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Hamburg kann mehr Elbe: Prüfung geeigneter Standorte für Flusskreuzfahrten als Impuls für Qualitätstourismus und Innenstadt

Mittwoch, 25.03.2026

Flusskreuzfahrten bilden innerhalb der Kreuzfahrtbranche ein eigenständiges Marktsegment mit einem klar von der Hochseekreuzfahrt abweichenden Charakter. Flusskreuzfahrtschiffe verkehren auf Binnengewässern, sind deutlich kleiner, transportieren typischerweise 80 bis 200 Gäste und ermöglichen eine Reiseform, die stark auf Landschafts- und Stadterlebnis ausgerichtet ist.

Die Zielgruppe ist überwiegend kulturinteressiert, älter, verfügt über eine hohe Ausgabenbereitschaft und verbindet Flussreisen häufig mit mehrtägigen Aufenthalten in den jeweiligen Städten. Für eine urbane Destination wie Hamburg ist dieses Profil besonders attraktiv, da es exakt dem strategischen Anspruch des Senats an einen qualitativ hochwertigen Tourismus entspricht („Quality Tourism“).

Die Nachfrage nach Flusskreuzfahrten ist in Europa und Deutschland in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen. Das Segment zeichnet sich zudem durch eine geringere Saisonabhängigkeit aus: Viele Anbieter verzeichnen stabile Buchungen auch in Vor- und Nachsaison sowie im Winter, insbesondere im Zusammenhang mit kulturellen Angeboten oder Weihnachtsmärkten. Damit trägt die Flusskreuzfahrt zur Diversifizierung der touristischen Nachfrage bei und stärkt die Resilienz des Standorts.

Auch die Größe der Schiffe und die moderaten Besucherzahlen pro Anlauf sprechen für eine stärkere Berücksichtigung dieses Segments als Ergänzung der bisherigen Kreuzfahrtstruktur. Zugleich ist die Zielgruppe der Flusskreuzfahrt aus tourismusstrategischer Sicht von besonderem Interesse, da sie Aufenthalte in der Regel mit kulturellen Angeboten, Gastronomie und innerstädtischen Aktivitäten verbindet. Dadurch kann sie einen Beitrag zur Belebung und Aktivierung der Innenstadt sowie angrenzender Quartiere leisten. Eine attraktive Einbindung Hamburgs als Start-, Ziel- oder Zwischenhafen eröffnet daher zusätzliche Wertschöpfungspotenziale für den lokalen Einzelhandel und die Gastronomie. Neue, zentrale Anleger könnten hierbei als „zweites Tor zur Innenstadt“ fungieren und wichtige Impulse zur Belebung der City und angrenzender Quartiere setzen.

Hamburg verfügt zudem über Standortvorteile im Segment der Flusskreuzfahrten, die es noch besser zu nutzen gilt. Anders als viele klassische Flusskreuzfahrthäfen ist Hamburg sowohl per Bahn als auch über den internationalen Flughafen erreichbar. Dies eröffnet die Möglichkeit, Hamburg verstärkt als Start- oder Zielhafen in der Routenplanung zu verankern. Gerade für internationale Gäste ist eine Kombination aus Städtereise und Flusskreuzfahrt besonders attraktiv. Ein verlässlicher, citynaher Anleger würde diese Positionierung deutlich stärken und Hamburg als zentrale Einstiegsstelle in das Elbe-Reiseerlebnis etablieren.

Hinzu kommt, dass Hamburg mit seinem breiten Kultur- und Veranstaltungsangebot eine ideale Ergänzung für die Zielgruppe der Flusskreuzfahrt darstellt. Oper, Schauspielhäuser, Elbphilharmonie, Museen und Musicaltheater sprechen genau jene Besucher:innen an, die Wert auf hochwertige Erlebnisse legen und bereit sind, hierfür überdurchschnittlich viel Geld auszugeben. Durch gezielte Verknüpfungen von Kulturangeboten, touristischen Partnern und Flusskreuzfahrtanbietern kann Hamburg die lokale Wertschöpfung steigern und sein Profil als Kultur- und Qualitätstourismusdestination weiter schärfen.

