Wohnen bleiben im Quartier – auch bei Pflegebedürftigkeit. Sorgende Gemeinschaften stärken und sektorenübergreifende Ansätze erproben.
Mittwoch, 08.04.2026
Im „Aktionsplan ‚Age friendly City‘ – für ein altersfreundliches Hamburg“ hat sich die Stadt dafür ausgesprochen, den mit dem Demografiekonzept eingeschlagenen Kurs fortzusetzen und ein „Wohnen bleiben im Quartier“ zu fördern. Auch Menschen mit Pflegebedarf sollen ihrem Wunsch entsprechend möglichst bis an ihr Lebensende in ihrer Wohnung, zumindest aber in ihrem vertrauten Quartier, wohnen bleiben können.
Viele Menschen wünschen sich, in ihrem vertrauten Stadtteil alt zu werden, weil dieser mehr ist als nur ein Wohnort – er ist Teil ihrer Lebensgeschichte. Im gewohnten Quartier bleiben soziale Kontakte, Nachbarschaften und gewachsene Strukturen erhalten, die Halt und Zugehörigkeit geben. Zugleich ermöglicht die vertraute Umgebung ein selbstbestimmtes Leben, auch wenn körperliche oder kognitive Einschränkungen auftreten. Kurze Wege, bekannte Orte und unterstützende Angebote im direkten Umfeld erleichtern den Alltag und geben Sicherheit.
Die soziale Pflegeversicherung fördert auf der Grundlage von § 123 des Elften Sozialgesetzbuches (SGB XI) regionalspezifische Modellvorhaben für innovative Unterstützungsmaßnahmen und -strukturen für Pflegebedürftige, ihre Angehörigen und vergleichbar Nahestehende vor Ort und im Quartier. Die Förderung dient dazu, die Situation der Pflegebedürftigen und ihrer Angehörigen und vergleichbar Nahestehenden zu erleichtern, den Zugang zu den vorhandenen Pflege- und Unterstützungsangeboten zu verbessern, die Pflegeprävalenz positiv zu beeinflussen, den Fachkräftebedarf zu decken sowie ehrenamtliche Strukturen aufzubauen, eine bedarfsgerechte integrierte Sozialplanung zur Entwicklung des Sozialraumes zu unterstützen, Unterstützungs- und Entlastungsstrukturen für Pflegearrangements auf- und auszubauen und zu stabilisieren, innovative Konzepte zur Stärkung der gesellschaftlichen Solidarität zu entwickeln oder die Pflegeangebote untereinander digital zu vernetzen.
Die Hamburger Projekte im Modellvorhaben nach § 123 SGB XI laufen von Mai 2026 bis April 2029 mit einem Schwerpunkt auf dem „Wohnen bleiben im Quartier“ trotz Pflegebedürftigkeit. Im vorpflegerischen Bereich ist zudem das Projekt QplusAlter unterwegs. Das Bündnis für Gesundheit Hamburg der Gesetzlichen Krankenversicherung plant zudem ein Projekt „Alt werden im Quartier“.
Diese Förderung nach dem SGB XI soll dazu beitragen, an den Lebensgewohnheiten pflege- und assistenzbedürftiger Menschen orientierte pflegerische Versorgungsangebote sowie geeignete Rahmenbedingungen für gegenseitige Unterstützung, bürgerschaftliches Engagement und Selbsthilfe zu schaffen und weiter auszubauen, die auf Dauer den Verbleib in der eigenen Wohnung und im vertrauten Quartier ermöglichen.
Die Modellprojekte können auch in Hamburg, einen Beitrag zur Stärkung „sorgender Gemeinschaften“ beziehungsweise von „caring communities“ leisten. Dabei handelt es sich um gesteuerte Netzwerke, die durch ein Zusammenspiel von bürgerschaftlicher Mitverantwortung und professioneller Unterstützung eine „Sorgekultur“ im Nahraum schaffen (siehe auch 7. und 9. Altersbericht der Bundesregierung).
Ergänzend dazu ist es nötig, das elektronische Planungssystem „Cockpit Soziale Infrastruktur“ zukünftig dahingehend anzupassen, dass eine kleinräumigere Betrachtung der pflegerischen Versorgungs- und Unterstützungsangebote, zum Beispiel auf Bezirke- oder Stadtteilebene möglich ist. So kann ein differenzierterer Blick auf die Ist-Situation gewonnen und als Grundlage für die weitere Ausgestaltung der Versorgung genutzt werden.
Die Bürgerschaft möge beschließen:
Der Senat wird ersucht,
1. die Etablierung von „sorgenden Gemeinschaften“ zu unterstützen und dafür diesen Ansatz in der Rahmenplanung der pflegerischen Versorgungsstruktur bis 2031 zu berücksichtigen,
2. zu prüfen inwieweit die pflegerische Versorgungsstruktur im „Cockpit Soziale Infrastruktur“ kleinräumiger dargestellt werden kann,
3. der Bürgerschaft im 3. Quartal 2028 auf Basis der Halbzeitberichte über die Hamburger Modellvorhaben nach § 123 des Elften Sozialgesetzbuches zu berichten, die im Jahr 2026 starten.
- Simone Gündüz (Fachsprecher:in Hamburg/Schleswig-Holstein)
- Jessica Hennig
- Dirk Kienscherf
- Claudia Loss
- Sören Platten
- Tim Stoberock
- Isabella Vértes-Schütter (Fachsprecher:in Kultur)
sowie
- Mechthild Weber
- Linus Görg
- Filiz Demirel
- Mareike Engels
- Lisa Kern
- Jan Koriath
- Parica Partoshoar
- Dr. Selina Storm
- Kathrin Warnecke (GRÜNE) und Fraktion