Sylvia Wowretzko

Bezirk: Hamburg-Nord

Sanierungsfonds Hamburg 2020: Baukostenzuschuss für das „Bandhaus“ im innovativen Gewerbe- und Handwerkerhof „Built in Barmbek“

Donnerstag, 01.08.2019, Drucksache 21/

Antrag der Abgeordneten Gerhard Lein, Ksenija Bekeris, Gabriele Dobusch, Christel Oldenburg, Wolfgang Rose, Peri Arndt, Birte Gutzki-Heitmann, Hansjörg Schmidt, Sven Tode, Isabella Vértes-Schütter, Sylvia Wowretzko und Fraktion sowie der Abgeordneten René Gögge, Christiane Blömeke, Martin Bill, Olaf Duge, Farid Mül-ler,Ulrike Sparr (GRÜNE) und Fraktion

Im Juni 2018 wurde am Holsteinischen Kamp/Ecke Marschnerstraße der erste Spatenstich für den innovativen Gewerbe- und Handwerkerhof „Built in Barmbek“ vollzogen. Die steg Hamburg mbH entwickelt diesen modernen Gebäudekomplex mit dem Ziel, kleine und mittlere Betriebe –insbesondere Start-ups – anzusiedeln und ihnen die Möglichkeit zu bieten, im urbanem Umfeld technisch kreativ zu arbeiten und zu produzieren. Die Gesamtnutzfläche (rund 5.300 Quadratmeter) ist gut an den ÖPNV angebunden und wird Werkstätten für die Holz- und Metallverarbeitung, Mikrobüroräumen („Small Offices“) für Freiberuflerinnen und Freiberufler, Start-ups und Unternehmen sowie kleinen Manufakturen aus dem Nahrungsmittelbereich Platz bieten. Dazu kommt ein sogenannter Tech Hub: Hier steht Profis und Hobbybastlerinnen und Hobbybastlern an jedem Tag der Woche ein hochwertig ausgestatteter Maschinenpark zur Verfügung. Abgerundet wird der innovative Nutzungsmix durch Gewerbeateliers sowie Tonstudios und Proberäume.
Das Angebot an gut gelegenen und schallisolierten Tonstudios und Proberäumen für (Nachwuchs-)Bands in Hamburg ist sehr knapp und die Nachfrage entsprechend hoch. Hamburg benötigt dringend bezahlbare Räumlichkeiten, in denen Musikerinnen und Musiker und Bands kreativ sein können. Um diesem Bedarf zu begegnen, greift das Konzept von „Built in Barmbek“ auf die Erfahrungen mit dem Musikhaus „Karostar St. Pauli“ zurück. Es wurde speziell für junge Unternehmen und Existenzgründungen aus der Musikbranche errichtet und bietet günstige Mieten und optimale Arbeitsbedingungen. Auch drei Tonstudios stehen zur Verfügung.
Inspiriert vom Musikhaus „Karostar“ entsteht im hinteren Gebäudebereich des „Built in Barmbek“-Komplexes auf zwei Etagen das „Bandhaus“ (Gesamtfläche 514 Quadratmeter). Hier werden acht für Musikproduktionen geeignete schallisolierte, be- und entlüftbare Proberäume (Nutzfläche 15 bis 36 Quadratmeter) sowie eine Probebühne (80 Quadratmeter) angeboten. Für die sechs Proberäume, die sich im Obergeschoss befinden, wird zum Transport der Ausrüstung ein Lastenaufzug zur Verfügung stehen.
Die erhöhte Probebühne im Erdgeschoss wird mit einer Licht- und Tonanlage ausgestattet und ermöglicht es so den Musikerinnen bzw. Musikern und Bands, Auftritte zu simulieren und für ein kleines Publikum zu spielen. Dadurch öffnet sich das „Bandhaus“ auch nach außen, stellt eine Verbindung zwischen Musikerinnen bzw. Musikern und Publikum her und wird nicht nur als reiner Proberaumkomplex wahrgenommen.

