Stadtteil HafenCity: Bürger:innen-Engagement für Steigerung der Biodiversität nut-zen

Donnerstag, 18.11.2021, Drucksache 22/

Antrag der Abgeordneten Dirk Kienscherf, Gabriele Dobusch, Martina Koeppen, Christel Oldenburg, Matthias Czech, Lars Pochnicht, Hansjörg Schmidt, Markus Schreiber, Michael Weinreich, Dagmar Wiedemann, Arne Platzbecker, Sabine Jansen, Julia Barth, Simon Kuchinke und Fraktion sowie Dominik Lorenzen, Rosa Domm, Olaf Duge, Gerrit Fuß, Sonja Lattwesen, Zohra Mojadeddi, Farid Müller, Johannes Müller, Andrea Nunne, Lisa Maria Otte, Dr. Miriam Putz, Dr. Gudrun Schittek, Ulrike Sparr (GRÜNE) und Fraktion

Mit dem an der Elbe gelegenen Stadtteil HafenCity ist in gut 20 Jahren Hamburgs modernster und auf seine Weise fortschrittlichster Stadtteil entstanden. Mit der Umsetzung des erstmals 1997 vorgestellten Projekts ist die Fläche der altehrwürdigen Hamburger Innenstadt um ca. 40 Prozent erweitert worden. Bei der Planung und Umsetzung waren und sind die neuesten Standards und Anforderungen an moderne Stadtentwicklung maßgebend. Die HafenCity ist entsprechend durch ihren vielfältigen Nutzungsmix aus Wohnen, Büro, Handel, Schulen, Kitas, Kultur, Freizeit, Grün und Tourismus geprägt. Im Vergleich zu anderen Hamburger Stadtteilen wurde mit viel technischem Aufwand auf ein gutes Zusammenspiel der hafentypischen Merkmale von Land- und Wasserflächen geachtet, was in der für Hamburg in dieser Form einzigartigen sowie den Stadtteil prägenden Charakteristik aus fortschrittlicher urbaner Nutzung mit innerstädtischer Dichte und öffentlichen Freiräumen seinen Ausdruck findet. Damit war und ist die HafenCity in der Gesamtbetrachtung ein deutlicher Fortschritt gegenüber der vorherigen Hafennutzung, die im Vergleich durch einen hohen Versiegelungsgrad sowie eine überwiegend emittierende wirtschaftliche Nutzung geprägt war. Im Kontrast dazu sind viele Gebäude der HafenCity in den vergangenen Jahren für ihre Nachhaltigkeit ausgezeichnet worden.

Um diesen hohen Anforderungen bei der Umsetzung gerecht werden zu können ist das ursprüngliche Ziel, mit den Verkaufserlösen der erschlossenen Grundstücke den Ausbau der westlichen Hafeninfrastruktur zu finanzieren, früh aufgegeben worden. Bereits hier drückt sich das klare Bekenntnis der Freien und Hansestadt Hamburg zugunsten einer nachhaltigen Entwicklung des Stadtteils aus.

Dabei ist hervorzuheben, dass kein anderer Stadtteil in Hamburg eine solche kostenintensive Erschließung erfahren hat wie die HafenCity. Nur dank der hohen Investitionen, die auch maßgeblich dem Hochwasserschutz dienen, verfügt die HafenCity über eine engmaschige ÖPNV-Einbindung, ein attraktives öffentliches Wegenetz sowie herausstechende öffentliche Plätze und Grünanlagen, was sich für Anwohner:innen, Besucher:innen sowie Gewerbetreibende in der überdurchschnittlichen Wohn- und Standortqualität widerspiegelt. Zum Gesamtbild der Stadt der kurzen Wege gehören aber auch die attraktiven, aber ebenfalls kostenintensiven Wegeverbindungen in (neue) wichtige Freizeit- und Grünareale wie der Tunnel zum Oberhafen, die neue Brücke in den Entenwerder Park oder aber auch die Brücke über die Elbe zum neuen Stadtteil Grasbrook, der durch seine üppigen grünen Ufer- und Parkflächen gezeichnet ist.

