Ksenija Bekeris

Stv. Fraktionsvorsitzende, Fachsprecherin für Soziales

Bezirk: Hamburg-Nord

Obdachlose Menschen nicht im Stich lassen

Mittwoch, 07.10.2009

Bekeris: Dunkelziffer weit größer - Probleme bestehen weiter

Die SPD-Bürgerschaftsabgeordnete Ksenija Bekeris hat sich in der aktuellen Stunde erfreut über den Rückgang der Obdachlosigkeit in den letzten Jahren gezeigt. Allerdings liege der Rückgang von knapp 15 Prozent in diesem Jahr gegenüber dem Jahr 1996 (1204 gezählte Obdachlose) deutlich hinter dem Bundestrend von etwa 50 Prozent. Auch sei die absolute Zahl von 1029 registrierten Obdachlosen „in unserer reichen Stadt“ nicht hinzunehmen. Sie appellierte an den Senat, sich nicht auf dem Erreichten auszuruhen und forderte vom Senat, das Beratungs- und Unterbringungsprogramm vor allem für Langzeitobdachlose, junge Menschen und Frauen auszuweiten

Bekeris unterstrich, dass bei einer Obdachlosenzählung nicht alle Menschen erfasst werden, die auf der Straße leben: „Gerade Jugendliche und Frauen werden nicht erfasst. Diese Menschen würden die Gesamtzahl der Obdachlosen deutlich erhöhen“, sagte die Abgeordnete. Hinzu kämen noch 2500 Menschen, die wohnungslos sind und in öffentlichen Einrichtungen unterkommen. Diese Zahlen machten deutlich: „In Hamburg fehlt bezahlbarer Wohnraum für wohnungslose Menschen und für Menschen mit wenig Einkommen.“

Die SPD-Sozialpolitikerin betonte zudem, dass gerade eine „Veralterung“ der auf der Straße lebenden Menschen und eine „Verstetigung der Obdachlosigkeit“ junger Menschen zu beobachten seien. Das Durchschnittsalter der Obdachlosen habe sich seit 1996 von 37 auf heute 43 Jahre erhöht. Gleichzeitig habe die Dauer der Obdachlosigkeit im Vergleich zu 2002 zugenommen: Damals lag sie bei 47 Monaten, heute liegt sie bei 58 Monaten. Über 35 Prozent der Obdachlosen leben seit mehr als fünf Jahren auf der Straße. Das sind, so Bekeris, „beunruhigende Entwicklungen“.

Vor diesem Hintergrund appellierte die SPD-Politikerin an den Senat, das bestehende Beratungs- und Hilfsangebot auszubauen. Das Jung-Erwachsenenprojekt auf der Veddel sei ein richtiger Weg. Aber auch hier gelte, so Bekeris: „Das Projekt muss erweitert und auch in anderen Stadtteilen – nicht nur in Hamburg-Mitte – angeboten werden.“

Ein weiteres Thema der Obdachlosigkeit seien Qualität und Standards der Unterbringung von Wohnungslosen. Es gebe zu wenig freie Plätze und es würden zu wenig Einzelbettzimmer angeboten. Bekeris: „Ein Mindestmaß an Privatsphäre und Sicherheit ist nötig, damit die Menschen die zur Verfügung stehenden Angebote auch nutzen.“

Abschließend nahm Bekeris Sozialsenator und die CDU-GAL-Senat in die Pflicht: „Wir können die Verantwortung für dieses Thema nicht – wie der Senator es hier und da andeutet – auf die gemeinnützigen Einrichtungen und Freiwilligen abschieben, die eine wichtige Arbeit leisten. Hier ist die Stadt gefordert, und hier muss Geld in die Hand genommen werden. Geld, das für über tausend Menschen, ein würdiges Leben bedeutet. Hierbei handelt es sich um politische Entscheidungen, die wir als SPD-Fraktion mit aller Dringlichkeit vom Senat einfordern.“