Uwe Lohmann

Bezirk: Wandsbek

50 Jahre Jugendfeuerwehr Hamburg: Jugendarbeit, ehrenamtliches Engagement von Mädchen und Jungen sowie Integration durch eine Kampagne stärken

Freitag, 23.12.2016, Drucksache 21/

Antrag der Abgeordneten Carola Veit, Matthias Czech, Hildegard Jürgens, Uwe Lohmann, Frank Schmitt, Hendrikje Blandow-Schlegel, Tim Stoberock, Michael Weinreich und Fraktion sowie der Abgeordneten Anna Gallina, Antje Möller, Dr. Stefanie von Berg, Christiane Blömeke, Filiz Demirel, Olaf Duge, René Gögge, Murat Gözay, Ulrike Sparr (GRÜNE) und Fraktion

Haushaltsplan-Entwurf 2017/2018
Einzelplan 4

Im Jahr 1967 wurde in Hamburg der Startschuss zur Gründung von Jugendfeuerwehren gegeben, die Freiwilligen Feuerwehren in Wellingsbüttel, Neuenfelde und Hummelsbüttel haben die ersten drei Gruppen in der Hansestadt gegründet. Mittlerweile gibt es bei 59 der 86 Freiwilligen Feuerwehren Hamburgs eine Jugendfeuerwehr. Was als reine Nachwuchsorganisation gedacht war, hat sich bis heute stetig fortentwickelt.
Die Hamburger Jugendfeuerwehren leisten stadtweit verlässliche und umfassende Jugendarbeit. Über die Vermittlung von Brandschutz, der technischen Bildung und einer Sanitätsausbildung hinaus wird den jungen Menschen zwischen 10 und 18 Jahren, in den fünf Minifeuerwehren sogar schon ab dem 5. Lebensjahr, insbesondere vermittelt, wie wichtig freiwilliges und ehrenamtliches Engagement für die Gesellschaft ist. Sie erfahren in der Gruppe, wie stark und leistungsfähig der Einzelne in der Gemeinschaft sein kann. Rund neunhundert Mädchen und Jungen lernen Woche für Woche ganz praktisch Demokratie und Toleranz, gesellschaftliche Teilhabe und soziales Engagement. Fast 60.000 Stunden wurden im Jahr 2015 ehrenamtlich durch die Jugendleiterinnen und Jugendleiter geleistet – nicht mitgezählt weitere Zeiten, in denen die Hamburger Jugendfeuerwehren zu Fahrten und Zeltlagern unterwegs waren.
Als anerkannter Träger der freien Jugendhilfe leistet die Jugendfeuerwehr Hamburg seit bald fünfzig Jahren auch überregional wertvolle Jugendarbeit. Über rund zwanzig Wochenenden werden für die Jugendlichen Drei-Tages-Seminare angeboten, bei denen neben allgemeinen Themen, wie „Kochen & Backen“, vor allem auch jugendspezifische und jugendpolitische Inhalte rund um die Gesellschaft und Jugendkultur vermittelt werden.
Auch international sind gerade die Jugendfeuerwehren aus Hamburg viel unterwegs. Mit den Feuerwehren in Hamburgs Partnerstädten León (Nicaragua), St. Petersburg (Russland), Dar es Salaam (Tansania) und Osaka (Japan) verbindet die jungen Retterinnen und Retter von morgen eine langjährige Partnerschaft mit gegenseitigen Besuchen. Ein besonderes Highlight dabei wird im kommenden Jahr das internationale Geburtstags-Zeltlager am Eichbaumsee sein, bei dem nicht nur die Hamburger Gruppen dabei sind: Auch alle Partnerstädte und viele befreundete Gruppen aus dem In- und Ausland wollen mit der Hamburger Jugendfeuerwehr das Jubiläum feiern.

Nicht zuletzt stärken die Jugendfeuerwehren durch ihre offene und demokratische Struktur das gute Miteinander unterschiedlicher Menschen und Kulturen in unserer Stadt und in unserem Land. 2013 überreichte Bundeskanzler a.D. Helmut Schmidt im Hamburger Rathaus den Jugendfeuerwehren der Bundesrepublik den Deutschen Nationalpreis. Ebenfalls 2013 wurde die Jugendfeuerwehr Hamburg von einer unabhängigen Jury mit dem Paula-Karpinski-Preis ausgezeichnet.
Zu ihrem „50. Geburtstag“ benötigt die Jugendfeuerwehr zur Sicherung und Stärkung ihrer Aufgaben finanzielle Mittel für eine nachhaltige Mitgliederkampagne. Zielgruppen der Kampagne sind insbesondere jüngere Kinder für die Minifeuerwehr und Jungen und Mädchen aus Zuwanderungsfamilien. Jungen und Mädchen aus Zuwanderfamilien erfahren in der Jugendfeuerwehr Respekt und Anerkennung. Als gleichberechtigte Mitglieder der Jugendfeuerwehr setzen sie sich - für jedermann sichtbar - für das Gemeinwohl in der Stadt ein.
Mitgliederwerbung für die Jugendfeuerwehr muss attraktiv sein und durch eine zeitlich begrenzte Kampagne umgesetzt werden. Als Vorbilder dienen erfolgreiche Kampagnen aus Hessen, Schleswig-Holstein oder Bayern, bei denen unter dem Dach einer integrativen Kampagne gemeinsame (Werbe-)Aktionen sowie Material für die Öffentlichkeitsarbeit vor Ort entwickelt und beschafft wurden. Neben klassischen Infobroschüren und „Giveaways“ geht es auch um Messestände, Werbetafeln sowie großflächige Werbung in der Stadt. Zusätzlich gilt es, Soziale Netzwerke für die Mitgliederwerbung zu nutzen. Mit einem „How-to-do“ können die Jugendfeuerwehren zudem geschult werden, „best-practice“-Beispiele können beschrieben und gegebenenfalls angepasst werden. Das bereits vorhandene „InfoMobil“ kann zu einem „MitmachMobil“ ausgebaut und an öffentlichen Plätzen präsentiert werden.
Für die Entwicklung und Umsetzung dieser Kampagne werden sowohl Sach- als auch Honorarmittel benötigt. Neben vielen Aktionen und Veranstaltungen im Geburtstagsjahr 2017 (unter anderem ein Senatsempfang und ein Florianstag rund um St. Petri, ein großes Geburtstagszeltlager in Allermöhe im Sommer sowie eine hamburgweite Übung im Oktober) soll eine Mitgliederkampagne zum 50. Jubiläum helfen, das wichtige Engagement der fast eintausend Kinder und Jugendlichen und ihrer weit über dreihundert ehrenamtlichen Jugendleiterinnen und Jugendleiter in die Zukunft zu tragen.

Die Bürgerschaft möge beschließen:
Der Senat wird ersucht,
1. zur Planung und Umsetzung einer Kampagne – die insbesondere auf Mädchen sowie auf Jugendliche mit Migrationshintergrund zielt – für die Hamburger Jugendfeuerwehren dem Jugendfeuerwehr Hamburg Förderverein e.V. 50.000 Euro als Sach- und Honorarmittel aus dem Einzelplan 4 zur Verfügung zu stellen,
2. über Umsetzung und Erfolg der Kampagne zu berichten.