Diese Standortvorteile finden jedoch ihren Widerhall in der Entwicklung der Immobilienpreise, die in den letzten Jahren sehr stark gestiegen sind. Vor diesem Hintergrund war und ist es ein besonderes politisches Anliegen von Rot-Grün, dass im östlichen Teil der HafenCity öffentlich geförderter Wohnraum im Fokus steht.

Mit dem Beginn der Arbeiten im letzten Bauabschnitt Elbbrücken sind die Planungen für die Fertigstellung der HafenCity fast vollständig abgeschlossen. Die Flächen sind überwiegend vergeben und dem Masterplan entsprechend sollen auch die zentralen Flächen östlich des Lohseparks einer innerstädtischen Bebauung zugeführt werden.

Um die überwiegend positive Entwicklung der HafenCity weiter zu forcieren sollen neben den geplanten Zugängen zu grünen Freizeitflächen künftig weitere Maßnahmen zur Steigerung der Biodiversität in den urbanen Quartieren der HafenCity stattfinden. Dabei sollen unter Beteiligung der Bewohner:innen, etwa in Form des „HafenCity Forum“, kleinere
(Frei-)Flächen identifiziert werden und mittels biodiversen Stadtgrüns optimiert und damit die öffentliche Aufenthaltsqualität, die Möglichkeiten für Aktivitäten und Aneignung sowie das Stadtklima weiter verbessert werden.

Dabei haben die Diskussionen zum Thema grüne HafenCity deutlich gemacht, dass
eine überaus große Bereitschaft von Seiten der Bewohner:innen existiert, Grünräume in ihrem Stadtteil zukünftig weiter zu fördern. Neben der forcierten Begrünung von Balkonen, Dächern oder Loggien ist hier auch die Schaffung neuer, grünorientierter öffentlichen Flächen mit stadtteilnahen Nutzungskonzepten (z. B. Urban Gardening) explizit eingeschlossen. Dieses schließt sowohl die temporäre als auch die langfristige (Um-)Gestaltung von öffentlichen Flächen mit ein. Dafür kann beispielsweise auch auf die Erfahrungen aus der „Stadtraumerneuerung Osterstraße“ zurückgegriffen werden.


Vor diesem Hintergrund ersucht die Hamburgische Bürgerschaft den Senat

1. dafür Sorge zu tragen, dass die HafenCity GmbH sowie der Bezirk Mitte für die bereits gewidmeten Flächen im Rahmen/in Abstimmung mit Stakeholdern und lokalen Akteuren (NABU, Netzwerk HafenCity und dem HafenCity Forum – als öffentliches Beteiligungsgremium der Bürger:innen) ein Dialogformat aufsetzt, um die Bemühungen im oben dargestellten Sinne zu intensivieren.

2. zu prüfen, ob und wo in der HafenCity die Förderung biodiverser Grünräume temporär sowie dauerhaft, etwa durch Nachpflanzungen von Flächen, möglich ist.
Dabei sind insbesondere auch kleinteilige Maßnahmen wie die Schaffung von Hochbeeten sowie von Bewohner:innen und Anliegenden selbst gestaltete kleinteilige Grünbereiche in Form von Patenschaften einzubeziehen (z. B. Urban Gardening).

3. zu prüfen, ob im Bereich des Baakenhöfts ein größerer öffentlicher Raum entstehen kann, der auch zur temporären oder dauerhaften Nutzung den o. g. Anforderungen entspricht und damit ein Angebot zur Nutzung für stadtteilbezogene Initiativen und Projekte bietet.

4. kreative Projektideen durch die Expertise aus den Fachbehörden (BUKEA, BSW) sowie Fachwissen externer Akteure und Initiativen – die sich mit der Förderung von Biodiversität urbaner Räume befassen – einzuholen und in das Dialogformat einzubringen.

5. im Rahmen des Dialogformats einen Maßnahmenplan zur Förderung biodiverser Grünstrukturen in den öffentlichen Freiflächen in der HafenCity zu entwickeln und vorzulegen.

6. die Bürgerschaft im ersten Quartal 2022 über die Ergebnisse bzw. den Verfahrensstand zu informieren.


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