der Teilnehmenden ausmachen. Die zugewanderten Inspirer können ihr Wissen und Können einbringen und sinnvoll verwenden und sind zugleich Kulturmittlerinnen und Kulturmittler. Sie lernen professionelle Programmiererinnen und Programmierer kennen und können von ihnen lernen. Unternehmen wiederum bekommen Kontakt zu jungen, motivierten zugewanderten Menschen, die genau das mitbringen, was auf unserem Arbeitsmarkt händeringend gesucht wird: IT-Knowhow und Talente von morgen, die sonst unentdeckt blieben. Ziel dieses Projektes ist es ausdrücklich, junge Zugewanderte als Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Unternehmen zu vermitteln. Das Potenzial der jungen Menschen soll im Rahmen der Deutschkurse, die die jungen Geflüchteten besuchen, entdeckt werden. Die letztendliche Analyse der vorhandenen Kompetenzen wird mittels eines von der Leuphana entwickeltem kostenlosen Analyseinstrument durch eine Mitarbeiterin des i3 e.V. vorgenommen. Der i3 e.V. organisiert, bewirbt und koordiniert die Kurse.
Ein Kurs geht über vier Wochen, er findet einmal wöchentlich für zwei Stunden statt. Weiterhin wird Zeit für die Vorbereitung des Kurses benötigt. Die Unternehmen unterstützen das Projekt, indem sie ein kostenloses Qualifizierungspraktikum in ihrem Hause für Zugewanderte aus der Gruppe der Inspirer anbieten, das dann im Idealfall in einem Arbeitsverhältnis mündet. Beide Inspirer entwickeln gemeinsam die Inhalte des Kurses und führen diesen im Nachgang auch gemeinsam in den Räumen des I3 e.V. durch. Auf diese Weise können etwa 500 Zugewanderte als Inspirer fungieren und so in die Arbeitswelt integriert werden.
Die gesamten Kosten, die für das auf zwei Jahre zeitlich begrenzte Projekt entstehen, belaufen sich auf 344.800 Euro. Sie setzen sich zusammen aus den Personalkosten über 206.400 Euro, Kosten für Miete und Telekommunikation über 38.400 Euro sowie Kosten für die gesamte Hard- und Software, Ausstattung und Lehrmaterialien über 100.000 Euro. Die zwei Stellen sind notwendig, um den i3 e.V. organisatorisch aufzubauen, die Kurse zu organisieren, die Zugewanderten zu betreuen, Kontakt zu den kooperierenden Unternehmen zu pflegen und neue zu akquirieren, die Potenzialanalysen durchzuführen, die Website zu pflegen sowie Öffentlichkeitsarbeit zu betreiben.
Eine Komplementärfinanzierung kommt von den teilnehmenden Unternehmen selbst: Alle Kurse werden ehrenamtlich von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der teilnehmenden Unternehmen erteilt. Die Arbeitszeit wird also von den Unternehmen bezahlt. Außerdem ist Bestandteil des Angebots, dass die Geflüchteten im Rahmen der Vorbereitung auf ihren Kurs zusammen mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Firmen ein Praktikum machen, was ein weiteres Investment der Unternehmen darstellt. Perspektivisch – zum Ende der Projektlaufzeit – soll von den Unternehmen ein Geldbeitrag verlangt werden, da auch sie von dem Konzept profitieren. Dies kann entweder pauschal oder bei "Erfolg" erfolgen, also wenn eine neue Mitarbeiterin oder ein neuer Mitarbeiter gewonnen werden konnte. Dies setzt auf dem Konzept des bereits erfolgreich implementierten ImpactDOCK, das Cross-Mentoring betreibt, auf. Es ist geplant, das Projekt am Ende der Laufzeit in Anlehnung an das Projekt ImpactDOCK so aufzustellen, dass es sich selbst trägt.
Die Bürgerschaft möge beschließen:
Der Senat wird ersucht,
1. im Haushaltsjahr 2016 aus dem Hamburger Integrationsfonds (Einzelplan 9.2 Aufgabenbereich 283 „Zentrale Finanzen“; Produktgruppe 283.02 „Zentrale Ansätze II“, Produkt „Hamburger Integrationsfonds“) bis zu 206.400 Euro per Sollübertragung auf den Einzelplan der fachlich zuständigen Behörde zur Finanzierung von zwei Stellen für die Organisation und Betreuung der Kurse, der Potenzialanalyse, der Betreuung der Inspirer, der allgemeinen Verwaltung sowie Öffentlichkeitsarbeit bis zum 31.12.2018 zu übertragen und für die Übernahme von Personalkosten zur Verfügung zu stellen. Darüber hinaus sollen für Zwecke der i3 e.V. (Initiative Informatik Inspiration) aus dem Hamburger Integrationsfonds Sachmittel in Höhe von bis zu 138.400 Euro für den gleichen Zeitraum zur Verfügung gestellt werden.
2. der Bürgerschaft rechtzeitig vor Abschluss der Fördermaßnahme zu berichten.