Kazim Abaci

Fachsprecher für Integration

Bezirk: Altona

Umwelt- und Ressourcenschutz stärken – Programm fifty/fifty erhalten und weiterentwickeln

Mittwoch, 20.04.2016, Drucksache 21/

Antrag der Abgeordneten Monika Schaal, Andreas Dressel, Barbara Duden, Ole Thorben Buschhüter, Anne Krischok, Kazim Abaci, Matthias Czech, Hildegard Jürgens, Gert Kekstadt, Jens-Peter Schwieger, Danial Ilkhanipour, Uwe Giffei, Astrid Hennies, Annegret Kerp-Esche, Gulfam Malik, Hauke Wagner und Fraktion sowie der Abgeordneten Dr. Stefanie von Berg, Ulrike Sparr, Christiane Blömeke, Olaf Duge, Dr. Anjes Tjarks (GRÜNE) und Fraktion

Umwelterziehung in den Schulen hat zum Ziel, bei Kindern und Jugendlichen die Entwicklung von Verantwortungsbewusstsein und engagiertem Eintreten für die Natur, die Umwelt und den Klimaschutz zu unterstützen. Neben dem Bildungsplan des Aufgabengebietes Umwelterziehung fördern auch die Programme der Umwelt- und Klimaschulen diese Entwicklung. Das Landesinstitut für Lehrerbildung und Schulentwicklung (LI) bietet zahlreiche Materialien zu den Themen Klimaschutz und Umwelterziehung an. Umwelterziehung ist darüber hinaus ein Teil des UNESCO-Weltaktionsprogramms „Bildung für nachhaltige Entwicklung“.
Seit 1994 gibt es in Hamburg zudem das Programm fifty/fifty. Zwischen der Stadt Hamburg und den teilnehmenden Schulen besteht folgende Vereinbarung: Alle Energie-, Wasser- und Abfalleinsparungen, die die Schülerinnen, Schüler und Lehrkräften zusammenbringen, werden zur Hälfte der Schule und zur Hälfte der Stadt ausgezahlt. Die Grundidee ist, dass jede und jeder zum Klimaschutz beitragen und gleichzeitig Geld sparen kann. Über die Verwendung der durch sparsamen Umgang mit Energie und Wasser erwirtschafteten Mittel können Schulen frei verfügen. So konnten bislang erhebliche Beträge in schuleigene Solaranlagen, zusätzliche Unterrichtsmaterialien oder -hilfsmittel, größere Anschaffungen für die Schule wie Musikinstrumente, Bibliothekserweiterungen usw. investiert werden.
Auf diese Weise sparten die teilnehmenden Hamburger Schulen alleine vom 1. Juli 1994 bis zum 31. Dezember 2011 94 Millionen kWh elektrischen Strom, 660 Millionen kWh Heizenergie, 1.061.000 m³ Wasser sowie 191.000 Tonnen Kohlendioxid. Damit sparten sie 42,4 Millionen Euro bei Energie und Wasser sowie 6,6 Millionen Euro beim Abfall. Die Einsparungen entsprechen im Elektrobereich dem Jahresverbrauch von 34.000 Haushalten, im Heizenergiebereich dem Jahresverbrauch von 44.000 Haushalten und mehr als dem dreifachen Wasserinhalt der Binnenalster (ca. 300.000 m³). Bis 2014 hatten insgesamt 334 Schulen in Hamburg jährlich bis zu 1,5 Mio. Euro erwirtschaftet und bis zu 8.600 Tonnen Kohlendioxid vermieden.
Am Ende haben alle etwas von dem Programm: Den Schulen steht mehr Geld für ihre eigene pädagogische Arbeit zur Verfügung, die Stadt zahlt weniger Geld für Abfall, Strom, Wärme und Wasser – und die Umwelt wird geschützt, auch da klimaschädliche Treibhausgase wie Kohlendioxid vermieden werden.
Mit dem Erfolg der Aktionen in den Schulen stellt sich zudem ein Multiplikatoreneffekt ein: Schülerinnen und Schüler tragen ihr Wissen über den Zusammenhang von eigenem Verhalten, Klimaschutz und Geldsparen in die Elternhäuser und regen dort zum Abfall-, Energie- und Wassersparen an.
Seit Einführung des Programms fifty/fifty im Jahre 1994 haben sich die Rahmenbedingungen geändert. Die Zuständigkeit für Schulgebäude ging 2010 auf Schulbau Hamburg (SBH) bzw. Gebäude Management Hamburg (GMH) über. Schulen werden nicht mehr von der Schulbehörde verwaltet, die BSB bzw. die Schulen mieten ihre Gebäude, die von SBH bzw. GMH bewirtschaftet werden, die BSB bezahlt eine sog. Warmmiete einschließlich aller sonstigen Nebenkosten (Vermieter-/Mietermodell).
Viele Schulen wurden und werden seit 2011 saniert, erhalten neue effizientere Heizungsanlagen, besser isolierende Gebäudehüllen und Fenster sowie smartere Beleuchtungsanlagen bzw. -mittel. Außerdem sind und werden inzwischen zahlreiche Schulen neu gebaut. Effizientere Gebäudetechnik macht es aber nicht unmöglich, weitere Energiekosten durch Verhaltensänderungen einzusparen bzw. Kohlendioxid-Emissionen zu verringern.
Durch die veränderten Rahmenbedingungen ist es erforderlich, fifty/fifty organisatorisch und inhaltlich anzupassen. Ziel muss sein, dass dieses Programm weiterhin dem ursprünglichen pädagogischen Ansatz gerecht wird und dabei auch der verbesserten Effizienz der Gebäude und der verbesserten und zugleich umfänglicheren technischen Ausstattung Rechnung getragen wird. Der finanzielle Anreiz zu Klimaschutz und zur Erwirtschaftung zusätzlicher Mittel für den Schulbetrieb sollte dabei erhalten bleiben.
Vor diesem Hintergrund möge die Bürgerschaft beschließen:
Der Senat wird aufgefordert,
1. das erfolgreiche Programm fifty/fifty weiterzuführen;
2. den pädagogischen Ansatz von fifty/fifty für alle Schulformen und Klassenstufen zu erhalten und die Beratung durch das Landesinstitut für Lehrerbildung und Schulentwicklung fortzuführen. Dabei sollen auch die Aspekte des Ressourcenschutzes und des sorgsamen Umgangs mit Abfall vermittelt werden;
3. ein ausgewiesenes Umweltinstitut damit zu beauftragen, ein Konzept für die Weiterentwicklung des Programms zu erarbeiten und dabei folgende Aspekte mit in die Überlegungen einzubeziehen:
a) Schaffung eines Anreizsystems für die Schulen,
b) Beibehaltung des für das Programm fifty/fifty vorhandenen finanziellen Rahmens,
c) Berücksichtigung der veränderten Rahmenbedingungen (Vermieter-/Mietermodell und Einsatz effizienter Haus- und Gebäudetechnik) unter gleichzeitiger Berücksichtigung besonderer baulicher Begebenheiten (z. B. viele einzelne Gebäude),
d) Entwicklung von transparenten und nachvollziehbaren Abrechnungsmodalitäten,
e) Prüfung, ob im Rahmen des Programms, unter Berücksichtigung vorhandener Förder- und Finanzierungsangebote, auf dem Schulgelände oder im/am Schulgebäude Anlagen zur Gewinnung Erneuerbarer Energien errichtet werden können,
4. eine Kommunikationsstrategie für das Programm fifty/fifty an Schulen zu entwickeln.
5. der Bürgerschaft bis Ende 2016 zu berichten.