Ksenija Bekeris

Stv. Fraktionsvorsitzende, Fachsprecherin für Soziales

Bezirk: Hamburg-Nord

Bekannte Probleme bei Freiwilligendiensten – Senat reagiert mit Zwergenmaßnahmen.

Donnerstag, 10.06.2010

Bekeris fordert nennenswerte Anstrengungen und Vorbereitung auf drohende Kürzung des Zivildienstes

Zu wenig Plätze bei den Freiwilligendiensten und eine geringe Beteiligung von Jugendlichen ohne Abitur und mit Migrationshintergrund – das sind die schon lange bekannten Probleme bei den Freiwilligendiensten. Trotzdem gibt es keine nennenswerten Anstrengungen des Senats, um dies zu ändern. Das ergab eine aktuelle Große Anfrage der SPD-Fraktion.

Exemplarisch sei hier der Jahrgang 2008/2009 beschrieben: Bei 1.124 Plätzen für ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) blieben allein zwei Plätze unbesetzt. Die 55 Plätze für das Freiwillige Ökologische Jahr dieses Jahrgangs waren restlos besetzt, ebenso die stark nachgefragten 24 Plätze des FSJ-Kultur. Während 62 Prozent der FSJ-TeilnehmerInnen Abitur und knapp 30 Prozent einen Realschulabschluss hatten, waren es bei den FÖJ-TeilnehmerInnen 87 Prozent AbiturientInnen und auch am FSJ-Kultur nahmen überwiegend Jugendliche mit diesem Bildungsabschluss teil.

Jugendliche mit niedrigem oder keinem Bildungsabschluss sind damit deutlich unterrepräsentiert. Bekannt ist zudem, dass auch Jugendliche mit Migrationshintergrund selten einen Freiwilligendienst absolvieren. Da die Freiwilligendienste einen wichtigen Beitrag zur persönlichen Weiterentwicklung und zur beruflichen Orientierung bieten, ist eine Veränderung wünschenswert.
„Das Problembewusstsein ist auf Seiten des Senats durchaus vorhanden. Allerdings führt das nicht zu einem entschiedenen Gegensteuern“ so die SPD-Bürgerschaftsabgeordnete Ksenija Bekeris. „Nun sollen dieses Jahr zwar zwei Modellprojekte zum FSJ starten, um die beschriebene Schieflage anzugehen, aber eine ernst gemeinte Anstrengung auch bei den anderen Freiwilligendiensten ist das nicht.“ bewertet Bekeris die Bemühungen des Senats.

Ksenija Bekeris schlägt vor, die Ergebnisse des Kongresses „Hamburg engagiert sich – Ehrensache! Integration fördern, Familien unterstützen“ aus dem Herbst 2007 aufzugreifen. So wurde damals ein Konzept zur Stärkung des bürgerschaftlichen Engagements von MigrantInnen angedacht . „Leider hat die Sozialbehörde dieses Konzept sang- und klanglos beerdigt“ so Ksenija Bekeris mit Bezug auf zwei Kleine Anfragen vom Beginn des Jahres.

Eine weitere Schwachstelle des Senats mit Konsequenzen für soziale Träger sieht Ksenija Bekeris beim Umgang mit der drohenden Kürzung des Zivildienstes: „Der Senat hat sich mit den anstehenden Veränderungen noch nicht befasst. Trotz der Möglichkeit einer freiwilligen Verlängerung des Zivildienstes können insbesondere kleine Träger Probleme mit der geplanten Zivildienstverkürzung bekommen. Es wäre schade, wenn Zivildienstplätze wegfallen, weil der Senat nicht vorbereitet ist. Er muss dringend Gespräche mit den Akteuren aufnehmen!“