Monika Schaal

Fachsprecherin für Umwelt

Bezirk: Eimsbüttel

Freshfields-Gutachten: peinlich für HSH Nordbank

Sonntag, 07.03.2010

Geheimes Papier wirft Bankmanagement "unterentwickeltes Risikomanagement", "unkluges Verhalten" und „Dilettantismus“ vor

Das bisher geheim gehaltene Gutachten der Kanzlei Freshfields, Bruckhaus, Deringer zum Geschäftsbetrieb der HSH Nordbank wirft aus Sicht der SPD-Bürgerschaftsfraktion ein schlechtes Licht auf die Aufsicht und die Führung der Bank. „Das von der HSH Nordbank selbst in Auftrag gegebene Gutachten spricht von einem unterentwickelten Risikomanagement, von unklugem Verhalten und von Dilettantismus“, sagte der SPD-Obmann im Parlamentarischen Untersuchungsausschuss (PUA) zur HSH Nordbank, Thomas Völsch. Der PUA hatte zuvor den Freshfields-Anwalt Thomas Emde befragt. Dieser habe „eine Fülle von zum Teil dramatischen Feststellungen getroffen und zahlreiche Mängel in der HSH Nordbank festgestellt“, sagte Völsch.

Mit den Erläuterungen Emdes zum Gutachten und seinen Aussagen zum Zustand der HSH Nordbank hat der PUA weitere wichtige Informationen über das Innenleben der Bank erhalten, sagte Völsch. So hatte der Gutachter der HSH Nordbank unter anderem eine „aggressive Geschäftspolitik“ vorgeworfen, hatte „eine Mischung aus überzogenen Renditeerwartungen, schlechter Beratung und Dominanz des Marktbereiches“ kritisiert und eine „erhebliche Dichte an Mängeln“ diagnostiziert. Dass den Verantwortlichen in Bank und Politik die Details aus dem Gutachten unangenehm seien, bezeichnete Völsch als verständlich: Der ehemalige Aufsichtsratsvorsitzende der HSH Nordbank, Wolfgang Peiner, hatte vor der Sitzung des PUA vergeblich versucht, die Aussagen Emdes zu verhindern.

Umso irritierter reagierte die SPD auf die abschließende Bewertung der Geschäftsaktivitäten der Bank durch den Gutachter. Trotz seiner zuvor geäußerten Kritik hatte Emde erläutert, seiner Ansicht hätte es in der Bank praktisch kaum substantielle Pflichtverletzungen gegeben. Die die Führung der HSH Nordbank unterscheide sich – trotz aller gemachter Fehler – nicht von der Führung anderer Bankhäuser, die ebenfalls in Schieflage geraten sind. - „Die Aussage, in anderen Instituten sei es vor dem Beginn der Finanzkrise noch schlimmer gelaufen als in der HSH Nordbank, mag zutreffen. Sie ist aber keine Entschuldigung für die Verantwortlichen der ehemaligen Hamburger Landesbank“, sagte Völsch.

Von einem Gefälligkeitsgutachten für die HSH Nordbank wolle er ausdrücklich nicht sprechen. „Aber man hat den Eindruck, die HSH Nordbank solle insbesondere in der abschließenden Bewertung durch Freshfields geschont werden.“ Die „diskutable Bewertung der Bank durch das Gutachten“ könne am stark eingeschränkten Prüfauftrag - Pflichtverletzungen der Vorstandsmitglieder - liegen. Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG war bei ihrer Bewertung der Bank zu einem deutlich kritischeren Ergebnis gekommen, insbesondere mit Blick auf Verstöße gegen das Kreditwesengesetz.