Food Cluster Hamburg auf den Weg bringen

Donnerstag, 04.11.2021, Drucksache 22/

Antrag der Abgeordneten Gabriele Dobusch, Hansjörg Schmidt, Gulfam Malik, Markus Schreiber, Arne Platzbecker, Philine Sturzenbecher, Jan Koltze, Alexander Mohrenberg, Clarissa Herbst und Fraktion sowie Zohra Mojadeddi, Rosa Domm, Olaf Duge, Gerrit Fuß, Dominik Lorenzen, Sonja Lattwesen, Farid Müller, Johannes Müller, Andrea Nunne, Lisa Maria Otte, Dr. Miriam Putz, Dr. Gudrun Schittek, Ulrike Sparr (GRÜNE) und Fraktion

Die Lebensmittelindustrie befindet sich in einem fundamentalen Wandel: Konsument:innen hinterfragen zunehmend die Herkunft und Qualität ihrer Lebensmittel. Nachhaltige Produktion, Fair Trade und gesunde Ernährung spielen bei Kaufentscheidungen immer stärker eine zentrale Rolle. Neue Rohstoffe, Herstellungstechnologien und Erwartungen der Verbraucher:innen an Lebensmittel stellen mittelständische Unternehmen der Lebensmittelindustrie teilweise vor große Herausforderungen, bieten aber auch große Chancen. Weltweite Trends wie beispielsweise pflanzenbasierte Produkte sowie alternative Fleisch- und Milchprodukte sind mittlerweile im Mainstream angekommen und finden sich in zahlreichen Variationen in den Supermarkt-Regalen. Dies führt zu einem nachhaltigeren und bewussteren Umgang mit Lebensmitteln und stark gestie-genen Ansprüchen an die Ernährungswirtschaft und die verarbeitende Lebensmittelindustrie.

Hamburg hat eine Jahrhunderte alte Tradition in der Lebensmittelherstellung sowie Vermarktung und ist durch den Hafen schon immer eine Drehscheibe für Lebensmittel aller Art. Zahlreiche Unternehmen der Ernährungsindustrie haben ihren Firmensitz in Hamburg und auch Gründungen von innovativen und agilen Startups im Food-Segment haben in den vergangenen Jahren in Hamburg stark zugenommen. Hierdurch konnten sich viele neue Marken und Unternehmen in einer ansonsten durch weltweit agierende Food-Konzerne dominierten Branche etablieren. Laut Schätzung von Hamburg Startups verfügt das Hamburger Startup-Ökosystem über mindestens 100 Food-, Beverage- oder Food-Tech-Startups. Zudem gibt es die Universität Hamburg, die Technische Universität Hamburg (TUHH) und die Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg (HAW), die Studiengänge im Bereich der Ernährungswirtschaft und im Bereich Food Science anbieten. Zahlreiche Branchenevents und Netzwerke rund um das Thema „Food Innovation“ sind in den letzten Jahren entstanden. Weitere Potenziale sollen durch die Reduzierung von Energie und Ressourcen in der Lebensmittelproduktion mit dem Food Cluster ermöglicht werden. Regionale und möglichst ökologische Nachhaltigkeitskreislaufsysteme mit geschlossenen, ganzheitlichen Systemen sollen Rohstoffe und Energie effizienter nutzen und wiederverwerten.Somit liegt ein enormes Potenzial der Ernährungswirtschaft mit einer vielseitigen Expertise vor, das Kooperationen sowie starke Netzwerke hervorbringen kann und zu einem Food Cluster in Hamburg gebündelt werden sollte.

Die Regierungsfraktionen von SPD und GRÜNEN setzen sich dafür ein, dass die Freie und Hansestadt Hamburg sich der bestehenden Potenziale in der Lebensmittelindustrie und Ernährungswirtschaft annimmt, diese umfassend analysiert und unter Einbindung des seit vielen Jahren auch von Hamburg mit entwickelten und mitfinanzierten Food-Netzwerks Foodactive in der südlichen Metropolregion eine Strategie für ein Hamburger Food Cluster entwickelt. Dabei sollen traditionelle Unternehmen der Lebensmittelindustrie am Standort Hamburg, die unter einem hohen Innovationsdruck stehen, mit der Gründung eines neuen Food Clusters bei der Transformation und Entwicklung neuer, nach-haltiger und möglichst regionaler sowie ökologischer Produkte unterstützt werden. Die Strategie sollte neben der Vernetzung und Erhöhung der Sichtbarkeit der Food Startup-Szene vor allem auch den produktionslastigen Charakter und die daraus folgenden Bedarfe der Food Startups berücksichtigen und hierfür geeignete Infrastrukturen wie beispielsweise Food Acceleratoren, Factory Labs, Food Hubs und Gewerbehöfe für die Food Startups einplanen. Dabei soll ein Augenmerk auf gute Arbeit gelegt und gute Arbeits- und Ausbildungsbedingungen sowie Mitbestimmung und Beteiligung der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer gefördert werden.



Die Bürgerschaft möge beschließen:
Der Senat wird ersucht,
1. darzulegen, welche Maßnahmen bereits ergriffen wurden, um ein Food Cluster in Hamburg zu initiieren,
2. darzulegen, welche finanziellen und personellen Mittel für die Gründung und Verstetigung eines Food Clusters erforderlich sind,
3. ein Konzept zu entwickeln, das zum Ziel hat, die Expertise von Unternehmen, Startups und Wissenschaft zu bündeln und optimale Rahmenbedingungen für die Gründung eines Food Clusters in Hamburg zu schaffen, um auch der großen Klimarelevanz des Ernährungssektors gerecht zu werden unter Berücksichtigung von regionalen Produkten,
4. geeignete Flächen für die Schaffung von Food Acceleratoren, Factory Labs, Food Hubs oder auch eines Gewerbehofs für Startups der Ernährungswirtschaft und des Ernährungshandwerks zu identifizieren und in das Konzept zu integrieren,
5. der Bürgerschaft bis 30.06.2022 über Petitum 1 und 2 zu berichten sowie bis 31.12.2022 ein Konzept vorzulegen.



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