Dr. Joachim Seeler

Bezirk: Wandsbek

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Dr. Joachim Seeler über wirtschaftliche Regulierung

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Dr. Joachim Seeler über die Wohnsituation in Hamburg

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Dr. Joachim Seeler zum Innovationsstandort Hamburg

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Dr. Joachim Seeler über Zuwanderung

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Digitalisierung – Chancen und Risiken für den Deutschen Mittelstand

Beitrag zum neuen Sammelband Digitalisierung – Chancen und Herausforderungen für den Deutschen Mittelstand“ des RKW Kuratoriums

Die durch die Digitalisierung ausgelösten Veränderungsprozesse werden heute in ihren Auswirkungen vielfach als vierte industrielle Revolution bezeichnet. Nach der Einführung der Dampfmaschine im 19. Jahrhundert, der industriellen Nutzung der Elektrizität und des Verbrennungsmotors im 20. Jahrhundert und der Entwicklung des Computers Ende des 20. Jahrhunderts steht nun mit der Digitalisierung eine weitere Zeitenwende bevor. Dabei ist kaum eine Branche ausgenommen. Der Mittelstand als wesentlicher Bestandteil der Wirtschaft steht dabei vor besonderen Herausforderungen. Dabei erscheinen die nachfolgenden sieben Punkte für den Mittelstand von besonderer Bedeutung:

1. Die Digitalisierung basiert auf dem technischen Fortschritt in Bereichen wie Datenverarbeitung, Datenspeicherung, Sensorik, Netzwerktechnologie und Software. Dabei verläuft der technische Fortschritt in diesen Bereichen nicht linear sondern exponentiell. 1965 formulierte einer der Mitbegründung des IT Unternehmens INTEL Gordan Moore das sogenannte „Moorsche Gesetz“, welches seit mehreren Jahrzehnten seine Gültigkeit behalten hat. Nach dem Moorschen Gesetz verdoppeln sich die Transistoren auf integrierten Schaltkreisen durch den technischen Fortschritt alle 18 Monate. Diese exponentielle Entwicklung im Bereich der Halbleiterindustrie hat maßgeblich die heutige Digitalisierung erst ermöglicht. Dabei ist es für Unternehmen vielfach nicht trivial, die künftigen Folgen exponentieller technischer Entwicklungen abzuschätzen. Während lineare Entwicklungen in ihren Potentialen und Auswirkungen greifbar sind, ist dies bei exponentiellen Entwicklungen problematisch. Daher führt die Digitalisierung in vielen Branchen zu sogenannten disruptiven Veränderungen, die für viele Marktteilnehmer überraschend sind. Wesentliche Entwicklungen im Bereich Digitalisierung sind im 21. Jahrhundert insbesondere in den USA entstanden. Unternehmensgründungen wie Google, Facebook, Apple und Amazon sind exemplarisch für die dominierende Stellung Nordamerikas in diesem Sektor. In Deutschland erfolgte die letzte Neugründung mit einem vergleichbaren Anspruch 1972 mit SAP. Hier scheinen die globalen Märkte bereits weitgehend verteilt zu sein. Die Chancen des deutschen Mittelstands ergeben sich an den Schnittstellen etablierter Industrien und der Digitalisierung. Die Fortentwicklung bestehender Produkte und Anwendungen durch die Integration der Digitalisierung bieten Wachstumsmöglichkeiten und können auch künftig die Wettbewerbsfähigkeit des Mittelstandes sichern. Schon heute gibt es zahlreiche Beispiele wie z.B. aus den Bereichen Maschinen– und Fahrzeugbau, Produktionstechnik, Chemie und Anlagenbau.

2. Die Digitalisierung ist aber nicht nur eine technische Innovation. Schon jetzt gibt es zahlreiche Branchen, in denen die Digitalisierung nicht nur zu technischen Innovationen geführt hat, sondern auch parallel die Geschäftsmodelle der Unternehmen fundamental geändert hat. Dies führt zu einem ganz erheblichen Anpassungsdruck der Unternehmen. Im Einzelhandel, der Medienindustrie, der Finanzwirtschaft und vielen anderen Branchen hat die Digitalisierung schon heute zu völlig veränderten Geschäftsmodellen geführt. Daher ist es für den Mittelstand zwingend, nicht nur die technischen Chancen und Herausforderungen der Digitalisierung anzunehmen sondern auch konsequent zu überprüfen, ob das eigene Geschäftsmodell diesen Anforderungen noch entspricht oder ggf. angepasst werden muss.

