Monika Schaal

Fachsprecherin für Umwelt

Bezirk: Eimsbüttel

Immer mehr Kinder mit Förderbedarf besuchen die allgemeinen Schulen

Donnerstag, 07.10.2010

Rabe: Noch immer fehlt das Konzept der Schulbehörde

Immer mehr Kinder mit Behinderung und Kinder mit Förderbedarf besuchen anstelle der Sonder- und Förderschulen die allgemeinen Schulen. Darauf hat der schulpolitische Sprecher der SPD-Bürgerschaftsfraktion Ties Rabe hingewiesen. Normaler Weise nehmen Hamburgs allgemeine Schulen in ihren ersten Klassen rund 220 Förderkinder auf. Eine Anfrage an den Senat hat jetzt ergeben, dass in diesem Jahr 374 Kinder mit Förderbedarf in den ersten Klassen angemeldet wurden. Das ist ein Anstieg um über 70 Prozent. An den fünften Klassen meldeten sich 122 zusätzliche Schüler an - ein Plus von 42 Prozent. Insgesamt stiegen die Anmeldungen damit um über 50 Prozent. Ties Rabe: „Wir haben diese Entwicklung gewollt und die Eltern bestätigen jetzt, wie richtig unsere Entscheidung war. Allerdings liegt noch kein Konzept dazu vor, wie die Förderkinder in einer allgemeinen Schule künftig lernen sollen. Die Schulbehörde will dies erst im nächsten Jahr vorlegen. Das ist viel zu spät, das Konzept hätte natürlich vor dem Start fertig sein müssen“, so der Schulpolitiker.

Rabe mahnte außerdem: „Statt für die zusätzlichen Kinder weitere der seit Jahren bewährten Integrationsklassen einzurichten, hat die Schulbehörde nur eine schlecht organisierte Übergangslösung geschaffen.“ Im Kern ginge es um zwei Fragen: Wie viele der Unterrichtsstunden der Förderkinder werden von einem speziellen Sonderschullehrer erteilt? Wie werden die benötigten Sonderschullehrer in den Unterrichtsalltag der Regelschule eingebunden? In den seit Jahren bewährten Integrationsklassen lernen vier Förderschüler zusammen mit 17 anderen Schülern. Jeder Förderschüler bekommt pro Woche wenigstens vier spezielle Förderstunden, die von einem Sonderschullehrer aus der Grundschule erteilt werden.

Ties Rabe: „Die neuen Pläne der Schulbehörde machen wenig Mut. Unter anderem wird geprüft, ob der zusätzliche Förderunterricht künftig geringer ausfallen soll. Schon jetzt wurde der Förderunterricht für einige der neu eingeschulten Kinder mehr als halbiert. Zudem gibt es Überlegungen, die Sonderschullehrer nicht in die allgemeine Schule einzubinden, sondern als Mitarbeiter eines Förderzentrums auszugliedern. Das ist nicht klug. Wenn zwei getrennte Organisationen – allgemeine Schule und Förderzentrum – an einem Kind „herumdoktern“, gibt es erhebliche Abstimmungsprobleme und Reibungsverluste, oder es fühlt sich am Ende keiner zuständig.“

Die Bürgerschaft hatte im neuen Schulgesetz allen Eltern von Kindern mit Förderbedarf freigestellt, ihre Kinder in den Klassen 1 und 5 an einer Förderschule oder einer allgemeinen Schule anzumelden. Ties Rabe: „Die vor kurzem in Kraft gesetzte UN-Konvention gibt Kindern mit Förderbedarf das Recht, allgemeine Schulen zu besuchen. Die Wirklichkeit jedoch sieht so aus: Nur 1.200 der 8.400 Hamburger Förderkinder besuchten im Schuljahr 2009/2010 eine allgemeine Schule. Das sind gerade 14 Prozent. Fast 86 Prozent gingen stattdessen auf eine der 39 Hamburger Sonder- oder Förderschulen. Innerhalb Deutschlands liegt Hamburg mit dieser Quote auf den hinteren Plätzen. Das muss sich ändern. Doch so, wie der Senat die Dinge verschleppt, geht das nicht.“