Eine zeitweise Anmietung der Probebühne ist möglich. So können sich Musikerinnen und Musiker sowie etablierte Bands auf anstehende Tourneen, Studioaufenthalte oder einzelne Konzerte vorbereiten. Auch für Workshops und Seminare rund um das Thema „Musik“ ist die Probebühne ein idealer Raum. Zusammen mit lokalen Akteuren im direkten Umfeld von „Built in Barmbek“ (u. a. die Grundschule Humboldtstraße und das Community Center Barmbek°Basch) wird im Verlauf der Projektentwicklung ein ergänzendes Nutzungskonzept erarbeitet, was idealerweise zu einer Vollauslastung der Räume führt.
Die Räume werden vom Hamburger Independent-Label „Grand Hotel van Cleef Musik GmbH “ (GHvC) verwaltet und betrieben. Über eine Mehrfachbelegung sollen die acht Proberäume zu günstigen Mieten an junge Bands und Künstlerinnen und Künstler weitergegeben werden. Eine musikgenre-übergreifende, unabhängige und nicht mehrheitlich von „Grand Hotel van Cleef“ gestellte Jury, deren Zusammensetzung mit der Behörde für Kultur und Medien abzustimmen ist, wählt in Frage kommende Mieterinnen und Mieter für das „Bandhaus“ aus. Musikerinnen und Musiker aller Genres können sich bewerben, eine Festlegung auf bestimmte Genres ist auszuschließen. Da der Fokus auf dem gemeinschaftlichen Musizieren liegt, werden eher Gruppen als Einzelkünstlerinnen und -künstler angesprochen werden.
Neben dem Raumangebot steht das Team von „Grand Hotel van Cleef“ den jungen Künstlerinnen und Künstlern auch beratend zur Seite und gibt wertvolles Know-how aus dem professionellen Musikbereich weiter. Dazu zählt beispielsweise die Rechts- und Steuerberatung, Informationen bei der GbR-Gründung, Produktionstechniken, Vermarktung und Beratung zu Verwertungsgesellschaften wie GEMA und GVL. Seit 2002 kümmert sich die Plattenfirma um Konzertbooking, Verlagsangelegenheiten und Veröffentlichungen von Musikerinnen und Musikern und Bands.
Ziel ist es, durch das „Bandhaus“ in Barmbek einen Hotspot für junge, kreative Musikerinnen und Musiker zu schaffen, um sie durch ein professionelles Umfeld beim Sprung vom Proberaum auf die Bühne zu unterstützen. Zu erwarten ist auch eine Eigendynamik, die sich durch das spannende Umfeld, neue Projekte und Kooperationen entwickelt. Die Infrastruktur des „Bandhauses“ wird einen Beitrag zur Stärkung der lokalen Musikproduktion und -kultur leisten, denn die Lage in Barmbek wird von der Kreativszene positiv bewertet, wie aus der empirischen Studie „Wer macht in Hamburg Musik?“ (2009) hervorgeht. In Kooperation mit der Leuphana Universität Lüneburg hatte das Bezirksamt Hamburg-Nord das Quartier Barmbek-Süd als Standort für ein Musikzentrum untersuchen lassen.
In den letzten Jahren wurden immer weniger Bandprojekte gegründet und eine entsprechend geringe Anzahl an Demo-Bändern eingereicht. Mit der Verwaltung und dem Betrieb des „Bandhauses“ kann dem entgegengewirkt werden, da das „Grand Hotel van Cleef“ durch seine jahrelange Branchenerfahrung Künstlerinnen und Künstler und Bands in ihrem Werdegang begleiten und betreuen wird.
Insgesamt sind 14,7 Millionen Euro (inklusive Sonderausstattung) für das Bauvorhaben „Built in Barmbek“ kalkuliert. Für das „Bandhaus“ sind anteilig insgesamt rund
1,57 Millionen Euro vorgesehen. Die Mietpreise sind abhängig vom jeweiligen Ausbaustandard und werden sich in der Spanne zwischen 10,50 Euro (qualifizierter Rohbau für Werkstätten) über 11,00 Euro (Atelierflächen) bis hin zu 13,00 Euro bei ausgebauten Mikrobüroräumen bewegen. Die Kostenmiete für das Gesamtvorhaben beträgt 10,30 Euro.
Junge Musikerinnen und Musiker und Bands gehören zur Musikstadt Hamburg. Um sie aufzubauen und zu fördern, benötigen sie bezahlbare Proberäume in ausreichender Anzahl. Daher möchte die Bürgerschaft die Realisierung des „Bandhauses“ im Bauprojekt „Built in Barmbek“ mit einem Baukostenzuschuss von bis zu 480.000 Euro aus dem „Sanierungsfonds Hamburg 2020“ für die Herstellung der Proberäume und der Probebühne unterstützen. Dieser investive Zuschuss führt bei einer 15-jährigen Bindungsfrist zur Reduzierung der Realmiete um 3,80 Euro pro Quadratmeter auf 6,50 Euro für die Proberäume und die Probebühne. Vom 11. bis zum 15. Jahr wird dann eine jährliche Mietanpassung von 1,95 Prozentvereinbart, die mindestens die Inflation ausgleicht. Über Maßnahmen und Aktivitäten hat der Verwalter und Betreiber des Bandhauses der Fachbehörde jährlich zu berichten.