3. Aus Sicht des Mittelstands kann der globale Marktzugang eine besonders große Chance begründen, die die Digitalisierung mit sich bringt. Korrelierten früher Vertriebs- und Beschaffungswege mit der Unternehmensgröße bietet heute das Internet ganz neue Möglichkeiten auch für kleinere Unternehmen. Produkte können in Millisekunden einem globalen Markt angeboten werden. Gleichzeitig bietet diese Transparenz neue Potentiale für die Beschaffungswege der Unternehmen.

4. Um als mittelständisches Unternehmen die Chancen der Digitalisierung nutzen zu können bedarf es an dem jeweiligen Unternehmensstandort einen Zugang zu schnellen Breitbandnetzen. Neben Straßen, Brücken, Wasserwegen und Gleisanlagen sind digitale Breitbandnetze heute Teil der Infrastruktur. Der Ausbau der Breitbandnetze mit einer entsprechenden Leistungsfähigkeit ist daher von herausragender Bedeutung. Ohne Verfügbarkeit eines schnellen Netzzugangs wird es dem Mittelstand kaum gelingen, an der digitalen Welt teilzuhaben. Der Ausbau der Breitbandnetze muss daher als Teil der öffentlichen Daseinsvorsorge begriffen werden. Dort wo private Anbieter aus ökonomischen Gründen keinen schnellen Netzzugang anbieten können, muss die öffentliche Hand entsprechende Mittel bereitstellen. Vieles ist hier schon geschehen. Aber es gibt immer noch Regionen in Deutschland, an denen erhebliche Defizite beim Breitbandnetzausbau bestehen. Diese Lücken müssen zügig geschlossen werden. Der zielgerichteten Zusammenarbeit zwischen Bund und Ländern kommt hierbei eine besondere Bedeutung zu.

5. Die Öffentliche Hand und der Mittelstand haben auch im Bereich der Wirtschaftsförderung eine gemeinsame Schnittstelle. Dabei stellt die Digitalisierung die Wirtschaftsförderung vor neue Herausforderungen. Viele neue Produkte, Dienstleistungen und Geschäftsmodelle in der digitalen Welt werden in Start-up´s und Universitäten erdacht. Für den Mittelstand kann es daher von besonderem Interesse sein, frühzeitig hier in Kontakt zu treten. Die öffentliche Wirtschaftsförderung kann hierfür entsprechende Plattformen zur Verfügung stellen, auf denen sich Start-up`s, Universitäten und Mittelstand miteinander vernetzen. Praktische Beispiele in einzelnen Bundesländern zeigen, welches hohe Innovationspotential dieser Ansatz bietet.

6. Neben allen Chancen für den Mittelstand führt der verstärkte Datenaustausch und die Vernetzung zu erheblichen Risiken in den Bereichen Datenschutz und Datensicherheit. Ein mangelhafter Schutz auf Unternehmensebene kann zu ganz erheblichen wirtschaftlichen Schäden führen. Darüber hinaus kann die globale Präsenz im Internet auch mit Risiken im Bereich gewerblicher Rechtschutz und Patentwesen führen. Oft fehlen gerade mittelständischen Unternehmen die Ressourcen, sich bei Verstößen Dritter hiergegen global zur Wehr zu setzen. Umso wichtiger ist es, die Frage des politischen Souveräns im Internet zu klären und damit verbindliche Spielregeln im Internet festzulegen. Etwas hilflos mutet es heutzutage schon an, wenn der Datenschutzbeauftragte des Bundeslandes Hamburg gegen den globalen Internetriesen Facebook wegen Nutzung von WhatsApp Daten für das Facebook-Geschäft vorgehen muss, da es hierüber ansonsten kein global verbindliches Regelwerk gibt. Um die Chancen der Digitalisierung vollumfänglich nutzen zu können müssen diese vielfach noch offenen Rechtsfragen zwingend geklärt werden.

