Ksenija Bekeris

Stv. Fraktionsvorsitzende, Fachsprecherin für Soziales

Bezirk: Hamburg-Nord

Sanierungsfonds Hamburg 2020: Sanierungsmaßnahmen des Thalia in der Gaußstraße unterstützen

Mittwoch, 11.11.2020, Drucksache 22/

Antrag der Abgeordneten Dirk Kienscherf, Mathias Petersen, Ksenija Bekeris, Ole Thorben Buschhüter, Gabriele Dobusch, Martina Koeppen, Christel Oldenburg, Juliane Timmermann, Kazim Abaci, Hansjörg Schmidt, Frank Schmitt, Isabella Vértes-Schütter, Regina Jäck, Dagmar Wiedemann, Claudia Loss, Kirsten Martens, Philine Sturzenbecher, Cem Berk, Jan Koltze und Fraktion sowie der Abgeordneten Maryam Blumenthal, Miriam Block, Mareike Engels, Sina Demirhan, René Gögge, Farid Müller, Ivy May Müller, Dennis Paustian-Döscher, Peter Zamory (GRÜNE) und Fraktion

Das Thalia in der Gaußstraße ist der zweite Betriebsteil und das kreative Herz des Thalia Theaters in Altona. Seit 1977 ist im ehemaligen Industriehof der Gebrüder Schmidt das Probenzentrum des Thalia Theaters mit vier Probebühnen, dem Kostümfundus und den Werkstätten untergebracht. Tagsüber entwickeln hier Schauspielerinnen und Schauspieler mit ihren Regie-Teams neue Inszenierungen für das Große Haus am Alstertor und das Thalia in der Gaußstraße.
Seit 2000 betreibt das Thalia Theater die Spielstätten in der Gaußstraße: das Studio (200 Plätze), die Garage (80 Plätze) und den Ballsaal (70 Plätze), die ihren Besucherinnen und Besuchern ein vielseitiges Programm bieten. Neben progressiven Theateraufführungen finden dort auch Konzerte mit Altonaer Künstlerinnen und Künstlern, Lesungen, Tanztees, Symposien mit der Uni Hamburg, Jugend-Workshops und diverse Festivals statt. Eine Besonderheit in der Spielstätte in der Gaußstraße ist die Nähe zwischen dem Publikum und den Schauspielern und Schauspielerinnen, denn das Publikum sitzt nur wenige Meter vom Ensemble entfernt. Der Ballsaal lädt auch zum Verweilen nach der Vorstellung ein, sodass bei Getränken und Snacks Publikum und Ensemble ins Gespräch kommen können. „Die Gaußstraße“ mit ihrem vielfältigen Angebot erfreut sich großer Beliebtheit bei Jung und Alt: In der vergangenen Spielzeit besuchten rund 41.000 Zuschauerinnen und Zuschauer die mehr als 300 Vorstellungen bei einer Auslastung von 85 Prozent. Seit November 2015 ist auch das "Embassy of Hope - Café International" in der Gaußstraße zu Hause, in dem Menschen mit Fluchterfahrung mit Theaterleuten und der Altonaer Nachbarschaft Deutsch lernen, Musik machen und neue Freundschaften knüpfen.
Der Wegzug des Jungen Schauspielhauses vor zwei Jahren, für das zurzeit am Wiesendamm in Barmbek neue Theaterräume gebaut werden, hat der Popularität des Thalia in der Gaußstraße keinen Abbruch getan. Im Industriehof der Gaußstraße haben sich Betriebe der Kreativwirtschaft angesiedelt, so z. B. die Redaktion des Stadtmagazins "Szene Hamburg“ oder Gastronomie wie das Restaurant "Farina meets Mehl".
Die geplante Eröffnung der S-Bahn-Haltestelle "Ottensen" genau hinter dem Industriehof 2021 wird zur weiteren Belebung des Altonaer Kulturorts Gaußstraße beitragen. Das Thalia Theater versucht mit eigenen Mitteln, die Außengestaltung des Geländes in der Gaußstraße attraktiver zu gestalten.
Die intensive Bespielung der drei Bühnen und des Probenzentrums fordert ihren Tribut: Nach zwanzig Jahren Dauerbetrieb müssen etliche bühnentechnische Anlagen dringend saniert werden, um auch zukünftig den Vorstellungsbetrieb mit der gebotenen Sicherheit gewährleisten zu können. Weiterer Aufschub birgt zunehmend die Gefahr der Ausfälle oder gar Stilllegung von Betriebsteilen. Das Budget des Thalia Theaters verfügt über keine Sanierungsmittel, sodass Mittel beantragt werden müssen.
Die Sanierung berücksichtigt alle Bereiche, um eine solide Grundlage für die Zukunft zu legen. Der Mietvertrag läuft bis ins Jahr 2040. Eine nur stückweise Sanierung würde die Wiederaufnahme der Sanierungsarbeiten zu anderen Zeitpunkten erfordern, was neben der Dringlichkeit auch nur schwer in den eng getakteten Spielbetrieb integriert werden könnte und vermieden werden sollte.
Die Maßnahmen umfassen im Einzelnen:
- die Instandsetzung von Böden, insbesondere im Lager und im Anlieferungsbereich;
- die Renovierung der Sanitäranlagen im Zuschauer- sowie Garderobenbereich, insbesondere der Duschen bei den Garderoben;
- lufttechnische Anlagen zur allgemeinen Verbesserung der Lüftungssituation auf den Probebühnen sowie Rauch-Wärme-Abzugseinrichtungen;
- allgemeine Sanierungsmaßnahmen und erforderliche Neuanschaffungen, dazu gehören die Beleuchtung der Schlosserei, Brandschutztüren, Hebe- und Logistikvorrichtungen, Erweiterung des Regalsystems im Fundus, eine neue Holzbearbeitungsmaschine etc.;
- die Sanierung nutzungsspezifischer Anlagen im Bereich Bühnentechnik, Video, Ton und Beleuchtung
Die Maßnahmen dienen der längst überfälligen Sanierung der Spielstätte und des Produktionsortes Thalia in der Gaußstraße. Damit wird der notwendige Sicherheitsstatus wiederhergestellt, logistische Bedingungen werden optimiert und eine deutliche Verbesserung des Energieverbrauchs erwirkt. Für die dringend erforderlichen Sanierungsmaßnahmen fallen Gesamtkosten, inklusive eines 10 prozentigen Anteils an Baunebenkosten, in Höhe von 1,95 Millionen Euro an.
Die Regierungsfraktionen von SPD und Grünen setzen sich dafür ein, die für das Kulturleben der Freie und Hansestadt Hamburg so bedeutende Spielstätte bei der umfassenden Sanierung zu unterstützen und aus dem Sanierungsfonds Hamburg 2020 Mittel bereit zu stellen.

