Monika Schaal

Fachsprecherin für Umwelt

Bezirk: Eimsbüttel

Hamburg muss rot bleiben

Mittwoch, 09.04.2014

SPD-Fraktion will Backsteinquartiere schützen

Die SPD-Fraktion fordert den Erhalt der vom Rotklinker geprägten Stadtteile in Hamburg. Eine entsprechende Initiative wird heute in der Bürgerschaft debattiert. Hierzu Dirk Kienscherf, Stadtentwicklungsexperte der SPD-Fraktion: "Der rote Backstein prägt maßgeblich das Hamburger Stadtbild. Allerdings verschwinden immer mehr Backsteinfassaden unter so genannten Wärmeverbundsystemen, die vom Material, der Farbgebung und Gestaltung nichts mehr mit der Ursprungsfassade zu tun haben. Da kaum Eingriffsmöglichkeiten seitens der Behörden bestehen, geschieht dieses völlig ungeordnet, so dass ganze Straßenzüge ihre Identität verlieren." Beispielhaft seien hier Quartiere wie Hamm, Horn oder Bahrenfeld genannt, so Kienscherf. "Mit einem Konzept für städtebauliche Erhaltungsverordnungen wollen wir nun das 'rote' Hamburg schützen – so wie es bereits seit vielen Jahren erfolgreich im 'weißen' Hamburg mit seinen Jugendstilquartieren getan wird."

Kienscherf weiter: "Aktuell gibt es keinen rechtlichen Schutz für die von Backstein geprägten Quartiere. Die ungeplante Umgestaltung des Stadtbildes geht unvermindert weiter. Hier müssen wir jetzt die Notbremse ziehen. Mit den Erhaltungsverordnungen würde die Stadt ihre Gestaltungsfähigkeit wieder zurückgewinnen. Mit unserem Antrag wollen wir erreichen, dass die energetische Sanierung in Backsteinquartieren in Zukunft behutsamer umgesetzt wird und zumindest der stadtbildprägende Charakter erhalten bleibt. Dabei wollen wir Erfahrungen und die Kompetenz der Akteure im Bündnis für das Wohnen einbeziehen."

Hintergrund:
Backstein prägt vielerorts das Hamburger Stadtbild. Die Bewohnerinnen und Bewohner der "roten Stadtteile" schätzen Backstein als ein wesentliches identitätsstiftendes architektonisches Element. Nach einer 2010 von der Stadtentwicklungsbehörde durchgeführten Untersuchung, stehen nur wenige Backsteinbauten und -quartiere unter Denkmalschutz. Zwar stellt die Stadt im Rahmen energetischer Sanierungen öffentliche Fördermittel zum Erhalt oder Neubau von Backsteinfassaden zur Verfügung, gleichwohl findet das Anbringen von Wärmeverbundsystemen aus wirtschaftlichen oder technischen Gründen einen unvermindert hohen Einsatz. Aufgrund fehlender rechtlicher Einwirkungsmöglichkeiten geht so jeden Monat ein Stück Backsteinerbe verloren.

In einem ersten Schritt soll durch ein Konzept neu zu erlassener Erhaltungsverordnungen der jetzt bestehende Aderlass kurzfristig gebremst und sich zumindest neue Fassaden an den alten orientieren, um so das bisherige gewachsene Stadtbild zu schützen. In einem zweiten Schritt soll untersucht werden, ob einzelne wichtige Gebäude unter Denkmalschutz zu stellen sind. Bei beiden Maßnahmen soll auf vorliegende Untersuchungen der Stadtentwicklungsbehörde sowie der bisherigen Arbeit und Kompetenz der Arbeitsgruppe Backsteinbauten im Bündnis für das Wohnen zurückgegriffen werden. Im Dialog mit den Bezirken und der Wohnungswirtschaft soll der Senat eine nachhaltige Strategie zum Erhalt des backsteingeprägten Stadtbildes entwickeln und der Bürgerschaft darüber berichten.