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Auswirkungen der Medizinischen Versorgungszentren auf die ärztliche Versorgung in Hamburg

Donnerstag, 24.07.2008, Drucksache 19/768

Antwort des Senats: Parlamentsdatenbank

Groe Anfrage der Abgeordneten Elke Badde, Anja Domres, Wolfgang Rose, Monika Schaal, Martin Schäfer und Fraktion.

In Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) sollen Ärzte, Therapeuten und andere Heilberufler unter einem Dach arbeiten. So soll eine gute Versorgung aus einer Hand gewährleistet werden.
In Hamburg ist die Zahl der Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) seit dem Inkrafttreten des Gesundheitsmodernisierungsgesetzes (GMG) am 01.01.2004 von neun auf über 20 gestiegen. Weitere MVZ sind geplant. Allein der Krankenhausbetreiber Asklepios plant neben seinen zwei bestehenden MVZ weiter 10 –12 in Hamburg und Umgebung einzurichten. Neben den Asklepios-Kliniken drängen weitere Krankenhausbetreiber wie z.B. das UKE und auch Krankenkassen (Techniker Krankenkasse) in den Markt der MVZ.
Die Grundidee der MVZ ist in Bereichen der medizinischen Unterversorgung gut und richtig, kann aber zu unerwünschten Konzentrationsprozessen führen. Dieser Konzentrationsprozess führt dazu, dass in Hamburg immer mehr niedergelassene Ärzte ihre Kassenzulassung an die Betreiber der MVZ verkaufen und sich lieber in MVZ anstellen lassen, als weiter selbständig zu arbeiten. Dieser Vorgang führt aber auch dazu, dass die Sicherstellung der medizinischen Versorgung in einigen Stadtteilen nur noch unter Schwierigkeiten gewährleistet werden kann.
Der Senat hat hier als Aufsichtsbehörde eine besondere Fürsorgepflicht gegenüber der Hamburger Bevölkerung, gleiche Lebensbedingungen in allen Stadtteilen zu gewährleisten.
Zugleich wird eine Auswirkung der Krankenhausfinanzierung deutlich. Die Krankenhäuser sind betriebswirtschaftlich auf möglichst hohe Fallzahlen angewiesen. Nach einem Bericht in der Hamburger Morgenpost gibt es Hinweise, dass Krankenhäuser versucht haben mit „Kopfgeldern“ Einfluss auf die Einweisungspraxis zu nehmen. Die MVZ mit ihrem deutlich größeren Patientenstamm wären noch interessantere Ansprechpartner insbesondere, wenn diese selbst von den Krankenhäusern betrieben werden.
Vor diesem Hintergrund fragen wir den Senat:
1. Wie viele Medizinische Versorgungszentren gibt es zurzeit in Hamburg?
a. In welchen Stadtteilen liegen diese Zentren?
b. Wer ist Träger der einzelnen Zentren (aufgelistet nach einzelnen Zentren)?
c. Wie viele Ärzte werden in diesen Zentren beschäftigt (aufgelistet nach den einzelnen Zentren)?
d. Wie viele Ärzte davon sind im Angestelltenverhältnis (aufgelistet nach einzelnen Zentren) beschäftigt?
e. In welchen Rechtsformen sind die MVZ organisiert (aufgelistet nach einzelnen Zentren)?


2. Welche Facharztgruppen sind mit welcher Häufigkeit in den Zentren vertreten?
3. Wie haben sich seit dem 01.01.2004 die Zulassungen der folgenden Ärztegruppen: Allgemeinmediziner, Ärzte für Innere Medizin, Augenärzte, Kinderärzte und Hautärzte jeweils in den Hamburger Stadtteilen entwickelt (bitte auflisten nach einzelnen Stadtteilen)?
4. Die Zahl der MVZ in Hamburg wird weiter zunehmen
a. In welchen Stadtteilen werden die vom Klinikbetreiber Asklepios geplanten weiteren 10-12 Zentren angesiedelt sein?
b. Gibt es weitere Planungen des UKE, medizinische Versorgungszentren in Hamburg einzurichten? Wenn ja, in welchen Stadtteilen werden diese liegen und welche medizinischen Schwerpunkte werden diese haben?
c. Gibt es weitere Planungen anderer Krankenhäuser medizinische Versorgungszentren in Hamburg einzurichten? Wenn ja, in welchen Stadtteilen werden diese liegen und welche medizinischen Schwerpunkte werden diese haben?
d. Gibt es weitere Planungen der Krankenkassen medizinische Versorgungszentren in Hamburg einzurichten? Wenn ja, von welcher Krankenkasse? In welchen Stadteilen werden diese Zentren liegen und welche medizinischen Schwerpunkte werden diese haben?
5. Steuernde Eingriffe
a. Gibt es Hinweise, dass Krankenhäuser versuchen, mit unlauteren Methoden wie zum Beispiel „Kopfprämien“ auf die Einweisungspraxis von niedergelassenen Ärzten bzw. MVZ Einfluss nehmen?
b. Wenn ja, welche Hinweise gibt es?
c. Gibt es Kooperationen zwischen MVZ und bestimmten Krankenhäusern?
d. Sind Kooperationen zwischen MVZ und Apotheken, Sanitätshäusern, Krankengymnasten und Pflegediensten geplant?
6. Entwicklung des Kaufpreises für Kassenpraxen
a. Sind die Kaufpreise für Kassenarztsitze in Hamburg in letzter Zeit gestiegen?
b. Wenn ja, um wie viel Prozent?
7. Sicherstellung einer flächendeckenden vertragsärztlichen Versorgung
a. Was hat der Senat bzw. die zuständige Fachbehörde unternommen, um diesen Konzentrationsprozessen entgegenzuwirken und eine einheitliche gesundheitliche Versorgung in den Hamburger Stadtteilen sicherzustellen?

Ansprechpartner

Elke Badde

  • Fachsprecherin / Fachsprecher Arbeitsmarkt und Berufsbildung

Anja Domres

  • Fachsprecherin / Fachsprecher

Monika Schaal

  • Fachsprecherin / Fachsprecher Umwelt und Energie

Martin Schäfer

  • Fachsprecherin / Fachsprecher Gesundheit und Verbraucherschutz

Wolfgang Rose

  • Fachsprecherin / Fachsprecher Koordinator für die Kontakte mit den Gewerkschaften

Referent/in

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