Die Entwicklung der Anlaufzahlen von Flusskreuzfahrtschiffen in Hamburg zeigt sowohl vorhandenes Potenzial als auch strukturelle Grenzen. Während die Zahl der Anläufe zwischen 2017 und 2019 von 32 auf 44 pro Jahr stieg und im Jahr 2024 mit 64 Anläufen einen Höchststand erreichte, ist für das Jahr 2025 ein Rückgang auf 43 Anläufe zu verzeichnen. Diese Entwicklung verdeutlicht, dass die Einbindung Hamburgs in die Routenplanung der Reedereien maßgeblich von der Attraktivität und Verlässlichkeit der vorhandenen Liegeplatzinfrastruktur abhängt. Die derzeit verfügbaren Anlegestellen – Überseebrücke und Cruise Center Steinwerder – sind für Flusskreuzfahrten nur bedingt geeignet: Die Überseebrücke ist kostenintensiv und bietet wenig Flexibilität; Steinwerder ist aufgrund der Entfernung zur Innenstadt für die Erwartungen dieser Zielgruppe nicht passend. Der frühere Anleger am Fischmarkt steht seit 2019 aus Sicherheitsgründen nicht mehr zur Verfügung.

Entscheidend ist, dass Hamburg hierfür über eine verlässliche, citynahe und moderne Infrastruktur verfügt. Eine neue oder verbesserte Liegestelle muss dabei ökologischen und städtebaulichen Anforderungen genügen: Sie sollte fußläufig zur Innenstadt liegen und eine gute Anbindung an den Öffentlichen Personennahverkehr bieten. Um die Akzeptanz zu sichern und Hamburgs Klimaziele zu unterstützen, ist die Infrastruktur von Beginn an konsequent nachhaltig zu planen. Dies beinhaltet nicht nur die technische Bereitstellung von Landstrom, sondern perspektivisch auch die Prüfung von Nutzungspflichten sowie wirksame Maßnahmen zum Lärm- und Emissionsschutz für mögliche Anwohnerinnen und Anwohner.

Mit einer solchen Infrastruktur kann Hamburg einen klaren Beitrag zur nachhaltigen Weiterentwicklung des Segments leisten und sich im Wettbewerb mit anderen Destinationen nicht über Masse, sondern über Qualität, Lagevorteile und ökologische Standards profilieren.

 

Die Bürgerschaft möge beschließen:

Der Senat wird ersucht:

1. geeignete innenstadtnahe Standorte für einen oder mehrere Anleger der Flusskreuzfahrt zu prüfen, wobei die Prüfung insbesondere die Lagequalität und fußläufige Erreichbarkeit der Innenstadt zur Stärkung der lokalen Ökonomie, die nautischen Voraussetzungen und den Hochwasserschutz sowie eine gute ÖPNV-Anbindung umfassen soll; ebenso sind die Belange des Lärm- und Emissionsschutzes zur Vermeidung von Belastungen für das direkte Umfeld sowie die Landstromfähigkeit zu berücksichtigen und damit einhergehend die Landstromnutzung zu realisieren,

2. die in Frage kommenden Standorte mit einer Bewertung ihrer technischen, baulichen und finanziellen Anforderungen darzustellen und deren voraussichtliche Investitions- und Betriebskosten zu bewerten, einschließlich möglicher Auswirkungen auf bestehende Nutzungen,

3. die Prüfung in Abstimmung mit den relevanten Akteuren vorzunehmen, um eine gemeinsame fachliche Grundlage für eine Standortentscheidung zu schaffen,

4. frühzeitig das Gespräch mit den im Markt aktiven Flusskreuzfahrt-Reedereien suchen, um Auslastungserwartungen, operative Bedarfe (auch hinsichtlich neuer Antriebstechnologien) und potenzielle Frequenzen zu ermitteln,

5. der Bürgerschaft bis spätestens zum 31.07.2027 zu berichten.

 

sowie
  • Dominik Lorenzen
  • Leon Alam
  • Miriam Block
  • Eva Botzenhart
  • Rosa Domm
  • Simone Dornia
  • Melanie Nerlich
  • Lisa Maria Otte (GRÜNE) und Fraktion