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Fachkräfteoffensive Klimaberufe: Installierendes Handwerk für Wärmepumpen und Photovoltaik stärken

Donnerstag, 16.12.2021

Das Handwerk ist unverzichtbarer Partner bei Klimaschutz und Energiewende. Denn die notwendigen Veränderungen müssen letztendlich in der Realität praktisch umgesetzt werden. Dabei ist es durchaus herausfordernd, genügend qualifizierte Fachkräfte zu gewinnen. Zurückzuführen ist dies auf das geringere Potential des Fachkräftenachwuchses aufgrund des demographischen Wandels, auf das zurückhaltende Interesse an handwerklich-technischen Berufen bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen sowie auf ein erhöhtes Interesse an einer akademischen Ausbildung auch bei denjenigen, die sich für handwerklich-technische Berufe interessieren. Der Fachkräftemangel ist daher am ausgeprägtesten in den mittleren Qualifikationsprofilen, wie der Fachkräftemonitor der Handelskammer aufzeigt.

Die Regierungsfraktionen haben deshalb schon im Zuge der Verabschiedung des Hamburger Klimaplans und des Klimaschutzgesetzes auf die große Bedeutung dieses Aspektes hingewiesen und den Senat aufgefordert, die Anstrengungen zur Behebung des Fachkräftemangels vor allem in den Bereichen Handwerk und Ingenieursleistungen für den Klimaschutz weiterzuentwickeln und dabei auch die Attraktivität von Aus- und Fortbildung in den klimarelevanten Berufen zu steigern (Drs. 21/19888).

Der Senat hat sich mit einer Reihe von Initiativen darangemacht, den Fachkräftemangel zu mindern. Allgemein gehören hierzu etwa die Fachkräftestrategie, an der neben den Fachbehörden die Kammern, die Gewerkschaften und die Arbeitsagentur beteiligt sind oder auch der „Masterplan Handwerk 2020“. Ebenso wurden im Schulbereich mit der intensiven Berufsorientierung ab Klasse 8 und an der gymnasialen Oberstufe, mit Einrichtung der Praxisklassen sowie der Einrichtung der Jugendberufsagenturen wichtige Weichen gestellt, um die Jugendlichen besser in Ausbildung zu bringen. Zudem wurde das Hamburg Welcome Center gegründet, mit dem das Fachkräfteeinwanderungsgesetz in Hamburg umgesetzt wird. Darüber hinaus wurde der Senat mit Drucksache 22/6262 aufgefordert, Maßnahmen zu erarbeiten, mit Hilfe derer Frauen im Handwerk gewonnen und gestärkt werden können.

Mit besonderem Fokus auf die klimarelevanten Berufe wird zudem ein Runder Tisch zum Thema „Baukapazitäten und Abmilderung des Fachkräftemangels“ einberufen, an dem Verbände und Kammern teilnehmen, um zusätzliche Baukapazitäten zu schaffen und Initiativen zu identifizieren, um dem Fachkräftemangel zu begegnen. Dabei ist auch die Vernetzung zwischen den bereits bestehenden Initiativen und Projekten von hoher Bedeutung. Ganz gezielt für die Weiterbildung in Berufen der Energiewende und des Klimaschutzes ist zudem die NEW 4.0 Akademie gegründet worden.

Erneuerbarer Strom durch Photovoltaik und erneuerbare Wärme durch Wärmepumpen sind unverzichtbare Säulen des Klimaschutzes in Hamburg und verdienen deshalb besondere Priorität bei der Fachkräftegewinnung. Sowohl Wärmepumpen wie auch Photovoltaik schaffen zukunftsfeste und gut bezahlte Arbeitsplätze in Klimaschutzberufen. Hamburg wird diese wirtschaftlichen Chancen nutzen und erkennt darüber hinaus die Notwendigkeit an, genügend Arbeitskräfte zur Deckung des Bedarfes auszubilden.

Elektrische Wärmepumpen, die mit Solar- und Windstrom betrieben werden, schützen das Klima und stellen eine kostengünstige Heizmethode dar. Mittlerweile stellen Wärmepumpen zudem auch in Bestandsgebäuden und ggf. sogar in denkmalgeschützten Altbauten eine gute Alternative zu fossilen Erdgaskesseln dar.

Da Wärmepumpen eine immer zentralere Rolle in unserem Energiesystem einnehmen, wächst der Markt beständig. Allein im letzten Jahr ist der Absatz von Wärmepumpen bundesweit um 40 Prozent auf 120.000 gestiegen. Aktuell sind etwa 1,2 Mio. Wärmepumpen deutschlandweit installiert. Mehrere Studien (AGORA 95, BDI-95, dena EL-95) gehen davon aus, dass für einen klimaneutralen Gebäudebestand in Deutschland bis zu 17 Millionen Wärmepumpen notwendig sein werden.

Laut einer Erhebung des Bundesverbands für Energie- und Wasserwirtschaft von 2019 wurden lediglich 1,9 Prozent der Wohngebäude in Hamburg mit Wärmepumpen beheizt. Insbesondere durch Mehrfamilienhaus-Wärmepumpen kann dieser Anteil in Hamburg stark gesteigert werden. Vergleicht man die Betriebskosten von Erdgaskesseln und Wärmepumpen, sind Wärmepumpen bereits heute häufig die günstigere Alternative. Mit steigendem CO2-Preis in den kommenden Jahren und ggf. wegfallenden Stromkostenbestandteilen für Wärmepumpen wird sich dieser Trend weiter fortsetzen. Hinzu kommen Förderprogramme auf Landes- und Bundesebene, die Investitionsanreize setzen.

