Kazim Abaci

Fachsprecher für Integration

Bezirk: Altona

Sanierungsfonds Hamburg 2020: Maritimes Erbe der Freien und Hansestadt Ham-burg bewahren und vermitteln - Museumshafen Oevelgönne um Besucher- und Informationszentrum erweitern und Schiffsanierungen unterstützen

Donnerstag, 01.08.2019, Drucksache 21/

Antrag der Abgeordneten Monika Schaal, Dirk Kienscherf, Gerhard Lein, Mathias Petersen, Ksenija Bekeris, Ole Thorben Buschhüter, Gabriele Dobusch, Anne Krischok, Arno Münster, Christel Oldenburg, Wolfgang Rose, Karl Schwinke, Kazim Abaci, Peri Arndt, Birte Gutzki-Heitmann, Hansjörg Schmidt, Frank Schmitt, Isabella Vértes-Schütter, Joachim Seeler, Hauke Wagner, Martina Friederichs und Fraktion sowie der Abgeordneten René Gögge, Christiane Blömeke, Filiz Demirel, Farid Müller, Dr. Anjes Tjarks (GRÜNE) und Fraktion

Der Museumshafen Oevelgönne ist seit Jahrzehnten eine der bedeutendsten Institutionen der maritimen Kultur in der Freien und Hansestadt Hamburg. 2017 konnte der Museumshafen sein 40jähriges Jubiläum feiern – damit ist der Oevelgönner Museumshafen der älteste seiner Art in Deutschland und Vorreiter in der musealen Ausstellung von historischen Schiffen. Der Museumshafen Oevelgönne ist kein staatliches Museum, sondern eine private und gemeinnützige Initiative, die ausschließlich von Beiträgen der Mitglieder, Geld- und Sachspenden vieler Einzelpersonen sowie traditions- und hafenverbundener Unternehmen getragen wird. Dem herausragenden Engagement der ehrenamtlichen Mitglieder, die sowohl ihre Zeit als auch ihr handwerkliches Geschick einbringen, ist es zu verdanken, dass Besucherinnen und Besucher aus aller Welt die nordeuropäische Schifffahrtstradition anschaulich vermittelt werden kann. Die Aufgaben des Museumshafens Oevelgönne und der ehrenamtlichen Vereinsmitglieder besteht darin, außer Dienst gestellte Wasserfahrzeuge der Berufsschifffahrt, die für die norddeutsche Küstenregion prägend waren und Denkmalcharakter besitzen, zu erwerben, zu restaurieren und der Öffentlichkeit in Fahrt zu präsentieren. Die Schiffe stammen überwiegend aus der Zeit zwischen 1880 und 1980.
Jedoch steht das ehrenamtlich bewahrte maritime Erbe im Museumshafen mit den schwimmenden Exponaten einer unzureichenden Präsentationsumgebung und Infrastruktur gegenüber, die die soziokulturellen Vermittlungsaufgaben des Vereins zwischen Museumshafenbesucherinnen und -besuchern und dem Ehrenamt erheblich erschweren. Eine umfassende Präsentation der historischen Funktion und Schiffstechnik der musealen Flotte sowie eine Darstellung der mit den Schiffen verbundenen Hafenarbeit fehlen bisher. Zwar gibt es eine Freilichtausstellung im kleinen Hafen am Altonaer Elbufer, die aber kein zentraler Ort zur Information für den Museumshafen ist. Dieser ist jedoch für die kulturelle Bildung von Schülergruppen, Hafenbesucherinnen und -besuchern sowie Touristinnen und Touristen dringend erforderlich. Auch die kontinuierlich wachsende Zahl der ehrenamtlichen Mitglieder des Museumshafen Oevelgönne e. V. sowie eine zunehmend interessierte Öffentlichkeit machen eine neue Infrastruktur im Museumshafen unabdingbar.
Die Schaffung eines schwimmenden und wettergeschützten Informations- und Besucherzentrums als zentraler Anlaufpunkt im Museumshafen auf einem vereinseigenen Ponton würde eine moderne Infrastruktur bieten: Interessierte, Touristinnen und Touristen sowie Gruppen (z. B. Schulklassen) könnten sich im Ausstellungsraum mit Panoramablick auf die draußen liegenden Traditionsschiffe über das maritime Erbe der Stadt und die schwimmenden Exponate mit ihrem funktionalen Kontext ausführlich informieren, bevor sie ihren Rundgang durch den Hafen beginnen oder auf einem der Schiffe mitfahren. Ein Veranstaltungsraum mit Nebenräumen kann für Fortbildungen und Versammlungen der Ehrenamtlichen dienen sowie für öffentlich zugängliche Veranstaltungen, z. B. Vorträge, genutzt werden. Ein Büro für die Museumshafenorganisation und die Einrichtung sanitärer Anlagen, die bisher überhaupt nicht vorhanden sind, wären ebenso auf dem Ponton realisierbar.
Als Baufläche für das geplante Informations- und Besucherzentrums soll ein ehemaliger Hafenponton von 1914 mit ca. 300 qm, der seit 2016 in Vereinseigentum ist, genutzt werden. Für die Realisierung des Projekts werden Kosten in Höhe von 720.000 Euro veranschlagt (Planungskosten, Bauwerk und Baukonstruktion, Erschließungskosten, Ertüchtigung Ponton sowie landseitige Ver- und Entsorgung, Wärmeversorgungsanlage, Elektroinstallationen, IT-Anlage).
Darüber hinaus müssen zwei bedeutende Ausstellungsexponate des Museumshafens dringend saniert werden: Das Feuerschiff ELBE 3, das das älteste betriebsbereite Feuerschiff der Welt ist (Baujahr 1888), wurde bereits 1979 vom Verein übernommen und liegt seitdem in Oevelgönne. Trotz verschiedener Maßnahmen in den vergangenen dreißig Jahren seitens des Vereins ist jetzt eine Grundinstandsetzung erforderlich, um die weitere Betriebsbereitschaft zu gewährleisten und den Erhalt des in die Denkmalliste der Stadt Hamburg eingetragenen Objekts sicherzustellen. Für die Sanierungsmaßnahmen des Feuerschiffs ELBE 3 werden 1.300.000 Euro veranschlagt. Die Hafenbarkasse ALTONA, die eine der letzten typischen Hamburger Barkassen ist und 1926 in einer Wilhelmsburger Werft gebaut wurde, gelangte durch eine Schenkung 2017 in den Museumshafen. Die Barkasse ist außergewöhnlich originalgetreu erhalten und es wurde für sie seitens des Vereins ein Antrag auf Denkmalschutz gestellt. Für die Grundinstandsetzung wurden Kosten in Höhe von 250.000 Euro ermittelt.
Für die geplanten Maßnahmen fallen somit insgesamt Kosten in Höhe von 2.300.000 Euro an, die zu 50 Prozent durch Bundesmittel in Höhe von 1.150.000 Euro und zu 10 Prozent durch Eigenleistungen und Eigenmittel des Museumshafen Oevelgönne e. V. (230.000 Euro) getragen werden. Um die dringend erforderliche Weiterentwicklung der Infrastruktur des Museumshafens Oevelgönne zu fördern, ein Informations- und Besucherzentrum zu errichten und die beiden Schiffssanierungen zu unterstützen, sollen die restlichen Mittel in Höhe von 920.000 Euro aus dem Sanierungsfonds Hamburg 2020 bereitgestellt werden. Die Übernahme von Betriebskosten ist hiermit nicht verbunden.

