Stand und Weiterentwicklung der LSBTIQ*-sensiblen Pflege in Hamburg
Montag, 13.07.2026
Einleitung für die Fragen:
Hamburg ist durch eine hohe gesellschaftliche Vielfalt geprägt. Diese umfasst unterschiedliche Herkunftsgeschichten, Lebenslagen, geschlechtliche Identitäten, sexuelle Orientierungen und Lebensentwürfe. Daraus ergeben sich vielfältige Anforderungen an die pflegerische Versorgung und den Umgang mit pflegebedürftigen Menschen. Eine diskriminierungsfreie, personenzentrierte Pflege stellt hierbei eine zentrale Voraussetzung für gleichberechtigte Teilhabe und eine bedarfsgerechte Versorgung dar.
Das Hamburgische Wohn- und Betreuungsqualitätsgesetz (HmbWBG) normiert in §1 als Zweck des Gesetzes deshalb ausdrücklich
„3. eine Betreuung zu fördern, die die vielfältigen individuellen Lebenshintergründe und Bedürfnisse berücksichtigt, welche auch durch Kultur, Religion, Sprache sowie geschlechtlicher und sexueller Identität beeinflusst sind.“
§11 Nr. 3g verlangt zudem von dem Betreiber einer Wohneinrichtungen, dass er eine angemessene Qualität des Wohnens und der Betreuung nach dem allgemein anerkannten Stand der fachlichen Erkenntnisse gewährleistet, insbesondere durch
„(…) Einbeziehung der vielfältigen Lebenshintergründe, Gewohnheiten und Bedürfnisse der Nutzerinnen und Nutzer beispielsweise durch eine kultursensible Betreuung (…)“
Gerade ältere LSBTIQ*-Personen können aufgrund ihrer Lebenslagen und biografischer Erfahrungen mit Diskriminierung besonderen Hürden beim Zugang zu Unterstützungs- und Pflegeangeboten begegnen. Studien und qualitative Befunde weisen darauf hin, dass viele LSBTIQ*-Personen aus Sorge vor Diskriminierung Unterstützungs- und Pflegeleistungen zurückhaltender in Anspruch nehmen und Einrichtungen der Altenhilfe vielfach noch nicht ausreichend auf ihre spezifischen Bedarfe eingestellt sind.
Der Hamburger Senat hat die Weiterentwicklung der queersensiblen Pflege ausdrücklich aufgegriffen. Hierzu zählen unter anderem die Förderung geschlechtssensibler Pflege, die Unterstützung von Zertifizierungsverfahren, die stärkere Sichtbarkeit entsprechender Angebote in Pflegestützpunkten sowie der fortgesetzte Austausch mit dem Netzwerk LSBTIQplus Pflege und Altern Hamburg.
In der mehrjährigen Rahmenplanung der pflegerischen Versorgungstrukturen werden Themen der fachlichen Weiterentwicklung des Hamburger Angebots operationalisiert.
Mit Drs. 22/11506 vom April 2023 hat der Senat die Fortschreibung des „Aktionsplans für Akzeptanz geschlechtlicher und sexueller Vielfalt - HAMBURG L(I)EBT VIELFÄLTIG“ vorgelegt und ab S. 134 ff. konkrete Maßnahmen auf dem Feld „Alter und Pflege“ dargestellt.
Seitdem wurden verschiedene Maßnahmen angekündigt und teilweise umgesetzt. Von besonderem Interesse ist der aktuelle Stand ihrer Umsetzung sowie die Verbreitung diversitäts- und LSBTIQ-sensibler Qualitätsstandards in der pflegerischen Versorgung.
Vor diesem Hintergrund frage ich den Senat:
Frage 1: Wird das Thema Pflegebedarf von LSBTIQ*-Personen in der Rahmenplanung der pflegerischen Versorgungsstruktur für die kommenden Jahre aufgegriffen und wenn ja, wie?
Frage 2: Welche ambulante und stationäre Pflegeeinrichtungen (inkl. Hospize) in Hamburg verfügen derzeit über ein Qualitätssiegel oder eine Zertifizierung für LSBTIQ*- beziehungsweise diversitätssensible Pflege – insbesondere „Lebensort Vielfalt“ –, welche befinden sich in einem entsprechenden Verfahren?
Frage 3: Welche Beispiele guter Praxis gibt es in Hamburg bereits im Bereich LSBTIQ*- beziehungsweise diversitätssensibler Pflege?
Frage 4: Welche Erfahrungen haben bereits zertifizierte Einrichtungen oder Einrichtungen im Zertifizierungsprozess mit dem Qualitätssiegel „Lebensort Vielfalt“ oder vergleichbaren Standards gemacht, und wie werden diese Erkenntnisse genutzt, um weitere Pflegeeinrichtungen für eine Zertifizierung zu gewinnen?
Frage 5: Welche Maßnahmen wurden bislang ergriffen, um die Ansprechbarkeit der Pflegestützpunkte für LSBTIQ*-Personen sichtbarer zu machen und Mitarbeitende im Bereich LSBTIQ*-sensibler beziehungsweise geschlechtssensibler Pflege zu qualifizieren?
Frage 6: Werden Fortbildungen im Bereich LSBTIQ*-Sensibilität in der Pflege angeboten bzw. durchgeführt, insbesondere bei Pflegen und Wohnen?
Frage 7: Welche Möglichkeiten haben LSBTIQ-Personen mit Pflegebedarf und ihre An- und Zugehörigen, sich in Hamburg zu Fragen der Pflege und Unterstützung beraten zu lassen?
Frage 8: Welche Aufgaben und Aktivitäten verfolgt das Netzwerk LSBTIQplus Pflege und Altern Hamburg, welche Ergebnisse konnten bislang erzielt werden?
Frage 9: In welcher Form arbeitet der Senat mit dem Netzwerk zusammen beziehungsweise unterstützt dessen Arbeit?
- Indira Chuda (Fachsprecher:in LSBT*IQ)