7. Gleiches gilt für die Aus- und Weiterbildung im Mittelstand. Ohne die entsprechende Aus- und Weiterbildung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bleibt die digitale Welt für den Mittelstand verschlossen. Um der hohen Veränderungsgeschwindigkeit der digitalen Welt dabei Rechnung zu tragen, ist vor allem auf eine breite Ausbildung Wert zu legen, die Basisqualifikationen vertieft vermittelt. Dies beginnt schon in den Grundschulen und setzt sich über weiterführende Schulen und Hochschulen fort. Dabei müssen Grundschüler z.B. heute nicht den Umgang mit einem Laptop erlernen. Dieser ist sowieso längst veraltet, sobald sie ins Berufsleben eintreten. Wichtig ist vielmehr, die Grundlagen in den Basisqualifikationen so gut auszuprägen, dass die intellektuelle Anpassungsfähigkeit in einem dynamischen technologischen und sozialen Umfeld gesichert ist. Darauf kann der Mittelstand dann mit einer spezialisierten Ausbildung aufbauen.

Die Europäische Union vor dem Umbruch? Chancen und Risiken für den deutschen Mittelstand

Beitrag zum neuen Sammelband „Die Europäische Union vor dem Umbruch? Chancen und Risiken für den deutschen Mittelstand“ des RKW Kuratoriums

Am 7. November 2017 traf sich das RKW Kuratorium in Berlin, um über die Chancen und Risiken für den deutschen Mittelstand in einem sich verändernden Europa zu diskutieren. Fast auf den Tag genau vor 100 Jahren, am 6. November 1917, endete nach drei Monaten die 3. Flandernschlacht mit Verlusten von 600.000 Soldaten auf beiden Seiten und wenigen Quadratkilometern Geländegewinnen auf Seiten der Allierten. 100 Jahre später diskutieren wir mögliche Veränderungen der Europäischen Union. Zu Beginn sollten wir uns daher über das bereits Erreichte bewusst sein – und es vor allem wertschätzen. Der europäische Integrationsprozess hat zu einem bisher in Europa nicht gekannten Ausmaß an Frieden, Freiheit und Wohlstand geführt. Dabei ist allen Recht zu geben, die den Integrationsprozess bewahren und konstruktiv weiterentwickeln wollen.

Der deutsche Mittelstand hat von Frieden, Freiheit und Wohlstand in Europa besonders profitiert. Der Frieden sichert die Grundlage stabiler Rahmenbedingungen für das unternehmerische Handeln, die Freiheit fördert den grenzüberschreitenden Handel und der Wohlstand unterstützt Konsum- und Investitionsbereitschaft der Kunden. Damit sind wesentliche Erfolgsfaktoren des deutschen Mittelstandes deckungsgleich mit den Ergebnissen und Zielen der Europäischen Union. Stimmt also die These vom Umbruch der Europäischen Union wäre der deutsche Mittelstand direkt betroffen – in die eine wie in die andere Richtung.

1. Frieden: Die Entwicklung der Europäischen Union begann als Friedensprojekt nach zwei verheerenden Weltkriegen. Die politisch Verantwortlichen, von Jean Monnet bis Konrad Adenauer waren Zeitzeugen, genau wie die ihr folgende Politikergeneration von Helmut Schmidt bis Giscard d’Estaing. Mit dem Wiederaufflammen von militärischen Konflikten an den Außengrenzen der Europäischen Union in den letzten Jahren – etwa den Konflikten in  Jugoslawien, der Ukraine und in Nordafrika – hat die friedenswahrende Aufgabe der Europäischen Union wieder mehr konkrete Bedeutung bekommen – nicht nur gerichtet nach innen sondern auch nach außen. Das scheint verstanden worden zu sein. Mit dem Beschluss zur Gründung einer Europäischen Verteidigungsunion vom 11.Dezember 2017 haben sich 25 von 28 Mitgliedern der Europäischen Union auf eine deutlich vertiefte militärische Zusammenarbeit festgelegt. Diese Entwicklung muss zwangsläufig zu einer verstärkten Zusammenarbeit in den Außenpolitik führen. Was hat das jetzt mit dem deutschen Mittelstand zu tun ? Der deutsche Mittelstand muss allergrößtes Interesse daran haben, dass sich die Europäische Union als Friedensmacht im inneren wie nach außen weiterentwickelt. Hier liegen die Chancen, in einem gesicherten und friedlichen politischen Umfeld unternehmerisch zu agieren und das eigene Unternehmen fortzuentwickeln. Das ist eine der Grundlagen, weshalb sich der deutsche Mittelstand weltweit eine besondere Wettbewerbsstärke erarbeiten konnte.

