Igel in Hamburger Parks und Gärten schützen
Mittwoch, 24.09.2025
Der Igel ist längst zum Städter geworden – in Hamburgs Parks und Gärten findet das Säugetier, das im vergangenen Jahr erstmals auf der „Roten Liste“ der Weltnaturschutzunion als „potenziell gefährdet“ eingestuft wurde, Schutz und Nahrung. Doch auch hier ist sein Leben bedroht: Immer mehr Igel werden durch Gartengeräte wie Mähroboter schwer verletzt. Diese erkennen die nachtaktiven Tiere nicht und fügen ihnen mit rotierenden Klingen oft tödliche Schnittwunden zu.
Die Zahlen sind besorgniserregend: 2024 betreute die Wildtierstation LOOKI e.V. 867 Igel, davon 237 mit Schnittverletzungen. Seit 2018 hat sich die Zahl solcher Verletzungen mehr als verdreifacht, wie die Dokumentation des Vereins zeigt. Besonders betroffen sind Jungtiere. Die Dunkelziffer dürfte deutlich höher liegen, denn viele Stationen berichten von Überlastung.
Um den Bestand der Igel in Hamburg zu sichern, sollen im Rahmen der durch den Vertrag für Hamburgs Stadtgrün geplanten ökologischen Aufwertungen von Park- und Grünanlagen mehr Rückzugsräume für nachtaktive Tiere und insbesondere Igel geschaffen werden. Außerdem soll der nächtliche Einsatz von Mährobotern in Hamburg künftig eingeschränkt werden. Daher begrüßen es die Regierungsfraktionen, dass der Senat aktuell eine Allgemeinverfügung in Hinblick auf den nächtlichen Betrieb von Mährobotern erlassen hat.
Viele Menschen freuen sich über eine Begegnung mit dem Igel – und sind bereit, etwas für seinen Schutz zu tun. Diese Bereitschaft gilt es zu unterstützen und zu fördern. Dafür sollen gezielte Informationskampagnen durchgeführt werden, die Gartenbesitzer*innen direkt ansprechen, auf die Gefahren hinweisen und konkrete Tipps für eine igelfreundliche und artenreiche Gartengestaltung vermitteln. Bestehende Anlaufstellen wie die Beratungsstelle „Moin StadtNatur“ können dabei eine wichtige Rolle spielen.
Auch in der öffentlichen Grünpflege braucht es mehr Aufmerksamkeit für den Igelschutz: Städtische und beauftragte Pflegebetriebe sollen im Umgang mit sensiblen Lebensräumen geschult und auch weiterhin dabei unterstützt werden, Grünflächen ökologisch aufzuwerten.
Der Rückgang der Igelbestände ist ein deutliches Warnsignal. Der Schutz urbaner Artenvielfalt beginnt im Kleinen – in jedem Garten, auf jeder Wiese. Hamburg will dabei vorangehen – mit Aufklärung, konkreten Verbesserungen vor Ort und dem klaren Ziel, dem Igel auch in Zukunft einen sicheren Lebensraum zu bieten.
Die Bürgerschaft möge beschließen:
Der Senat wird ersucht,
1. alle Gartenbesitzer*innen in Hamburg mittels einer Informationskampagne stärker auf die Gefahren durch Mähroboter für Kleintiere und auf die neue Allgemeinverfügung hinzuweisen, im Zuge dessen weitergehende Informationen zur igelfreundlichen und allgemein artenvielfaltsfördernden Gartengestaltung und Gartenpflege mitzuteilen und hierbei etablierte Einrichtungen wie z. B. die Beratungsstelle „Moin StadtNatur“ einzubeziehen,
2. auf Bundesebene darauf hinzuwirken, den Igelschutz durch zeitliche Vorgaben für den Betrieb von Mährobotern während der Dämmerungs- und Nachtstunden in die Bundesartenschutzverordnung aufzunehmen,
3. die städtischen oder städtisch beauftragten Grünpflegebetriebe für den Igelschutz zu sensibilisieren und fortzubilden und geeignete Maßnahmen zu ergreifen, öffentliche Grünflächen igel- und artenvielfaltsfördernd aufzuwerten,
4. auf Bundesebene darauf hinzuwirken, dass sich Deutschland in der EU dafür einsetzt, ein Testprotokoll für igel- und kleintiersichere Mähroboter durch das Europäische Komitee für elektrotechnische Normung verpflichtend einzuführen,
5. der Bürgerschaft bis zum 01.10.2026 zu berichten.
- Cem Berk
- Dirk Kienscherf
- Martina Koeppen
- Gulfam Malik
- Alexander Mohrenberg (Fachsprecher:in Umwelt, Klima und Energie)
- Sören Platten
- Marc Schemmel
- Philine Sturzenbecher
- Annika Urbanski
sowie
- Lisa Maria Otte
- Melanie Nerlich
- Leon Alam
- Miriam Block
- Eva Botzenhart
- Rosa Domm
- Simone Dornia
- Dominik Lorenzen
- Dr. Gudrun Schittek (GRÜNE) und Fraktion