Sanierungsfonds Hamburg 2020: Historische Roll-Wipp-Dreh-Krane an der Großen Elbstraße als die letzten ihrer Art erhalten

Mittwoch, 20.11.2019, Drucksache 21/

Antrag der Abgeordneten Monika Schaal, Dirk Kienscherf, Gerhard Lein, Mathias Petersen, Ksenija Bekeris, Ole Thorben Buschhüter, Gabriele Dobusch, Anne Krischok, Arno Münster, Christel Oldenburg, Wolfgang Rose, Kazim Abaci, Peri Arndt, Birte Gutzki-Heitmann, Hansjörg Schmidt, Frank Schmitt, Isabella Vértes-Schütter, Martina Friederichs und Fraktion sowie der Abgeordneten René Gögge, Filiz Demirel, Mareike Engels, Farid Müller, Dr. Anjes Tjarks (GRÜNE) und Fraktion

Im Mai 2019 hat die Freie und Hansestadt Hamburg den 830. Geburtstag des Hamburger Hafens gefeiert. Teil der bewegten Geschichte des größten Seehafens Deutschlands sind die Roll-Wipp-Dreh-Krane der Firma Kampnagel. Bereits seit 1890 im Einsatz gab es Ende der dreißiger Jahre des vergangenen Jahrhunderts im staatlichen Kaibetrieb über 1.108 Roll-Wipp-Krane, die den Ruf Hamburgs als „schneller Hafen“ begründeten und sein Erscheinungsbild prägten. Güter konnten mit ihrer Hilfe direkt am Portal abgeladen werden, so dass mehrere Krane eng nebeneinander arbeiten und gleichzeitig ein Schiff löschen konnten. Krane dieser Bauart waren bis in die 1980er Jahre im Einsatz und wurden dann durch das Aufkommen der Containerschifffahrt überflüssig.
Damit waren Roll-Wipp-Dreh-Krane fast ein ganzes Jahrhundert lang ein prägendes Symbol für den Stückgutumschlag im Hamburger Hafen und veranschaulichten sein wichtigstes Erfolgsmerkmal: den schnellen Umschlag. Heutzutage gibt es in der gesamten Freien und Hansestadt Hamburg nur noch zwei Krane dieser Bauart, die, nachdem sie ursprünglich am Lübecker Ufer/Lübecker Kai im Einsatz waren, nach einer Zwischenlagerung am Standort des Hafenmuseums, ihren endgültigen Standort im Holzhafen Altona gefunden haben. Das besondere an den Kranen ist, dass sie ein sehr hohen Authentizitätsmoment besitzen und eindrucksvoll zeigen, unter welchen Bedingungen Schiffe über 100 Jahre lang im Hamburger Hafen be- und entladen wurden. Auch die Innenräume der Fahrstände bieten in diesem Zusammenhang ein starkes Erlebnispotential. Da es die letzten beiden Krane dieser Bauart im Hamburger Hafen sind und speziell diese Bauweise das eng nebeneinanderstehende Arbeiten und damit rationelle Löschen und Beladen ermöglichte, sollten sie unbedingt als Ensemble erhalten werden. Zusätzlich könnten die Krane zu einem späteren Zeitpunkt ausgestattet mit Hinweistafeln für das entstehende Deutsche Hafenmuseum werben.
Die beiden Krane mit dem Baujahr 1939, die zur Sammlung des Hafenmuseums gehören, sind in einem sehr restaurierungsbedürftigen Zustand. Bei einer Nichtdurchführung von Restaurierungs- und Sanierungsmaßnahmen ist davon auszugehen, dass die Krane verschrottet werden müssen. Die restaurierten Krane würden eine wichtige Erinnerungsarbeit an die Zeit des Hamburger und Altonaer Hafens leisten. Darüber hinaus weisen sie auf eine für Hamburg wichtige Firmengeschichte der Firma Kampnagel hin und bereichern als Blickfang und Sammelort für Touristinnen und Touristen die Hafenpromenade an der Großen Elbstraße.
Für die nun anfallenden und dringend erforderlichen Sanierungsmaßnahmen benötigt das Hafenmuseum Mittel in Höhe von 223.000 Euro. Das Hafenmuseum hat – unterstützt durch ehrenamtliches Engagement – bereits jetzt Zusagen von externen Geldgebern in Höhe von 72.000 Euro für die Restaurierungsarbeiten vorliegen (Hafenkultur e. V. 10.000 Euro, Altonaer Kulturstiftung 2.000 Euro, Spende der B + L Gruppe 40.000 Euro, Spende eines Anwohners 20.000). Das Hafenmuseum wird nach erfolgter Restaurierung in der Lage sein, nachhaltig und dauerhaft beide Krane zu erhalten.
Es sollen daher bis zu 151.000 Euro aus dem „Sanierungsfonds Hamburg 2020“ für eine grundlegende Restaurierung und Sanierung der beiden Roll-Wipp-Krane zur Verfügung gestellt werden, um so die letztmalige Chance zu nutzen, diese beiden Krane als Symbole des Stückgutumschlags im Hamburger Hafen zu erhalten und zwar an dem Standort am Holzhafen, an dem während der Stückgutzeit ein baugleicher Kran stand.

Die Bürgerschaft möge beschließen:
Der Senat wird ersucht,
1. für die dringend erforderlichen Restaurierungs- und Sanierungsmaßnahmen der beiden Roll-Wipp-Dreh-Krane die jeweilige Höhe des konsumtiven beziehungsweise investiven Anteils der Maßnahmen zu ermitteln,
2. im Haushaltsjahr 2019 – abhängig von dem Ergebnis dieser Ermittlung – eine Ermächtigung, Kosten zu verursachen bzw. Auszahlungen zu leisten, in Höhe von insgesamt bis zu 151.000 Euro
a. für konsumtive Maßnahmen aus dem Einzelplan 9.2, Produktgruppe 283.02 Zentrale Ansätze II „Sanierungsfonds Hamburg 2020“ in dem Einzelplan 3.3, Produktgruppe 251.01 Theater, Museen, Bibliotheken, Kontenbereich „Kosten für Transferleistungen“ bzw.
b. für investive Maßnahmen aus dem Einzelplan 9.2, Aufgabenbereich 283, Zentrale Finanzen, zentrale Investitionsreserve in dem Einzelplan 3.3, Aufgabenbereich 251 „Kultur und Staatsarchiv“ bereitzustellen,
3. für die dazugehörigen Abschreibungen – in Abhängigkeit vom jeweiligen Aktivierungszeitpunkt der unter Ziffer 2.b genannten investiven Maßnahmen – die benötigten Ermächtigungen aus dem Einzelplan 9.2, Produktgruppe 283.02 Zentrale Ansätze II, Kontenbereich „Kosten aus Abschreibungen“ in den entsprechenden Kontenbereich „Kosten aus Abschreibungen“ des Einzelplans 3.3, Produktgruppe 251.01, „Theater, Museen, Bibliotheken“ zu übertragen,
4. der Bürgerschaft über den Sach- und Planungsstand bei den Restaurierungsarbeiten der Roll-Wipp-Dreh-Krane bis zum Ende Januar 2020 zu berichten.
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