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Sicherung von Ausbildungskapazitäten für technische Berufe bei Stromnetz Hamburg durch Einrichtung eines Ausbildungszentrums auf dem Betriebshof von Stromnetz Hamburg GmbH

Freitag, 22.01.2016, Drucksache 21/

Antrag der Abgeordneten Monika Schaal, Andreas Dressel, Ole Thorben Buschhüter, Anne Krischok, Gert Kekstadt, Jens-Peter Schwieger, Annegret Kerp-Esche, Gulfam Malik, Hauke Wagner und Fraktion sowie der Abgeordneten Ulrike Sparr, Dr. Stefanie von Berg, Christiane Blömeke, Martin Bill, Murat Gözay (GRÜNE) und Fraktion

Stromnetz Hamburg GmbH sorgt für eine sichere und zuverlässige Stromversorgung der Stadt. Über das Verteilnetz werden rund 1,1 Mio. Haushalte und Gewerbetreibende mit Strom versorgt. Stromnetz Hamburg GmbH stellt für die Stromkunden den Anschluss und für Stromanbieter den Zugang zum Netz zur Verfügung und sorgt mit Investitionen und Innovationskraft dafür, dass das Verteilnetz im Zuge der Energiewende den steigenden Anforderungen gewachsen und leistungsfähig bleibt. Um ihren Aufgaben heute wie morgen nachkommen zu können, braucht unsere Netzbetreiberin qualifizierte Arbeitskräfte. Fachkräftesicherung ist daher auch bei der Stromnetz Hamburg GmbH ein wichtiges Thema.
Die Erfahrung zeigt heute, dass das Angebot an qualifizierten Kräften im Bereich Elektrotechnik und Kraftwerkstechnik über den Arbeitsmarkt nur schwer zu decken ist. Der Arbeitsmarkt in Hamburg ist derzeit sowohl durch einen Mangel an technischen Qualifikationen als auch durch den demografischen Wandel geprägt. Unternehmen, die schwerpunktmäßig in einem technisch geprägten Umfeld agieren, sind von dieser Situation ganz besonders betroffen. Begeisterung und Ausbildung junger Menschen für technische Berufe sind daher nicht nur wichtige Instrumente, um Nachwuchskräfte für das eigene Unternehmen zu sichern, sondern auch, um dem Mangel an technischen Qualifikationen auf dem Hamburger Arbeitsmarkt zu begegnen.
Derzeit findet die Ausbildung für technische und kaufmännische Ausbildungsberufe im Vattenfall-Bildungszentrum in Hamburg-Bramfeld statt, in dem neben Auszubildenden der seit 2014 städtischen Stromnetz Hamburg GmbH auch die der Vattenfall Wärme Hamburg GmbH betreut werden, die perspektivisch ebenfalls in städtischen Besitz übergehen wird.
Nach der Herauslösung aus dem Vattenfall-Konzern zahlt Stromnetz Hamburg GmbH pro Auszubildenden eine hohe Vergütung für die Ausbildungsleistung im Vattenfall-Bildungszentrum. Auch nach Übernahme der Wärme Hamburg GmbH durch die Freie und Hansestadt Hamburg würden die Ausbildungskosten für die dann städtische Gesellschaft Wärme Hamburg GmbH nicht sinken. Grund dafür sind die verhältnismäßig hohen Betriebskosten und die geringe Flächeneffizienz. So steht für die Ausbildung in dem jetzigen Vattenfall-Ausbildungszentrum am Moosrosenweg mehr Fläche zur Verfügung als tatsächlich genutzt werden kann. Um auch langfristig eine hochwertige, aber auch bezahlbare Ausbildung in technischen Berufen in Hamburg zu gewährleisten, gibt es bei Stromnetz Hamburg GmbH erste Überlegungen zum Aufbau eines eigenen technischen Kompetenzzentrums in Bramfeld auf dem Betriebshof der Stromnetz Hamburg GmbH. Dort sollen Kapazitäten für mindestens 100 Auszubildende geschaffen werden.
Dadurch soll der Bedarf an Fachkräften der Stromnetz Hamburg GmbH, der Vattenfall Wärme Hamburg GmbH und später der Wärme Hamburg GmbH sowie auch der Bedarf an Fachkräften anderer öffentlicher Unternehmen und deren Dienstleister durch die technische Ausbildung am Standort Bramfeld gedeckt werden. Das Kompetenzzentrum soll ganz gezielt den zukünftigen Bedarf an qualifiziertem Personal aus den Bereichen Kraftwerkstechnik und Elektrotechnik bedienen. Für Berufe in diesen Bereichen halten andere Unternehmen in Hamburg keine bzw. keine dem Bedarf entsprechenden Kapazitäten vor.
Vor dem Hintergrund der aktuellen Zuwanderung bietet es sich an, auch jugendlichen Migrantinnen und Migranten Ausbildungs- bzw. Integrationsangebote zu machen.
Vor diesem Hintergrund möge die Bürgerschaft beschließen:
Der Senat wird aufgefordert,
1. die Ausbildung für technische Berufe am Standort Bramfeld langfristig zu sichern;
2. die Stromnetz Hamburg GmbH zu ersuchen, ein entsprechendes Ausbildungskonzept zu entwickeln und vorzulegen, das
a. ein Ausbildungszentrum für technische Berufe auf dem Betriebshof der Stromnetz Hamburg GmbH in Bramfeld vorsieht und
b. die Grundlage für eine Ausbildungs-Kooperation zwischen öffentlichen Unternehmen mit ähnlichem Bedarf an technisch ausgebildeten Nachwuchskräften im Bereich Kraftwerkstechnik und Elektrotechnik legt;
3. Stromnetz Hamburg zu bitten,
a. Vorschläge zu entwickeln, wie bei einer ausreichenden Zahl von Jugendlichen Interesse und Begeisterung für eine Ausbildung in technischen Berufen, speziell der Elektrotechnik und Kraftwerkstechnik geweckt werden könnte, dabei auch Praktikumsplätze für die Berufs- und Studienorientierung (BoSo) zur Verfügung zu stellen;
b. zu prüfen, inwieweit die Integration bzw. Integrationsausbildungsplätze für jugendliche Zuwanderer sowie Ausbildungsvorbereitung für Migranten (AV-M) in das Konzept des technischen Kompetenzzentrums integriert werden können, und
4. über die Umsetzung und Planung des Konzeptes bis 31.10.2016 der Bürgerschaft Bericht zu erstatten.
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