Ksenija Bekeris

Stv. Fraktionsvorsitzende, Fachsprecherin für Soziales

Bezirk: Hamburg-Nord

Hamburger Integrationsfonds (VI) – Weiterbildungskurs „Digitale Medien für Flüchtlinge / DMF“

Freitag, 18.11.2016, Drucksache 21/

Antrag der Abgeordneten Monika Schaal, Andreas Dressel, Dirk Kienscherf, Ksenija Bekeris, Wolfgang Rose, Kazim Abaci, Annkathrin Kammeyer, Doris Müller, Jens-Peter Schwieger, Regina Jäck, Brigitta Schulz, Hendrikje Blandow-Schlegel, Uwe Giffei, Martina Friederichs und Fraktion sowie der Abgeordneten Antje Möller, Christiane Blömeke, Mareike Engels, René Gögge, Farid Müller, Dr. Carola Timm (GRÜNE) und Fraktion

Bürgerschaft und Senat unternehmen vielfältigste Anstrengungen, die Integration der in Hamburg lebenden Flüchtlinge, Migrantinnen und Migranten konsequent voranzubringen – immer in guter Nachbarschaft und im guten Miteinander von alteingesessenen und neu hinzukommenden Hamburgerinnen und Hamburgern. Die Maßnahmen haben immer auch zum Ziel, das soziale Leben und die Lebensqualität in Hamburg insgesamt sowie in den Quartiere und Stadtteilen für alle noch besser zu machen.

Die Bürgerschaft hat mit Drs. 21/5237 den Senat gebeten, einen Hamburger Integrationsfonds einzurichten und die Ermächtigung zur Verursachung von Kosten aus diesem Fonds an entsprechende Beschlüsse der Hamburgischen Bürgerschaft gekoppelt. Ausgaben sollen für Maßnahmen und Zuweisungen, die integrationsfördernde Angebote für Geflüchtete beinhalten, getätigt werden. Mit Beschluss der Drs. 21/5860 stehen nunmehr 7 Mio. Euro im Haushalt 2016 zur Verfügung. Die Mittel sind übertragbar. Zugleich wurde im Einzelplan 9.2 im Aufgabenbereich 283 ein neues Zentrales Programm „Hamburger Integrationsfonds– investiv“ mit einem Mittelvolumen von 3 Mio. Euro für investive Maßnahmen geschaffen. Damit gibt es ein zusätzliches Förderinstrument, das in der aktuellen Startphase zahlreicher Integrationsprojekte helfen soll, wichtige Projekte investiv oder konsumtiv zu unterstützen – immer mit dem Ziel dauerhaft tragfähiger, nachhaltiger Strukturen in den Regelsystemen unseres gesellschaftlichen Zusammenlebens. Aufgrund der grundlegenden Bedeutung soll die Bürgerschaft solche Förderentscheidungen selbst treffen, um politische Akzente bei der Umsetzung der Integrationspolitik setzen zu können. Der Hamburger Integrationsfonds soll – im Vorlauf zur Aufstockung des durch die Bezirke zu vergebenden Quartiersfonds und noch sehr kurzfristig in diesem Herbst - tragfähige Strukturen in den Nachbarschaften unterstützen, die Sozialräume bzw. landesweit wichtige bzw. pilotartige Integrationsprojekte stärken.

Im April 2016 startete die Hamburg Media School das Weiterbildungsprojekt für Medienschaffende mit Fluchtgeschichte (‚Digitale Medien für Flüchtlinge’ |DMF).

Die Hamburg Media School (HMS) stellt mit diesem Projekt ihre Kernkompetenz, junge Menschen im Bereich Film, Journalismus und Medienmanagement qualifiziert auszubilden, in den Dienst der Integration von Flüchtlingen.