Während bald schon kaum noch Erdgaskessel und Ölheizungen verbaut werden, nimmt der Bedarf an qualifizierten Fachkräften zu, die Wärmepumpen (teilweise auch in hybriden Systemen) fachgerecht planen und installieren können. Ein Ausbau des Know-hows zur Integration von Wärmepumpen im Neubau und Gebäudebestand bietet hervorragende Zukunftsperspektiven für Handwerksunternehmen. Für Meister*innen und Gesell*innen, die bislang überwiegend fossile Gas- und Ölheizungssysteme installiert haben, ergibt sich somit teilweise ein Nachschulungsbedarf.

Ein vergleichbares Arbeitsplatzpotential entsteht bei der Erzeugung von erneuerbarem Strom. Solaranlagen produzieren auf Hamburger Dächern seit langem profitabel Strom und sind für viele Gebäude mit geeigneten Dächern hochattraktiv. Die im Klimaschutzgesetz beschlossene Solarpflicht für Neubauten und Dachhautsanierungen wird dafür sorgen, dass die „Ernte“ und dezentrale Nutzung von Solarenergie zum Massenphänomen wird. Die daraus entstehende zusätzliche Nachfrage nach qualifizierten Fachkräften für Solartechnik zu decken, ist eine wichtige Aufgabe.

Vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklung und zukünftiger Bedarfe liegt es zudem nahe, die Zusammenarbeit des Dachdeckerhandwerks mit dem Elektrohandwerk zu stärken und darüber hinaus das Kälte-/Klima-Handwerk mit dem Sanitär-Heizung-Klima-Handwerk künftig enger zu verzahnen. Denn eine abgestimmte Planung und Installation der Dach- und Anlagentechnik kann den Know-how-Transfer vereinfachen und dazu beitragen, mehr Anlagen in Betrieb zu nehmen, da Leerlaufzeiten auf Baustellen vermieden werden.

Verstärkt werden wird diese Entwicklung durch das Aufkommen dachhautintegrierter Solarmodule, welche die Dachfunktion mit der Stromproduktionsfunktion in einem integrierten Bauteil erfüllen.

 

 

Die Bürgerschaft möge beschließen,

Der Senat wird ersucht,

1. der Behebung des Fachkräftemangels im Bereich der Klimaberufe weiterhin eine hohe Priorität beizuordnen und die schon begonnenen und geplanten Initiativen weiter voranzutreiben, auch um Frauen für diese Berufe zu gewinnen;

2. gemeinsam mit Handwerkskammer, -innungen, Architektenkammer und Ingenieurkammer-Bau darauf hinzuwirken, dass mehr Qualifizierungsangebote zur beschleunigten Erweiterung des Know-hows zu Wärmepumpen in unterschiedlichen Einsatzszenarien zur Verfügung stehen. Ein besonderer Fokus ist hierbei auf die technischen Möglichkeiten für Bestandsgebäude zu legen, wie beispielsweise Niedertemperatursysteme und -heizkörper und Lösungsoptionen für Mehrfamiliengebäude. Vorhandene qualitativ hochwertige Weiterbildungslehrgänge der Bildungszentren der Innungen sowie des ELBCAMPUS zu regenerativen Heizungssystemen sollten gestärkt werden. Zudem ist zu prüfen, ob und ggf. wie Sanitär-Heizung-Klima-Betriebe mit Kälte- und Klimatechnik-Betrieben enger verzahnt werden sollten;

3. gemeinsam mit der Handwerkskammer und den Innungen die Qualifizierungsangebote für Photovoltaik-Fachbetriebe zu verstärken und dabei insbesondere zu prüfen, wie die installierenden Betriebe von Photovoltaikanlagen und das Dachdeckerhandwerk enger verzahnt bzw. integriert werden können;

4. die Ausbildung klimarelevanter Handwerksberufe weiter zu stärken:

i. durch weitere Mobilisierung für Klimaberufe in Schulen im Allgemeinen sowie Berufsorientierung an Gymnasien und Stadtteilschulen für die Ausbildung in Klimaberufen im Besonderen. Hierbei ist u. a. zu prüfen, Schulungsangebote über Berufsbilder und Schlüsselfragen für das Erreichen der Klimaziele für Lehrkräfte, beispielsweise durch Verknüpfung mit bestehenden Fortbildungen zu stärken;

ii. durch eine Prüfung, mit der die Möglichkeit lernunterstützender Maßnahmen für Auszubildende in den Betrieben eruiert wird;

iii. durch die Durchführung einer mit der Handwerkskammer abgestimmten öffentlichkeitswirksamen Werbekampagne für das Klimahandwerk;

5. das Thema „kostengünstige lokal emissionsfreie erneuerbare Wärmeversorgung“ wie z. B. Fernwärme und Wärmepumpen in der Energieberatung zum festen Bestandteil zu machen. Energieberater*innen sollen insbesondere auch in den technisch-wirtschaftlichen Einsatzmöglichkeiten in Bestandsgebäuden qualifiziert werden;

6. der Bürgerschaft bis 31.12.2022 zu berichten.