2. Freiheit: Neben der Rolle als Friedensstifter hat vor allem die wirtschaftspolitische Integration der Mitgliedsstaaten in den letzten Dekaden in Europa eine herausragende Bedeutung eingenommen. Der gemeinsame Binnenmarkt, d.h. die Freiheit des ungehinderten, grenzüberschreitenden Handels, komplettiert durch die Währungsunion zwischen 19 der 28 Mitgliedsstaaten, hat dem deutschen Mittelstand ganz erheblich genützt. Der deutsche Mittelstand ist Teil des größten Binnenmarktes der Welt. Von den 10 größten Handelspartnern der deutschen Wirtschaft sind 7 Länder Mitglieder der Europäischen Union. Mit dem Erstarken nationalistischer Tendenzen in einigen Mitgliedsländern, gipfelnd in dem Volksentscheid in Großbritannien, die Europäische Union bis 2019 zu verlassen (Brexit), hat der Europäische Integrationsprozess einen erheblichen Dämpfer erhalten.

Aber: In dieser Situation hat sich gerade die Attraktivität des gemeinsamen Binnenmarktes  gezeigt. Dies wird exemplarisch deutlich an dem Verlauf der Brexit Verhandlungen. Die Regierung in Großbritannien hatte vor, die Austrittsbedingungen parallel mit den Verhandlungen über einen möglichst weitgehenden Verbleib in dem für Großbritannien so wichtigen Binnenmarkt zu führen. Letzteres ist für die Wirtschaft in Großbritannien von herausragender Bedeutung, wie auch die britischen Wirtschaftsverbände seit langem immer wieder betonen. Die Europäische Union hat sich darauf nicht eingelassen und die Bedingungen des Austritts vor die Verhandlungen der Marktzutrittsbedingungen gestellt. Nur so konnte die Europäische Union viele ihrer Forderungen an Großbritannien bei den Austrittsbedingungen am Ende durchsetzen. Der offene Zugang zum Binnenmarkt ist für Großbritannien zu wichtig, um ihn an Differenzen in Bezug auf die Austrittsklauseln scheitern zu lassen.

Dennoch wird sich die Europäische Union auch in den nächsten Jahren mit nationalistischen Tendenzen innerhalb ihrer Mitgliedsländer auseinandersetzen müssen. Das Erstarken dieser politischen Gruppierungen und ihre Wahlerfolge der letzten Jahre sind ein klares Indiz dafür. Diese politischen Gruppierungen profilieren sich innenpolitisch mit einem klar antieuropäischen Kurs – und gewinnen Wähler. AFD, Front National oder FPÖ sind dafür Beispiele. Die Konsequenzen dieser Entwicklung sind schwer abzuschätzen. Ob in letzter Konsequenz ein Austritt weiterer Länder aus der Europäischen Union stehen wird ist eher zweifelhaft. Der Brexit Prozess mag eine gewissen abschreckende Wirkung mit sich bringen. Aber der weiterführende Integrationsprozess und die Handlungsfähigkeit der Europäischen Union könnten spürbar an Fahrt verlieren. Das wäre ein nicht zu unterschätzendes Risiko für den deutschen Mittelstand.

Dies wird zum Beispiel deutlich im Bereich des internationalen Handels. Die Europäische Union ist nicht alleine auf dieser Welt. Mit China ist ein sehr starker politischer und ökonomischer Wettbewerber erwachsen. Die USA sind zunehmend durch protektionistische Ansichten geprägt. Wichtige Handelspartner und Rohstofflieferanten wie Russland wollen ihre politische Einflusssphäre vergrößern. Diese Entwicklungen bedürfen einer integrierten und handlungsfähigen Europäischen Union. Freihandelsabkommen, von denen auch der deutsche Mittelstand erheblich profitiert, werden heute von der Europäischen Union für alle Mitgliedsstaaten zentral verhandelt. Vertragspartner mit China oder den USA ist immer die Europäische Union. Eine durch interne Auseinandersetzungen geschwächte Europäische Union wäre hier kein gleichberechtigter Partner mehr. Der freie Marktzugang – auch für den deutschen Mittelstand - könnte darunter leiden.

