Serielles, modulares und systemisches Bauen (SMS-Bauweisen) stärken
Mittwoch, 16.09.2026
Der vom Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen initiierte „Runde Tisch zum seriellen, modularen und systemischen Bauen“ hat seit 2023 zahlreiche Akteur:innen aus Bund, Ländern, Kommunen, Wohnungswirtschaft, Bauwirtschaft, Wissenschaft sowie Architekten- und Ingenieurkammern zusammengeführt, um konkrete Maßnahmen zur Stärkung dieser Bauweisen zu entwickeln. Ziel ist insbesondere der Abbau bestehender Hemmnisse sowie die Entwicklung gemeinsamer und praxistauglicher Lösungen.
Die Vorteile serieller, modularer und systemischer Bauweisen (SMS-Bauweisen) liegen insbesondere in verkürzten Bauzeiten, effizienteren Produktionsprozessen, geringeren Material- und Herstellungskosten sowie Qualitäts- und Effizienzgewinnen durch standardisierte und wiederholbare Prozesse. Unter seriellen, modularen und systemischen Bauweisen werden Bauweisen verstanden, bei denen größere Bauteile – etwa Wand-, Decken- oder Fassadenelemente – oder ganze Raummodule auf Grundlage standardisierter und häufig digital unterstützter Planungs- und Fertigungsprozesse werkseitig vorgefertigt und anschließend auf der Baustelle montiert werden. Dadurch können insbesondere Bauzeiten verkürzt, Abläufe besser planbar sowie Kosten-, Qualitäts- und Ressourceneffizienzpotenziale erschlossen werden. Gleichzeitig können Typengenehmigungen und standardisierte Verfahren Genehmigungsprozesse erheblich vereinfachen und beschleunigen. Darüber hinaus bieten SMS-Bauweisen erhebliche Chancen für klimafreundliches und ressourcenschonendes Bauen. Durch industrielle Vorfertigung können Materialeinsatz, Baustellenverkehr, Lärm- und Emissionsbelastungen reduziert werden. Gleichzeitig eröffnen modulare Systeme neue Potenziale für zirkuläres Bauen und Wiederverwendung von Bauteilen.
Zugleich ist klar, dass für eine breitere Anwendung weitere Verbesserungen im Vergabe-, Bauordnungs- und Zulassungsrecht notwendig sind. Insbesondere funktionale Leistungsbeschreibungen und integrierte Vergabemodelle spielen bei modularen und systemischen Bauweisen eine wichtige Rolle, da Planung, Fertigung und Bauausführung eng miteinander verzahnt sind. Bei funktionalen Leistungsbeschreibungen werden insbesondere die Ziele, Funktionen sowie die technischen, wirtschaftlichen und gestalterischen Qualitätsanforderungen eines Vorhabens festgelegt, während die konkrete planerische und technische Lösung in stärkerem Maße dem Wettbewerb überlassen bleibt. Dies kann bei SMS-Bauweisen sinnvoll sein, weil Systemplanung, Fertigung und Bauausführung eng miteinander verzahnt sind.
Dabei ist sicherzustellen, dass architektonische Qualität, städtebauliche Einfügung und baukulturelle Standards gewahrt bleiben. Gerade bei seriellen und modularen Bauweisen kommt der frühen und verbindlichen Einbindung unabhängiger Architekt:innen, Ingenieur:innen und Fachplaner:innen eine besondere Bedeutung zu. Nur so können städtebauliche Qualität, gestalterische Vielfalt, soziale Akzeptanz sowie die Anpassungsfähigkeit an unterschiedliche Quartiere und Standorte sichergestellt werden.
Serielles und modulares Bauen darf nicht zu monotonen oder rein technisch optimierten Lösungen führen, sondern muss die Anforderungen moderner Baukultur, Nachhaltigkeit und lebenswerter Stadtentwicklung erfüllen.
Zugleich ist eine klare und transparente Aufgabenverteilung zwischen Systemanbieter:innen, ausführenden Unternehmen sowie freien Planenden erforderlich. Unklare Schnittstellen im Planungs- und Vergabeprozess können zu Verzögerungen, Kostensteigerungen und Qualitätsverlusten führen. Deshalb braucht es praxistaugliche Leitlinien und Kooperationsmodelle, die integrierte Planungs- und Bauprozesse ermöglichen und gleichzeitig die unabhängige Planungsqualität sichern.
