Gefahr von Einsturzbeben im Hamburger Westen: Wie realistisch wäre die Entstehung eines Riesenkraters wie aktuell in Thüringen?

Donnerstag, 04.11.2010, Drucksache 19/7747

Antwort des Senats: Parlamentsdatenbank

Kleine Anfrage der Abgeordneten Martina Koeppen, Anne Krischok

Auch dort war ein Salzstock Mitverursacher einer Beinahe-Katastrophe!
Welche Konsequenzen hat dies für den Senat?

Unsere parlamentarischen Nachfragen zur Gefahr von Einsturzbeben im Hamburger Westen (vgl. Drucksache 19/6773 und 19/6906) behandeln ein Thema, das leider jüngst wieder Aktualität erreicht hat: Im thüringischen Schmalkalden hat ein entsprechendes Einsturzbeben ein 30 mal 30 Meter großes und 20 Meter tiefes Loch aufgerissen. Wie durch ein Wunder wurde niemand verletzt: Allerdings mussten mehrere Häuser evakuiert werden.
Mittlerweile steht fest, dass dieser Krater nicht durch bergmännische Tätigkeiten verursacht worden ist, sondern unterhalb der Erdoberfläche ein Hohlraum in sich zusammengebrochen ist. Verursacht wurde dies dadurch, dass salzhaltige Schichten durch Kontakt mit Grundwasser ausgewaschen wurden, so dass es anschließend zu entsprechenden Bodenbewegungen gekommen ist.
Die Parallele zu Hamburg ist frappierend: Auch auf unsere Anfragen führte der Senat aus, dass sich unter Hamburg mehrere Salzstöcke befinden. Wäscht Sickerwasser das unter der Erde liegende Material aus, kann dieses nachgeben. Bodenabsackungen und im Extremfall kleine Erdbeben wären die Folge. Nachdem im schleswig-holsteinischen Quickborn Teile eines Spielplatzes 80 Zentimeter tief im Boden versanken, weil der Hohlraum eines darunter liegenden Salzstocks einstürzte, haben die aktuellen Medienberichte die Bevölkerung verunsichert.
Daher fragen wir den Senat:
1.) Aus welchen Gründen kam es nach Kenntnis der zuständigen Behörden in Thüringen zum besagten Einsturzbeben?

2.) Kann der Senat ausschließen, dass es in Hamburg zu einem vergleichbaren Einsturzbeben wie dem in Thüringen kommen kann? Wenn ja, warum? Wenn nein, warum nicht?

3.) Wie wurde bei den bisherigen Risikobewertungen der Umstand berücksichtigt, dass komplexe geologische Dynamiken etwa durch Wassereintritte, Temperaturschwankungen und unterschiedliche Lastveränderungen die Gefahr von Einsturzbeben mit beeinflusst?

4.) Gibt es von den zuständigen Behörden Evakuierungspläne bzw. Katastrophenschutzpläne für eine Reaktion auf entsprechende Einsturzbeben? Wenn ja, wie sehen diese aus und von welcher Behörde werden diese federführend erarbeitet und begleitet? Wenn nein, warum nicht?

5.) Haben sich die zuständigen Behörden zum Thema „Einsturzbeben“ mit den Behörden der Nachbarländer abgestimmt, um Erkenntnisse auszutauschen sowie etwaiges Vorgehen abzustimmen?

6.) Gibt es zu diesem Thema eine innerbehördliche Arbeitsgruppe? Wenn ja, von welchen Behörden und mit welchem Arbeitsauftrag? Wenn nein, warum nicht?

7.) Sind den zuständigen Behörden neben dem Forschungsprojekt "Hamburg - ein dynamischer Untergrund", das von der Universität Hamburg und der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt umgesetzt wurde, weitere Untersuchungen und Abhandlungen zu diesem Thema bekannt? Wenn ja, welche und mit welchem Inhalt? Bitte ausführen.

Ansprechpartner

Martina Koeppen

  • Fachsprecherin / Fachsprecher Stadtentwicklung

Anne Krischok

Referent/in

Dokumente

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