Diversität in Hamburgs Kulturlandschaft

Mittwoch, 18.08.2021, Drucksache 22/

Antrag der Abgeordneten Gabriele Dobusch, Christel Oldenburg, Kazim Abaci, Hansjörg Schmidt, Isabella Vértes-Schütter, Regina Jäck, Dagmar Wiedemann, Claudia Loss, Kirsten Martens, Cem Berk und Fraktion sowie Maryam Blumenthal, Miriam Block, Sina Demirhan, René Gögge, Farid Müller, Ivy May Müller, Peter Zamory (GRÜNE) und Fraktion

Hamburg ist seit jeher eine vielfältige Stadtgesellschaft und auch Hamburgs Kulturlandschaft ist für ihre Vielfalt weit über die Grenzen der Stadt hinaus bekannt.
Der Bereich Interkultur beispielsweise hat in den letzten Jahren eine ganze Reihe neuer und vertiefter Förderszenarien hervorgebracht: Der Titel Interkultur im Haushalt der Behörde für Kultur und Medien wurde erhöht, um eine institutionelle Förderung des Trägers Hajusom e. V. zu ermöglichen. Ein gänzlich neues Programm wurde aufgesetzt (INTRO), und aus der Kultur- und Tourismustaxe konnten sowohl für das Programm in:szene der W3 - Werkstatt für internationale Kultur und Politik e. V. als auch für das KRASS Kultur Crash Festival auf Kampnagel und das deutsch-türkische Theaterfestival „Theaterbrückenfestival“ des MUT Theater neue Mittel fließen. In 2020 hat zum ersten Mal das interkulturelle Festival „Fluctoplasma“ stattgefunden, dessen junges Team sich mit dem Festivalprogramm neue Szenen und Communities erschlossen und sich bundesweit vernetzt hat.
In Hamburg gibt es eine ganze Reihe an Best Practice Projekten, die professionell und mit großer Expertise und Zuspruch umgesetzt werden (Migrantpolitan von Kampnagel, Café Nova des Deutschen Schauspielhauses, Embassy of Hope des Thalia Theaters, 360 Grad etc.). Angesichts der Vielfalt der Stadtgesellschaft bleibt Hamburgs Kulturlandschaft jedoch insgesamt in Bezug auf die Diversitätsentwicklung noch hinter ihren Möglichkeiten zurück.
Diversität und Inklusion und die Herausforderung, gleichberechtigte Teilhabemöglichkeiten für alle Menschen zu schaffen, sind Querschnittsaufgaben, die in allen Bereichen einer Gesellschaft mitzudenken sind und Veränderungen auf verschiedenen Ebenen möglich und notwendig machen.
Für eine weitere Öffnung der Kulturbetriebe bestehen unterschiedliche Herangehensweisen und Möglichkeiten. Um die bisherigen Bestrebungen und erfolgreichen Strategien in der Kulturlandschaft weiterzuentwickeln, braucht es einen stärkeren Austausch untereinander. Gemeinsames Ziel ist die stärkere Sensibilisierung für alle Facetten des Themas Diversität und mit Unterstützung durch fachliche Expertise die Entwicklung weiterführender Ansätze für die unterschiedlichen Szenen und Häuser.
Um die Kultureinrichtungen der Stadt hierin zu unterstützen soll ein Prozess aufgesetzt werden, der einen Dialog mit Vertreter:innen der Kulturszene sowie mit Personen, die sich bzw. ihre Perspektiven in der Kulturlandschaft Hamburgs nicht ausreichend repräsentiert sehen, ermöglicht.
Durch das Programm INTRO wird bereits auf einen Aspekt des aktuellen Bedarfes reagiert und es werden neue Impulse in der Kulturlandschaft gesetzt. INTRO schafft Zugänge für Künstler:innen mit Fluchthintergrund zu den Kultureinrichtungen der Stadt Hamburg. Gleichzeitig sollen die Einrichtungen für andere Arbeitsweisen und neue Einflüsse sensibilisiert werden, damit ein Austausch zu kulturellen Praktiken stattfindet und die Häuser sich dem komplexen Thema Diversität öffnen.

Die Bürgerschaft möge beschließen:

Der Senat wird ersucht,

1. einen Runden Tisch zum Thema Diversitätsentwicklung mit Vertreter:innen der Hamburger Kulturlandschaft zu initiieren und den Dialog auf Grundlage fachlicher Expertise zu fördern,

2. eine professionelle Prozessbegleitung und Expertise des Runden Tisches durch das Programm in:szene der W3 – Werkstatt für internationale Kultur und Politik e. V. und über die Zusammenarbeit mit der Behörde für Kultur und Medien sicherzustellen,

3. zu prüfen, ob und inwieweit Förderpraxis und Zuwendungsrichtlinien dem Aspekt der Diversitätsentwicklung hinreichend Rechnung tragen,
4. zu prüfen, wie das Programm INTRO um weitere Aspekte der Diversitätsentwicklung ergänzt werden kann,

5. der Bürgerschaft bis zum 31.12.2022 zu berichten.




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