Serielle, modulare und systemische Bauweisen darf dabei nicht als Konkurrenz, sondern als sinnvolle Ergänzung konventioneller Bauweisen weiterentwickelt werden. Auch in Hamburg gilt es, diese Entwicklungen aktiv nutzen.
Hamburg ist mit dem Amt für Bauordnung und Hochbau Teil des „Runden Tisches“ und hat mit der Initiative für kostenreduziertes Bauen (Hamburg Standard für den Wohnungsneubau) wichtige Impulse in der Weiterentwicklung des Bauens gesetzt. Dieses aufgebaute Know-how gilt es auch bei der Entwicklung und Anwendung der SMS-Bauweisen zu nutzen.
Zugleich bestehen weiterhin Hemmnisse, insbesondere im Vergabe- und Bauordnungsrecht sowie bei Genehmigungs- und Zulassungsverfahren. Der vom Bund initiierte „Runde Tisch zum seriellen, modularen und systemischen Bauen“ hat hierzu bereits zahlreiche Maßnahmen und Handlungsempfehlungen entwickelt. Auf Grundlage dieser Empfehlungen wollen SPD und GRÜNE diese Entwicklungen aktiv aufgreifen, um die Chancen der SMS-Bauweisen auch für Hamburg zu nutzen.
Die Bürgerschaft möge beschließen:
Der Senat wird ersucht,
1. sich verstärkt für die Anwendung und Weiterentwicklung serieller, modularer und systemischer Bauweisen (SMS-Bauweisen) im Wohnungsbau sowie bei öffentlichen Bauvorhaben einzusetzen und dabei insbesondere Potenziale zur Beschleunigung von Planungs- und Bauprozessen sowie zur Senkung von Baukosten zu nutzen,
2. zu prüfen, wie bei öffentlichen Bauvorhaben und im geförderten Wohnungsbau die Nutzung serieller, modularer und systemischer Bauweisen stärker berücksichtigt und unterstützt werden kann,
3. gemeinsam mit der Hamburgischen Investitions- und Förderbank sowie weiteren relevanten Akteur:innen zu prüfen, wie Förderinstrumente und Finanzierungsmodelle für SMS-Bauweisen weiterentwickelt werden können,
4. zu prüfen, wie funktionale Leistungsbeschreibungen und integrierte Vergabemodelle rechtssicher und praxistauglich stärker genutzt werden können, um die Umsetzung von SMS-Bauweisen zu erleichtern, ohne dass funktionale Ausschreibungen und integrierte Vergabemodelle nicht zu einer Einschränkung von Planungsqualität, architektonischer Vielfalt oder mittelständischer Beteiligungsstrukturen führen,
5. sich dafür einzusetzen, dass Typengenehmigungen bundesländerübergreifend möglichst umfassend anerkannt werden und bestehende Unsicherheiten bei deren Anwendung reduziert werden,
6. gemeinsam mit den Architekten- und Ingenieurkammern sowie weiteren Fachakteur:innen Leitlinien für qualitätssichernde Planungs- und Vergabeprozesse im Bereich des seriellen, modularen und systemischen Bauens zu entwickeln,
7. sich dafür einzusetzen, dass die Potenziale serieller und modularer Bauweisen für zirkuläres und ressourcenschonendes Bauen sowie für den klimafreundlichen Einsatz nachwachsender Rohstoffe berücksichtigt werden,
8. zu prüfen, wie digitale und industrielle Fertigungsprozesse, insbesondere BIM-gestützte Planungs- und Produktionsmethoden, stärker in öffentliche Bau- und Wohnungsbauprojekte integriert werden können,
9. der Bürgerschaft bis Ende 2027 über den Stand der Umsetzung zu berichten.
- Mithat Çapar
- Kemir Čolić
- Matthias Czech
- Nils Hansen
- Jessica Hennig
- Dirk Kienscherf
- Martina Koeppen (Fachsprecher:in Stadtentwicklung)
- Michael Weinreich
sowie
- Leon Alam
- Miriam Block
- Eva Botzenhart
- Rosa Domm
- Simone Dornia
- Dominik Lorenzen
- Melanie Nerlich
- Lisa Maria Otte (GRÜNE) und Fraktion