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Zukunftsperspektiven für die Elbmeile – Handlungskonzept für den Fischmarkt und sein Umfeld

Mittwoch, 22.04.2026

Die Elbmeile und der angrenzende Fischmarkt gehören zur DNA Hamburgs. Der Abschnitt zwischen der historischen Fischauktionshalle, der Großen Elbstraße und dem Museumshafen Övelgönne ist eine zentrale touristische Destination Hamburgs und zugleich ein identitätsstiftender Markenkern der Stadt: Er vereint in einzigartiger Weise maritimes Erbe, lebendige Hafenwirtschaft, hochwertige Gastronomie und kulturelle Identität. Der Fischmarkt ist ein weit über die Landesgrenzen hinaus bekanntes Aushängeschild und trägt seit Jahrzehnten mit dazu bei, die Außenwahrnehmung der Hansestadt Hamburg zu prägen.

Gleichzeitig ist unübersehbar, dass der Standort in seiner jetzigen Form unter erheblichem Anpassungsdruck steht. Veränderte Besucherströme, der Wandel im Konsumverhalten sowie ein wachsender Bedarf an angepasster Infrastruktur und zeitgemäßen Nutzungskonzepten für den öffentlichen Raum stellen den Standort vor neue Herausforderungen. Nach übereinstimmenden Berichten von Akteuren vor Ort hat sich das Besucherprofil des Fischmarkts in den vergangenen Jahren verändert. Wo früher vor allem Nachtschwärmer:innen den Markt prägten, suchen heute vermehrt Familien und Tagestourist:innen Aufenthaltsqualität zu Tageszeiten, denen der Markt in seiner derzeitigen Organisation bislang nur eingeschränkt gerecht wird.

Vor diesem Hintergrund besteht derzeit ein besonderes Zeitfenster für politisches Handeln. Noch ist vor Ort eine tragfähige Struktur aus Marktbeschickern, gastronomischen Betrieben, Quartiersmanagement und weiteren Akteuren vorhanden, die den Standort aktiv mittragen und weiterentwickeln wollen. Zugleich befindet sich das Quartier insgesamt in einer Phase des Übergangs, in der grundlegende städtebauliche und funktionale Weichenstellungen – etwa im Rahmen bestehender Planungsverfahren – vorbereitet werden.

Gerade diese Konstellation eröffnet die Chance, kurzfristige Verbesserungen mit einer mittel- und langfristigen Perspektive zu verbinden. Erfahrungsgemäß sind gezielte Anpassungen in einer solchen Phase deutlich wirksamer und ressourcenschonender als spätere Interventionen, wenn gewachsene Strukturen bereits verloren gegangen sind. Vor diesem Hintergrund erscheint es sinnvoll, die weiteren Schritte nicht isoliert anhand einzelner Maßnahmen zu betrachten, sondern in einem abgestimmten Verfahren gemeinsam mit den relevanten Akteuren vor Ort zu entwickeln. Ziel ist es, bestehende Rahmenbedingungen zu überprüfen und weiterzuentwickeln sowie zusätzliche Entwicklungsperspektiven für den Standort zu eröffnen. Dabei lassen sich mehrere Handlungsbereiche identifizieren, die in einem übergreifenden Handlungskonzept zusammengeführt werden könnten.

Infrastruktur und Investitionen

Im Rahmen der weiteren Entwicklung des Fischmarkts stellt sich die Frage, inwieweit die bestehenden infrastrukturellen Rahmenbedingungen den aktuellen betrieblichen und wirtschaftlichen Anforderungen der Marktbeschicker entsprechen. Insbesondere die technische Ausstattung in den Bereichen Strom, Wasser und Logistik ist ein wesentlicher Faktor für die Wirtschaftlichkeit des Marktbetriebs und die Aufenthaltsqualität für Besucher:innen. Vor diesem Hintergrund erscheint es sinnvoll, zu prüfen, wie Investitionen in die Marktinfrastruktur dazu beitragen können, den Standort langfristig zu stärken und weiterzuentwickeln.

Neue Zielgruppen erreichen

Das traditionelle Zeitfenster des Fischmarkts bildet die heutige touristische Nutzung nur noch bedingt ab. Um die wirtschaftliche Perspektive der Marktbeschicker langfristig zu sichern, erscheint es sinnvoll, zu prüfen, wie zusätzliche Zielgruppen – etwa Familien oder Wochenendtourist:innen– besser angesprochen werden können. Vor diesem Hintergrund bietet es sich an, in einem Dialog mit allen Beteiligten – insbesondere unter Berücksichtigung der Gottesdienste der Kirche St. Trinitatis – mögliche Anpassungen der Marktzeiten zu erörtern.

