Ksenija Bekeris

Stv. Fraktionsvorsitzende, Fachsprecherin für Soziales

Bezirk: Hamburg-Nord

Bevor die kalte Jahreszeit beginnt: Obdachlosen schnell Hilfe anbieten

Dienstag, 01.09.2009

SPD begrüßt Vorlage der Studie über Wohnungslosigkeit in Hamburg – Bekeris fordert schnelle und wirksame Konsequenzen

Die SPD-Bürgerschaftsabgeordnete Ksenija Bekeris hat die Vorlage der Studie über Obdachlosigkeit in Hamburg als „Grundlage für eine systematische Befassung mit dem Thema Obdachlosigkeit“ begrüßt. „Es liegen jetzt fundierte Erkenntnisse über das Thema Obdachlosigkeit in Hamburg vor. Wir haben jetzt die Chance, noch vor dem Einbruch der kalten Jahreszeit Verbesserungen für den Menschen zu erreichen, die auf der Straße leben“, sagte Bekeris, in der SPD-Fraktion verantwortlich für Obdachlosigkeit. Sie warnte gleichzeitig vor einer weiteren Verfestigung der Obdachlosigkeit in Hamburg: „Die Zunahme bei der Dauer von Obdachlosigkeit ist ein Alarmsignal und weist auf eine Verstetigung der Armutslage in Hamburg hin“, sagte die SPD-Sozialpolitikerin.

Sie mahnte gleichzeitig konkrete und schnell wirksame Schritte an, um die Situation obdachloser Menschen zu verbessern. So sei zum Beispiel mehr Wohnraum für Obdachlose nötig. „Wenn die Fachstellen Wohnraum anbieten können, wird sich ihre Effektivität verbessern.“ Derzeit nähmen nur rund 20 Prozent der befragten Obdachlosen die Angebote der Fachstellen an.

Bekeris betonte, das tatsächliche Ausmaß der Obdachlosigkeit in Hamburg sei größer, als die jetzt vorgelegten Zahlen zeigen. „Besonders Frauen und Jugendliche sind von verdeckter Wohnungslosigkeit betroffen. Gleichzeitig gibt es vermehrt Langzeitobdachlose, die die Angebote nicht mehr wahrnehmen.“ Bekeris betonte, die durchschnittliche Obdachlosigkeits-Dauer sei auf fast fünf Jahre gestiegen – gegenüber einer Zeit von dreieinhalb Jahren im Jahr 1996. „Bei diesen Menschen gibt es verstärkt Notlagen, bei denen das herkömmliche Hilfesystem nicht mehr greift. Die Bekämpfung von Langzeit-Obdachlosigkeit muss zukünftig ein besonderer Schwerpunkt sein“, forderte Bekeris.

Eine weitere Brisanz liege im hohen Grad der Verschuldung Obdachloser: 61 Prozent sind – so die Studie - verschuldet. Gleichzeitig seien rund ein Drittel aller Obdachlosen nicht krankenversichert. „Besonders mit Blick auf die Verschuldung gibt es Nachholbedarf. Nur rund sechs Prozent der Betroffenen nehmen die Schuldnerberatung in Anspruch. Das zeigt, dass verstärkt auf dieses Angebot hingewiesen werden muss“, sagte Bekeris.

Als besonderes Problem nicht-deutscher Obdachloser nannte Bekeris die fehlende Verankerung dieser Menschen im Regelsystem. „Wir brauchen auch Zugang zu den nicht-deutschen Obdachlosen. Wir brauchen anonyme Beratungsstellen und insbesondere für diese Menschen vermehrt anonyme Krankenversorgung – über die Angebote des Kranken- und Zahnmobils sowie über die Krankenstube hinaus“, sagte die SPD-Bürgerschaftsabgeordnete.