Monika Schaal

Fachsprecherin für Umwelt

Bezirk: Eimsbüttel

SPD-Fraktionschef Andreas Dressel zum Tod von Chantal: "Ohne Kurswechsel in der Jugendhilfe wird es nicht gehen"

Mittwoch, 08.02.2012

SPD-Fraktionschef Andreas Dressel hat in der heutigen Aktuellen Stunde der Bürgerschaft davor gewarnt, den tragischen Tod von Chantal für parteipolitische Manöver zu instrumentalisieren. "Wir sollten nicht den Fehler machen, jetzt wieder zum üblichen politischen Schlagabtausch, zu parteitaktischen Attacken überzugehen." Die alles entscheidende Frage müsse vielmehr sein, was dem Kindeswohl wirklich dienen könne. "Deswegen ist jetzt eine in jeder Hinsicht ergebnisoffene, unabhängige, konsequente Aufarbeitung dieses Skandals – einer schlimmen Verantwortungslosigkeit mit tödlichem Ausgang – erforderlich." Der Bürgermeister habe in diesem Zusammenhang mehr als deutlich klargestellt, dass er bei der Aufarbeitung auf nichts und niemanden falsche Rücksicht nehmen werde. "Dabei hat er unsere volle Rückendeckung", machte Dressel deutlich.

Im Falle von Chantal habe es eine Reihe von unerträglichen und unverständlichen Fehlern bei vielen Beteiligten gegeben – es offenbare sich nicht zuletzt auch ein Systemversagen, das zum Tod des Mädchens geführt habe. "Die Veränderungen nach den letzten tragischen Todesfällen von Kindern in Obhut haben Chantals Tod nicht verhindert und deshalb muss an vielen Stellen etwas passieren, um das Kindeswohl nachhaltig zu sichern." Dressel forderte konkrete Veränderungen

- in Strukturen und im System,
- bei den Mitarbeitern und bei der EDV,
- auf der Arbeitsebene und bei den Aufsichtsinstanzen,
- bei Mitteilungspflichten und dem Datenschutz,
- bei Gesetzen und Richtlinien,
- im Verhältnis zwischen freien Trägern und Jugendamt

"Wir müssen für Systeme und Rahmenbedingungen sorgen, in denen einzelne Fehlbeurteilungen eben nicht solche fatalen Folgen haben", so Dressel weiter. "Es muss Kontroll- und Aufsichtsmechanismen geben, die möglichst immun sind gegen Betriebsblindheit. Es muss ausgeschlossen werden, dass eine so genannte milieunahe Unterbringung zulässt, dass ein Kind von einer Kindeswohlgefährdung in die nächste wechselt. Und wir müssen es schaffen, dass es keine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mehr gibt, die meinen, für ein dem Staat anvertrautes Kind müsse es kein eigenes Bett geben. Solche Fehleinschätzungen sind keine Frage von Ressourcen und müssen ein für allemal aus den Köpfen derjenigen verschwinden, die die Verantwortung und das Wächteramt über das Kindeswohl wahrzunehmen haben."

Es müsse darum gehen, dass bei der Wahrnehmung des staatlichen Wächteramts gegenüber Familien auch in der Praxis der Leitsatz gelte: "Vertrauen ist gut, aber Kontrolle und Aufsicht müssen sein, denn das Kindeswohl ist das höchste Gut", so Dressel abschließend. "Ohne einen Kurswechsel in der Jugendhilfe wird es nicht gehen."