Die Bürgerschaft möge beschließen:
Der Senat wird ersucht,
1. für die dringend erforderliche Errichtung eines Informations- und Besucherzentrums im Museumshafen Oevelgönne sowie die beiden Schiffssanierungen die jeweilige Höhe des konsumtiven beziehungsweise investiven Anteils der Maßnahmen zu ermitteln,
2. im Haushaltsjahr 2019 – abhängig von dem Ergebnis dieser Ermittlung – eine Ermächtigung, Kosten zu verursachen bzw. Auszahlungen zu leisten, in Höhe von insgesamt bis zu 920.000 Euro
a. für konsumtive Maßnahmen aus dem Einzelplan 9.2, Produktgruppe 283.02 Zentrale Ansätze II „Sanierungsfonds Hamburg 2020“ in dem Einzelplan 3.3, Produktgruppe 251.01 „Theater, Museen, Bibliotheken“, Kontenbereich „Kosten aus Transferleistungen“ bzw.
b. für investive Maßnahmen im Einzelplan 3.3, Aufgabenbereich 251 „Kultur und Staatsarchiv“ aus der „Zentralen Sanierungsreserve Hamburg“ (Einzelplan 9.2, Aufgabenbereich 283 „Zentrale Finanzen“) bereitzustellen,
3. im Haushalt 2019/2020 für die dazugehörigen Abschreibungen – in Abhängigkeit vom jeweiligen Aktivierungszeitpunkt der unter Ziffer 2.b. genannten investiven Maßnahmen – die benötigten Ermächtigungen aus dem Einzelplan 9.2, Produktgruppe 283.02 „Zentrale Ansätze II“, Kontenbereich „Kosten aus Abschreibungen“ in den entsprechenden Kontenbereich „Kosten aus Abschreibungen“ im Einzelplan 3.3, Produktgruppe 251.01 „Theater, Museen, Bibliotheken“ zu übertragen,
4. die Kofinanzierung des Bundes in Höhe von 1.150.000 Euro und des Museumshafen Oevelgönne e. V. mit 230.000 Euro in Form einer dann vollständigen Mittelberechnung der Bürgerschaft zeitnah zukommen zu lassen,
5. und der Bürgerschaft zeitgerecht über den Sach-, Planungs- und Umsetzungsstand vor Auszahlung der Mittel bis Ende 2019 zu berichten.