Die Bürgerschaft möge beschließen:
Der Senat wird ersucht,
1. für die Sanierung der Spielstätte und des Produktionsortes des Thalia in der Gaußstraße die jeweilige Höhe des konsumtiven beziehungsweise investiven Anteils der Maßnahme zu ermitteln,
2. im Haushaltsjahr 2020 – abhängig vom Ergebnis dieser Ermittlung – eine Ermächtigung, Kosten zu verursachen beziehungsweise Auszahlungen zu leisten in Höhe von insgesamt bis zu 1.950.000 Euro bereitzustellen für
a. konsumtive Maßnahmen im Einzelplan 3.3, Produktgruppe 251.01 Theater, Museen und Bibliotheken, Kontenbereich „Kosten für Transferleistungen“ aus dem Sanierungsfonds Hamburg 2020 (Einzelplan 9.2 Produktgruppe 283.02 „Zentrale Ansätze II“, Kontenbereich Globale Mehrkosten) und
b. investive Maßnahmen im Einzelplan im Aufgabenbereich 251 Kultur und Staatsarchiv aus der „Zentralen Sanierungsreserve Hamburg 2020“ (Einzelplan 9.2, Aufgabenbereich 283, „Zentrale Finanzen“),
3. für die dazugehörigen Abschreibungen – in Abhängigkeit vom jeweiligen Aktivierungszeitpunkt der unter Ziffer 2b genannten investiven Maßnahme – die benötigten Ermächtigungen aus dem Einzelplan 9.2, Produktgruppe 283.02 Zentrale Ansätze II, Sanierungsfonds Hamburg 2020, in den Kontenbereich „Kosten aus Abschreibungen“ im Einzelplan 3.3., Produktgruppe 251.01 „Theater, Museen und Bibliotheken“ für das Haushaltsjahr 2020 zu übertragen,
4. der Bürgerschaft über den Planungs- und Umsetzungsstand bis Ende 2021 zu berichten.