Immunologisches Biomarkerlabor am Fraunhofer ITMP-ScreeningPort ausbauen

Mittwoch, 05.05.2021, Drucksache 22/

Antrag der Abgeordneten Annkathrin Kammeyer, Sven Tode, Isabella Vértes-Schütter, Astrid Hennies, Vanessa Mohnke, Claudia Loss, Nils Springborn, Philine Sturzenbecher und Fraktion sowie der Abgeordneten Miriam Block, Maryam Blumenthal, Sina Demirhan, René Gögge, Farid Müller, Ivy May Müller, Peter Zamory (GRÜNE) und Fraktion

In der Gesundheitsforschung besteht nicht zuletzt seit Beginn der SARS-CoV-2 Pandemie ein hoher Bedarf an neuen Konzepten und Technologien, welcher sich in der aktuellen Krisensituation mit einer hohen Innovationsdynamik manifestiert. Eine rasch fortschreitende Technisierung der Medizin ist für die Gesellschaft in Deutschland, Europa und weltweit erforderlich. In wirtschaftlicher Perspektive sind insbesondere technologiegetriebene Innovationen für die Gesundheitsversorgung notwendig, um das deutsche Innovationssystem nachhaltig zu stärken und langfristig wirksame Wertschöpfungspotenziale zu erschließen.
In Hamburg betreibt Fraunhofer erfolgreich den ITMP-ScreeningPort, der im Bereich der pharmazeutischen Wirkstoffsuche eine Brücke zwischen der Grundlagenforschung an Krankheitsursachen und der Entwicklung von Medikamenten durch Pharmaunternehmen bildet. Mit der Infrastruktur zum Wirkstoffscreening, etablierten Prozessen und innovativen Technologien hat sich der ScreeningPort als eine der weltweit führenden internationalen Einrichtung für das Screening von kleinen Molekülen für akademische Targets positioniert.
Die Beiträge der Fraunhofer-Gesellschaft zur Bewältigung der Pandemie demonstrieren die Leistungsfähigkeit und Charakteristik der Fraunhofer-Gesundheitsforschung. Gleichzeitig zeigen sich aber auch bislang ungenutzte Potenziale, die durch stärkeres Engagement der Fraunhofer-Gesellschaft in der Gesundheitsforschung – speziell in der Immunforschung – erschlossen werden könnten. Fraunhofer hat in einem organisationsweiten Strategieprozess institutionelle Portfoliolücken in der Immunforschung identifiziert.
Immunvermittelte Erkrankungen stellen eine gesellschaftlich und ökonomisch hochrelevante Gruppe von Erkrankungen dar. Eine Fehlregulation des Immunsystems ist ursächlich für eine Vielzahl verschiedenster Erkrankungsbilder, die alle Organsysteme des Menschen betreffen können. Die Gruppe der Immunerkrankungen umfasst dabei viele verwandte Krankheiten wie etwa entzündlich-rheumatische Erkrankungen, entzündliche Hauterkrankungen, entzündliche Darmerkrankungen, neuroimmunologische Krankheiten, Allergien, aber auch Infektionen. In der Folge können chronische Entzündungen langfristig die Entstehung sekundärer Folgekrankheiten wie beispielsweise Krebs- oder Herz-Kreislauferkrankungen fördern. Am Beispiel der aktuellen SARS-CoV2-Pandemie lässt sich deutlich aufzeigen, dass eine überschießende Immunantwort höchstwahrscheinlich eine wesentliche Ursache für schwere bis schwerste Verläufe bei COVID-19-Patient*innen darstellt. Der hohe Forschungsbedarf zum besseren Verständnis der Wechselwirkungen zwischen Infektionskrankheiten und dem Immunsystem ist deshalb mehr als offenkundig und für die Prävention und Bewältigung weiterer Pandemien von essentieller Bedeutung.
Im November 2020 hat der Haushaltsausschuss des Bundestages für den Ausbau der Immunologie-, Infektions- und Pandemieforschung in der Fraunhofer-Gesellschaft im Zeitraum 2021 bis 2024 Bundesmittel in Höhe von insgesamt 100,7 Millionen Euro (67,5 Millionen Euro für Betrieb und 33,2 Millionen Euro für Investitionen) bewilligt. Davon sind vorbehaltlich der Zusage einer Kofinanzierung durch Hamburg 5 Millionen Euro für den Ausbau des Biomarkerlabors am Fraunhofer ITMP-ScreeningPort vorgesehen. Biomarker spielen eine herausgehobene Bedeutung bei der präzisen Diagnose von Erkrankungen.
Der Ausbau des ITMP-Standorts Hamburg im Bereich Immunbiomarker würde exzellente Voraussetzungen schaffen, zukünftig eine Spitzenstellung im Bereich der Biomarker-Forschung einzunehmen und der Freien und Hansestadt Hamburg zu einer günstigeren Positionierung innerhalb des dynamischen Ausbaufeldes der angewandten Gesundheitsforschung verhelfen. Neben positiven Wirkungen auf den Wissenschaftsstandort Hamburg durch verstärkte Beiträge zur Lehre und Ausbildung verspricht das Vorhaben wichtige Impulse für die Biotech- und Pharmabranche. Hamburg sollte die Chance für den Ausbau des ITMP daher unbedingt wahrnehmen.

Die Bürgerschaft möge beschließen:

Der Senat wird ersucht,
1. für den Ausbau des Biomarkerlabors am Fraunhofer ITMP-ScreeningPort per Sollübertragung im Haushaltsjahr 2021 1.425.000 Euro und im Haushaltsjahr 2022 425.000 Euro aus der „Allgemeinen Zentralen Reserve“ der Produktgruppe 283.02 „Zentrale Ansätze II“ des Einzelplans 9.2 dem Einzelplan 3.2, Produktgruppe 249.02 „Förderung gemeinsam finanzierter Einrichtungen“, Kontenbereich „Kosten für Transferleistungen“ zur Verfügung zu stellen.
2. für die Haushaltsjahre 2023 bis 2025 in den Eckwertplanungen einen Betrag in Höhe von 800.000 Euro p. a. für den Ausbau des Biomarkerlabors am Fraunhofer ITPM-Screening Port entsprechend der bestehenden Veranschlagungssystematik im Einzelplan 3.2 zu berücksichtigen.
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