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Fehmarnbelttunnel lässt Hamburg und Skandinavien enger zusammenrücken

Sonntag, 09.11.2014

Am vergangenen Freitag befasste sich der Europaausschuss der Hamburgischen Bürgerschaft in einer Expertenanhörung mit dem aktuellen Stand zum Bau der festen Fehmarnbeltquerung. Der geplante 17,6 Kilometer lange Straßen- und Eisenbahntunnel soll ab 2015 gebaut werden und 2021 Norddeutschland und Dänemark miteinander verbinden. Der Fehmarnbelttunnel sowie die dazugehörige Hinterlandanbindung durch Schleswig-Holstein bis nach Hamburg sind Teil eines der vorrangigen EU-Vorhaben zum Ausbau der Transeuropäischen Verkehrsnetze, die von der Kommission besonders gefördert werden.

Sabine Steppat, europapolitische Sprecherin der SPD-Bürgerschaftsfraktion: "Die Expertinnen und Experten haben uns bestätigt, dass der Fehmarnbelttunnel und der dazugehörige Ausbau der Infrastruktur in Schleswig-Holstein und Hamburg große Chancen für die gesamte Region bieten. Der Tunnel wird direkte Arbeitsplatzeffekte sowohl in der Planungs- und Produktions- als auch in der Betriebsphase haben. Das führt einerseits zu Chancen für Hamburger Firmen und kann andererseits dazu dienen, dass Fachkräfte aus dem skandinavischen Raum nach Hamburg kommen. Perspektiven ergeben sich auch für den Tourismus. Wenn sich die Fahrtzeit mit dem Zug zwischen Hamburg und Kopenhagen auf zweieinhalb Stunden verkürzt, dann – so die Progonose – wird das gerade auch für den Tagestourismus positive Effekte haben. Aber auch die gemeinsame Akquise Hamburgs und Kopenhagens von zahlungskräftigen Touristen aus Übersee könnte weiter ausgebaut werden. Die feste Fehmarnbeltquerung stimuliert die grenzüberschreitenden Beziehungen nicht nur in wirtschaftlicher Hinsicht, auch Bereiche wie Wissenschaft und Forschung sowie die kulturelle Zusammenarbeit könnten profitieren. Es wird – so die Prognose der Expertinnen und Experten – zu einer stärkeren Vernetzung auf vielen Ebenen kommen."

In der Anhörung spielte auch der erwartete Schienengüterverkehr von und nach Skandinavien und der Ausbau der Strecke Hamburg-Ahrensburg-Bad Oldesloe (Projekt S 4) eine Rolle. Ole Thorben Buschhüter, Verkehrsexperte der SPD-Bürgerschaftsfraktion und Vorsitzender des Verkehrsausschusses: "Die feste Fehmarnbeltquerung verkürzt den Weg für den Schienengüterverkehr um rund 160 Kilometer im Vergleich zur Jütland-Route und stärkt die Schiene damit im Vergleich zur Straße. Eine Führung des Schienengüterverkehrs von und nach Skandinavien über Lübeck eröffnet aber auch die Chance, dass Güterzüge, die Hamburg nicht als Ziel oder Quelle haben, nicht mehr durch Hamburg durchfahren müssen, sondern zum Beispiel über Bad Kleinen und Schwerin Richtung Osten und Süden geleitet werden können. Diese Möglichkeit besteht bei der derzeitigen Linienführung über Flensburg und Neumünster nicht. Zudem erfährt das Projekt S4, die lang ersehnte S-Bahn auf eigenen Gleisen von Hamburg nach Ahrensburg und Bad Oldesloe, zusätzlichen Schub durch die Fehmarnbeltquerung. Durch die Verlagerung der Regionalbahn-Züge auf die S-Bahn-Gleise wird auf den Fernbahngleisen Kapazität frei für Fern- und Güterzüge, weshalb sich die EU mit 14,6 Millionen Euro an den auf rund 32 Millionen Euro veranschlagten Kosten der aktuell laufenden Entwurfs- und Genehmigungsplanung für den Bau der S 4 beteiligt. Der Umkehrschluss ist allerdings falsch: Ohne feste Fehmarnbeltquerung und ohne Beteiligung der EU sind für den Bau der S 4 gleichwohl zwei zusätzliche Gleise bis Ahrensburg erforderlich, weil nur so ein dichter 10-Minuten-Takt gefahren werden kann. Es ist deshalb nicht richtig, das Projekt S 4 und die Fehmarnbeltquerung gegeneinander auszuspielen. Dies wurde auch in der Anhörung deutlich. Auch aus verkehrspolitischer Sicht ist die geplante Fehmarnbeltquerung daher ein Gewinn für Hamburg."
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