Das Programm zielt auf Geflüchtete, die schon Erfahrungen in einem Medienberuf mitbringen oder in diesem Bereich studiert haben. Aufbauend auf Ihren Erfahrungen sollen die Geflüchteten innerhalb einer Unterrichtsphase von sechs Monaten so mit Fachkenntnissen und relevanten Kontakten ausgestattet werden, dass sie anschließend in einem von der HMS vermittelten Praktikum arbeiten können und von dort den Übergang in den Arbeitsmarkt für Medienschaffende finden. Die Teilnehmenden haben damit eine exzellente Chance, erfolgreich an ihrer bisherigen Arbeitsbiographie anzuknüpfen und sich zu professionalisieren. Zudem bietet das umfangreiche Netzwerk der HMS die notwendigen Kontakte und wertvolle Zugänge zu potentiellen Arbeitgebern.

Die erste Ausbildungsgruppe mit Teilnehmenden aus Syrien, Afghanistan, Iran, Ruanda und Kolumbien startete am 01. April 2016 und absolvierte einen sechsmonatigen deutschsprachigen Unterricht, dessen Stundenplan fast alle Angebote der HMS umfasste. Nach erfolgreichem Abschluss des ersten Durchgangs begann am 14. Oktober 2016 der zweite DMF – Kurs mit 10 Teilnehmenden aus Syrien, Iran, Jemen und Ägypten. Alle Teilnehmenden an den DMF-Kursen leben in Hamburg oder im näheren Umfeld von Hamburg und hatten schon vor Kursbeginn gute Deutschkenntnisse (B2-Niveau) erworben.

Die HMS stellt ihre Organisation in den Dienst des Projektes und die in den Kursen eingesetzten Dozentinnen und Dozenten arbeiten pro bono. Weitere anfallenden Kosten wie Anfahrtskosten der Teilnehmenden (HVV-Monatstickets), Reisekosten für auswärtige Dozentinnen und Dozenten sowie andere Zuwendungen an die Flüchtlinge summieren sich auf 50.000 € pro Kurs und werden bislang zu 100% aus Spenden finanziert.

Mit den Erfahrungen aus dem ersten erfolgreichen Weiterbildungsdurchgang hat die HMS entschieden, dieses Angebot zunächst mit vier Kursen in den Jahren 2017/18 weiter zu führen und dafür eine ergänzende Förderung in Höhe von 100.000 Euro aus dem Integrationsfonds zu beantragen.

Dem Aufwand von 50.000 € pro Kurs liegt folgende Kalkulation zu Grunde:
- 54% Personalkosten für 35 Std. DMF-Koordination und 10 Std. Zuarbeit/Stundenplan
- 40% Fahrtkosten der Teilnehmenden, Essenszuschuss, Teilnahmegebühren an Konferenzen etc.
- 6% Reisekosten Dozierende, notwendige Beschaffungen, Honorare stud. Hilfskräfte

Mit der Förderung aus dem Integrationsfonds und der zusätzlicher Akquisition von Spenden in gleicher Höhe können vier weitere Weiterbildungsdurchgänge mit einem Budget von jeweils 50.000 € in den Jahren 2017 und 2018 durchgeführt werden.


Die Bürgerschaft möge beschließen:

Der Senat wird ersucht,

1. im Haushaltsjahr 2017 und 2018 aus dem Hamburger Integrationsfonds (Einzelplan 9.2 Aufgabenbereich 283 „Zentrale Finanzen“, Produktgruppe 283.02 „Zentrale Ansätze II“, Produkt „Hamburger Integrationsfonds“) jeweils 50.000 Euro per Sollübertragung auf den Einzelplan 3.2 für die Förderung des Projekts „Digitale Medien für Flüchtlinge/DMF“ in der Produktgruppe 249.01 „Von Hamburg geförderte Einrichtungen“ als Kosten für Transferleistungen zur Verfügung zu stellen.

2. der Bürgerschaft im zweiten Quartal 2019 über die Ergebnisse der Maßnahmen zu berichten.