Friedensforschung stärken – IFSH auf dem Weg zum Leibniz-Institut gezielt unterstützen
Mittwoch, 27.08.2025
Haushaltsplan 2025
Einzelplan 3.2
Kriege, geopolitische Machtverschiebungen und das Wiedererstarken autoritärer Regime stellen die europäische Friedensordnung und die globale Sicherheitsarchitektur zunehmend infrage. Der völkerrechtswidrige Angriff Russlands auf die Ukraine, die Eskalation im Nahen Osten und zuletzt die US-Luftschläge auf den Iran belegen eindrücklich, wie fragil internationale Stabilität geworden ist. In dieser Lage braucht es mehr denn je wissenschaftlich fundierte, unabhängige und friedensorientierte Expertise.
Das Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik an der Universität Hamburg (IFSH) gehört seit Jahrzehnten zu den wichtigsten Einrichtungen der zivilen Sicherheitsforschung in Deutschland. Das IFSH verbindet unabhängige Grundlagenforschung mit Nachwuchsförderung und dem Transfer sicherheitsrelevanter Erkenntnisse in Politik und Gesellschaft. Mit seiner Arbeit zu Rüstungskontrolle, europäischer Sicherheit, gesellschaftlichem Frieden sowie den sicherheitspolitischen Folgen des Klimawandels leistet das Institut einen zentralen Beitrag zu einer friedensorientierten Sicherheitspolitik – auf nationaler wie internationaler Ebene. Als wissenschaftlicher Partner des Auswärtigen Amtes bringt das IFSH seine Expertise regelmäßig in diplomatische Prozesse ein.
Der Wissenschaftsrat betont in seinem aktuellen Positionspapier „Wissenschaft und Sicherheit in Zeiten weltpolitischer Umbrüche“, dass das deutsche Wissenschaftssystem besser auf neue sicherheitspolitische Herausforderungen vorbereitet werden muss. Besonders wichtig sei es, Forschungseinrichtungen zu stärken, die zur Stabilisierung demokratischer Gesellschaften beitragen, sicherheitsrelevante Entwicklungen kritisch einordnen und einen resilienten Umgang mit globalen Risiken ermöglichen. Das Papier hebt die besondere Bedeutung zivil orientierter Sicherheitsforschung hervor und nennt explizit die Themen Rüstungskontrolle, Rüstungstransparenz und Friedenssicherung als zentrale Aufgaben in Zeiten zunehmender internationaler Spannungen. Ebenso wird auf die Notwendigkeit hingewiesen, Forschungsinstitutionen in die Lage zu versetzen, mögliche Risiken frühzeitig zu erkennen und Verantwortung im Umgang mit sensiblen Erkenntnissen zu übernehmen – ohne die Freiheit von Forschung und Lehre zu gefährden.
Diese Anforderungen greifen unmittelbar in die strategische Weiterentwicklung des IFSH ein, das derzeit eine Bewerbung um die Aufnahme in die Leibniz-Gemeinschaft vorbereitet. Die Aufnahme wäre nicht nur ein bedeutender Schritt für das Institut selbst, sondern auch ein klares Signal für den Wissenschaftsstandort Hamburg. Die Stadt würde damit – neben dem Hans-Bredow-Institut und dem German Institute for Global and Area Studies– ein weiteres international sichtbares Leibniz-Institut beheimaten. Das IFSH würde als friedens- und sicherheitspolitisch ausgerichtetes Institut eine thematische Lücke in Hamburgs Leibniz-Landschaft schließen und sie sinnvoll ergänzen.
Ein Alleinstellungsmerkmal des IFSH liegt in der engen Verzahnung von Friedens- und Sicherheitsforschung. Diese Integration ist nach Einschätzung des Wissenschaftsrats im bundesweiten Vergleich „besonders weit fortgeschritten“. Während die sicherheitspolitische Forschung in Deutschland im internationalen Vergleich unterrepräsentiert ist, schließt das IFSH mit seiner strategischen Ausrichtung auf eine integrierte, interdisziplinäre und friedensorientierte Sicherheitsforschung eine zentrale Lücke in der deutschen Wissenschaftslandschaft. Ausgangspunkt ist ein umfassendes Sicherheitsverständnis, das traditionell getrennte Wissensgebiete – von Klimawissenschaft über europäische bis hin zur inneren Sicherheit – miteinander verbindet und aktuelle wissenschaftliche wie politische Bedarfe proaktiv aufgreift.