Die Bürgerschaft möge beschließen,
Der Senat wird ersucht,
1. für die Sonderausstattung der Proberäume und der Probebühne des „Bandhauses“ im Bauprojekt „Built in Barmbek“ gemeinsam mit dem zuständigen Bezirk Hamburg-Nord die jeweilige Höhe des konsumtiven bzw. investiven Anteils der Maßnahme zu ermitteln,
2. im Haushaltsjahr 2019 – abhängig vom Ergebnis dieser Ermittlung – eine Ermächtigung, Kosten zu verursachen bzw. Auszahlungen zu leisten in Höhe von insgesamt bis zu 480.000 Euro
a. für konsumtive Maßnahmen im Einzelplan 1.5 (Bezirksamt Hamburg-Nord) in der Produktgruppe 219.02 „Sozialraummanagement“ „Kosten für Transferleistungen“, aus dem Produkt „Sanierungsfonds Hamburg 2020“ (Einzelplan 9.2, Produktgruppe 283.02 „Zentrale Ansätze II“, Kontenbereich Globale Mehrkosten) und
b. für investive Maßnahmen im Aufgabenbereich 219 „Soziales, Jugend und Gesundheit“ aus der „Zentralen Sanierungsreserve Hamburg 2020“ (Einzelplan 9.2, Aufgabenbereich 283 „Zentrale Finanzen“) bereitzustellen und zweckgebunden für die Sonderausstattung der Proberäume und der Probebühne zur Verfügung zu stellen
3. für die dazugehörigen Abschreibungen – in Abhängigkeit des Aktivierungszeitpunktes der in Ziffer 2b. beschriebenen Maßnahme – dem entsprechenden Kontenbereich „Kosten aus Abschreibungen“ der Produktgruppe 219.02 des Einzelplans 1.5 aus der Produktgruppe 283.02 des Einzelplans 9.2 die benötigten Ermächtigungen zu übertragen,
4. die mindestens 15-jährige Bindungsfrist einer Realmiete von 6,50 Euro pro Quadratmeter für die Proberäume durch geeignete Maßnahmen sicherzustellen,
5. sicherzustellen, dass der Verwalter und Betreiber des Bandhauses
a. sich mit der Fachbehörde über die Jury zur Auswahl geeigneter Mieterinnen und Mieter abstimmt
b. und der Fachbehörde während der 15-jährigen Bindungsfrist jährlich über die jeweiligen Maßnahmen und Aktivitäten berichtet,
6. der Bürgerschaft über den Sach-, Planungs- und Umsetzungsstand bis Ende 2019 zu berichten.