3. Wohlstand: Die europäische Integration hat in den letzten 70 Jahren in Deutschland zu einem bisher nicht gekannten Wohlstandsniveau für fast alle Bevölkerungsschichten beigetragen. 70 Jahre ungestörte Kapitalakkumulation haben zum Aufbau hoher Vermögenswerte bei Unternehmen, öffentlicher Hand und in der Bevölkerung geführt. Damit trifft der deutsche Mittelstand auf eine nachhaltig starke heimische Nachfrage nach Produkten und Dienstleistungen – auch eine gute Ausgangsbasis für Exporterfolge. Aber: Dieser Wohlstand muss täglich neu erarbeitete werden. Soll das Wohlstandniveau langfristig gesichert werden sind künftig auch in der Europäischen Union große Herausforderungen zu meistern. Drei Beispiele:

Die Digitalisierung führt mit hohem Tempo in vielen Branchen zur Entwertung alter und zum Aufbruch hin zu neuen, innovativen Geschäftsmodellen. Um in diesem globalen Wettbewerb bestehen zu können ist seitens der Europäischen Union und Ihrer Mitgliedsländer die nötige Infrastruktur vorzuhalten, wie etwa der Breitbandausbau. Aber auch gemeinsame Normen und Standards für die Netze sowie Regelungen zur Besteuerung auf europäischer Ebene sind nötig. Bisher haben die USA eine führende Rolle in der Internetökonomie mit großen Anbietern wie Amazon, Facebook oder Google übernommen. Europa wird nachlegen müssen, um die eigene Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten. Von diesem Umbruch in der Europäischen Union würden der deutsche Mittelstand und seine Wettbewerbsfähigkeit stark profitieren.

Der demographische Wandel führt in der Europäischen Union zu mehr Rentnern und weniger jungen Menschen. Das bedeutet für die Wirtschaft mittel- und langfristig ein erhebliches Problem, genügend Fachkräfte zu gewinnen. Das gleiche gilt übrigens auch für die öffentliche Hand. Der deutsche Mittelstand ist innerhalb der Europäischen Union als attraktiver Arbeitgeber anerkannt und kann somit von der Binnenmigration profitieren. Dies wird aber auf Basis der bisher gemachten Erfahrungen nicht ausreichen. Eine gezielte Einwanderungspolitik wäre daher notwendig, um weltweit gut ausgebildete Fachkräfte anzuwerben. Ob die Europäische Union hier insgesamt handlungsfähig sein kann und will ist offen. Der Umgang mit der Flüchtlingskrise ist jedenfalls kein gelungenes Beispiel.

In einer rohstoffarmen Europäischen Union ist die Bildung der Menschen von herausragender Bedeutung, um im globalen Wettbewerb zu bestehen und den Wohlstand zu sichern. Die Europäische Union hat in den letzten Dekaden viele Initiativen in diesem Bereich erfolgreich umgesetzt, wie z.B. die Harmonisierung der Hochschulausbildung im Rahmen des Bologna Prozesses. Weitere Anstrengungen in diesem Bereich werden auch dem deutschen Mittelstand zugute kommen.

Befindet sich nun die Europäische Union im Umbruch? Positiv ausgedrückt würde dies ein Anpassungsprozess an eine sich dynamisch verändernde Welt bedeuten. Der deutsche Mittelstand wäre einer der ersten Profiteure. Im negativen Sinne wäre es ein Bedeutungsverlust der Europäischen Union durch ein Wiedererstarken nationalistischer Tendenzen zu Lasten der Gemeinschaft. Auch hier wäre der deutsche Mittelstand vorne dabei – allerdings als Verlierer. Vielleicht hilft ein Blick in die Geschichtsbücher und die beispielhafte Vergegenwärtigung der Ereignisse vor 100 Jahren in Flandern, um sich an die grundlegende Bedeutung dieser Frage zu erinnern.