Für eine erfolgreiche Bewerbung im Jahr 2026 ist ein gezielter Ausbau erforderlich. Hierfür benötigt das Institut zusätzliche Mittel, um die strukturellen, personellen und inhaltlichen Voraussetzungen für die Aufnahme in die Leibniz-Gemeinschaft zu erfüllen.
Mit diesen zusätzlichen Mitteln soll das IFSH in die Lage versetzt werden, sich fachlich, organisatorisch und strategisch so weiterzuentwickeln, dass es den hohen Anforderungen der Leibniz-Gemeinschaft gerecht werden kann. Geplant ist eine gezielte Stärkung der wissenschaftlichen Kapazitäten ebenso wie eine institutionelle Weiterentwicklung, die langfristige Stabilität und Anschlussfähigkeit an nationale wie internationale Forschungsnetzwerke ermöglicht. Gleichzeitig sollen zentrale Forschungsschwerpunkte des Instituts vertieft und weiterentwickelt werden – insbesondere solche, die angesichts der aktuellen sicherheitspolitischen Herausforderungen von besonderer Relevanz sind. Ziel ist es, dem IFSH die notwendige Handlungsfähigkeit zu verschaffen, um seine friedensorientierte Forschung nachhaltig auszubauen und seine wissenschaftliche wie gesellschaftliche Wirkung zu erhöhen. Die Regierungskoalition hat sich im Koalitionsvertrag ausdrücklich darauf verständigt, das IFSH auf seinem Weg zur Aufnahme in die Leibniz-Gemeinschaft zu unterstützen. Dieser Antrag setzt dieses Bekenntnis nun um und schafft die haushaltsrechtlichen Voraussetzungen, damit Hamburg seiner Verantwortung für eine unabhängige, wissenschaftlich fundierte und friedensorientierte Sicherheitsforschung gerecht werden kann.
Vor dem Hintergrund der aktuellen sicherheitspolitischen Zeitenwende ist es geboten, dass Hamburg sich zur Stärkung einer verantwortungsbewussten und zukunftsgerichteten Friedensforschung bekennt – und das IFSH auf seinem Weg in die Leibniz-Gemeinschaft konsequent unterstützt.
Die Bürgerschaft möge beschließen:
Der Senat wird ersucht:
1. das Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik an der Universität Hamburg (IFSH) bei seinen Bestrebungen zur Aufnahme in die Leibniz-Gemeinschaft umfassend zu unterstützen und die dafür erforderlichen strukturellen, organisatorischen und finanziellen Voraussetzungen – insbesondere durch Bereitstellung zusätzlicher Haushaltsmittel im Rahmen vorhandener Ermächtigungen des Einzelplanes 3.2 im Haushalt 2025/2026 – sicherzustellen.
2. die Aufnahme des IFSH in die Leibniz-Gemeinschaft in geeigneter Weise auch über die Jahre 2025/2026 hinaus zu unterstützen und dies bei der Aufstellung des Doppelhaushalts 2027/2028 ff. zu berücksichtigen.
3. bis zum 30.11.2026 über die Bemühungen des IFSH auf dem Weg zur Aufnahme in die Leibniz-Gemeinschaft zu berichten.
- Ole Thorben Buschhüter
- Astrid Hennies
- Danial Ilkhanipour
- Dirk Kienscherf
- Martina Koeppen
- Claudia Loss
- Lena Otto
- Oktay Özdemir
- Milan Pein
- Olaf Steinbiß
- Philine Sturzenbecher (Fachsprecher:in Wissenschaft und Forschung)
- Juliane Timmermann
- Isabella Vértes-Schütter
sowie
- Dr. Selina Storm
- Dennis Paustian-Döscher
- Miriam Block
- Filiz Demirel
- Rosa Domm
- Mareike Engels
- Alske Freter
- Linus Görg
- Michael Gwosdz
- Sina Imhof
- Jennifer Jasberg
- Lisa Kern
- Jan Koriath
- Parica Partoshoar
- Kathrin Warnecke
- Mechthild Weber
- Lena Zagst (GRÜNE) und Fraktion