Ein lebendiges Quartier an Wochenenden

Der Fischmarkt nimmt innerhalb der Elbmeile eine besondere Rolle ein. Er wirkt als zentraler Anziehungspunkt und zieht insbesondere an Wochenenden zahlreiche Besucher:innen aus den angrenzenden Quartieren sowie Tagesgäste an, die den Bereich entlang der Elbe für Spaziergänge und Ausflüge nutzen. Diese Funktion geht über die eines klassischen Wochenmarkts hinaus und prägt die Wahrnehmung des Standorts weit über den Stadtteil hinaus.

Zugleich ist festzuhalten, dass Fragen der Marktorganisation, des Angebots und der Nutzung öffentlicher Räume primär auf bezirklicher Ebene verortet sind und dort – insbesondere im Austausch zwischen Bezirksversammlung, Quartiersmanagement und den ansässigen Akteuren – behandelt werden. Diese bestehende Zuständigkeit bildet eine wichtige Grundlage für die Weiterentwicklung des Standorts.

Vor dem Hintergrund der besonderen touristischen und identitätsstiftenden Bedeutung des Fischmarkts für die Stadt Hamburg stellt sich ergänzend die Frage, wie die bezirklichen Prozesse durch eine gesamtstädtische Perspektive sinnvoll flankiert und bestehende Initiativen in einen übergeordneten Zusammenhang eingeordnet werden können. Ziel ist es dabei nicht, Zuständigkeiten zu verlagern, sondern Entwicklungen zu bündeln, Schnittstellen sichtbar zu machen und die Akteure vor Ort eng zu begleiten und bestmöglich zu unterstützen – insbesondere mit Blick auf die Stärkung von Aufenthaltsqualität und wirtschaftlicher Tragfähigkeit entlang der Großen Elbstraße sowie die Belebung des Quartiers an Wochenenden.

 

Die Bürgerschaft möge beschließen:

Der Senat wird ersucht:

1. die bezirklichen Prozesse zur Weiterentwicklung des Quartiers „Fischmarkt/Elbmeile“, die von der Bezirksversammlung Altona und dem Bezirksamt Altona verantwortet werden, aus einer gesamtstädtischen, tourismuspolitischen Perspektive zu unterstützen und zu flankieren, unter Berücksichtigung der lokalen Bedürfnisse und Einbindung der relevanten Akteure vor Ort – insbesondere des Quartiersmanagements Elbmeile, der Interessengemeinschaft der Marktbeschicker, der Kirchengemeinde St. Trinitatis und der ansässigen Gewerbetreibenden – mit dem Ziel, kurz-, mittel- und langfristige Entwicklungsperspektiven für den Standort herauszuarbeiten.

2. im Rahmen dieses Prozesses insbesondere folgende Maßnahmenbereiche zu prüfen und, sofern geeignet, entsprechende Maßnahmen vorzubereiten und umzusetzen:

a) Modernisierung der Marktinfrastruktur:

Prüfung zielgerichteter Investitionen in technische Versorgungseinrichtungen (Strom, Wasser, Entsorgung), um die Aufenthaltsqualität zu erhöhen;

b) Anpassung der Marktzeiten:

Prüfung, ob und in welcher Form im Rahmen der bezirklichen Zuständigkeit Anpassungen der Marktzeiten – etwa durch zeitlich begrenzte oder ergänzende Marktphasen – geeignet sein könnten, auf veränderte Nutzungsgewohnheiten zu reagieren. Dabei sind die Einschätzungen der Marktbeschicker sowie der Hauptkirche St. Trinitatis Altona ebenso zu berücksichtigen wie die Erfahrungen aus vergleichbaren Projekten;

c) Marketing und Kommunikation:

Prüfung, wie bestehende Marketing- und Kommunikationsaktivitäten – insbesondere der Akteure vor Ort, der bezirklichen Ebene sowie bereits umgesetzter Maßnahmen der Hamburg Tourismus GmbH – besser aufeinander abgestimmt und gebündelt werden können, um die Sichtbarkeit des Fischmarkts und der Elbmeile als zusammenhängenden Standort zu stärken;

3. der Bürgerschaft bis zum 30.06.2026 über die Ergebnisse der Abstimmungsgespräche, das erarbeitete Handlungskonzept sowie bereits eingeleitete Maßnahmen und (geplante) Umsetzungsschritte zu berichten.

 

 

 

sowie
  • Eva Botzenhart
  • Dominik Lorenzen
  • Leon Alam
  • Miriam Block
  • Rosa Domm
  • Simone Dornia
  • Melanie Nerlich
  • Lisa Maria Otte (GRÜNE) und Fraktion