Neues Abitur: Mehr Stress für Lehrer, mehr Schummel-Chancen für Schüler

Donnerstag, 28.10.2010, Drucksache 19/7681

Antwort des Senats: Parlamentsdatenbank

Kleine Anfrage des Abgeordneten Ties Rabe

Mit dem Schuljahr 2010 / 2011 wurde das mündliche Abitur neu geregelt. Der Neuregelung führt zu einer erheblichen Mehrbelastung der Lehrerinnen und Lehrer.
Bislang wurde der Themenbereich für die mündliche Abiturprüfung im Vorfeld der Prüfung sehr weitläufig mit dem Schüler abgesprochen. Das eigentliche Prüfungsthema erfuhren die Schülerinnen und Schüler dann in der Regel wenige Minuten vor der mündlichen Abiturprüfung. Aufgrund der unmittelbar aufeinander folgenden Einzelprüfungen konnten bis zu drei Schülerinnen und Schüler mit dem selben Themenkomplex geprüft werden. Für neun Prüflinge mussten die Prüfer – bei günstiger Terminierung der Prüfungen - daher beispielsweise nur drei Themenkomplexe vorbereiten.
Die neuen Regelungen sehen dagegen eine so genannte Präsentationsprüfung vor. Danach erhalten die Schülerinnen und Schüler Wochen vor der Prüfung ihr Prüfungsthema. In der mündlichen Abiturprüfung sollen sie dieses Thema dann zunächst medial präsentieren, danach findet ein Prüfungsgespräch statt. Diese Neuregelung führt zu einer erheblichen Mehrbelastung der Prüfer und zieht weitere Folgen nach sich, an die bei der Abfassung offensichtlich nicht gedacht wurde.
Aufgrund der neuen Regelung können nicht mehr wie bisher mehrere Schülerinnen und Schüler mit dem gleichen Themenkomplex geprüft werden. Stattdessen muss für jeden Schüler ein einzelnes Thema gestellt werden. Dadurch verdreifacht sich der Prüfungsaufwand für die Prüfer, müssen sie doch drei Mal so viele Themen vorbereiten. Da die Prüfer für jedes Thema umfangreiche Vorarbeiten anfertigen und schriftlich einen so genannten Erwartungshorizont erarbeiten müssen, bedeutet das eine erhebliche Mehrarbeit.
Aufgrund der vielfältigen Kommunikation zwischen den Hamburger Schülern (Internet, Schüler-VZ etc.) ist darüber hinaus zu erwarten, dass die Schüler ihre Abiturthemen schulübergreifend untereinander austauschen und vorbereiten werden. Eine Bewertung der individuellen Leistung der Schüler ist deshalb nur noch möglich, wenn es den Prüfern gelingt, für jeden Hamburger Schüler ein unverwechselbares und nicht austauschbares Prüfungsthema zu finden. Was im ersten Jahr bei rund 8.000 Hamburger Abiturienten noch möglich scheint, wird in den Folgejahren immer schwieriger, da die bereits gestellten Themen nur mit erheblichem zeitlichen Abstand wieder aufgegriffen werden können. In Schülerforen im Internet wird schon jetzt länderübergreifend der Austausch von Themen diskutiert. Das schränkt den Spielraum noch stärker ein.

Deshalb frage ich den Senat:
1. Wie viel Arbeitszeit müssen Lehrer nach Einschätzung des Senats für Vorbereitung und Durchführung von drei mündlichen Abiturprüfungen alter Form leisten? Bitte genauer aufschlüsseln.
2. Wie viel Arbeitszeit müssen Lehrer nach Einschätzung des Senats für Vorbereitung und Durchführung von drei mündlichen Abiturprüfungen neuer Form leisten? Bitte genauer aufschlüsseln.
3. Wie wurde die Arbeitszeit für Vorbereitung und Durchführung des mündlichen Abiturs alter Form bisher beim Lehrerarbeitszeitmodell berücksichtigt?
4. Ist aufgrund der veränderten Prüfungsanforderungen eine Überarbeitung des Lehrerarbeitszeitmodells geplant?
5. Wenn ja, wie soll die Arbeitszeit für Vorbereitung und Durchführung des mündlichen Abiturs neuer Form künftig beim Lehrerarbeitszeitmodell berücksichtigt werden? Wenn nein, warum nicht?
6. Wie will der Senat sicherstellen, dass die Schüler künftig ihre mündlichen Abiturthemen nicht schulübergreifend austauschen und vorbereiten?
7. Wie will der Senat sicherstellen, dass die Schüler künftig ihre mündlichen Abiturthemen nicht länderübergreifend austauschen und vorbereiten?
8. Welchen zeitlichen Abstand hält der Senat künftig für die Wiederverwendung früherer Themen für angemessen?
9. Welchen zeitlichen Abstand galt bisher für die Wiederverwendung früherer Themen?

Ansprechpartner

Ties Rabe

  • Fachsprecherin / Fachsprecher Schule

Referent/in

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Antwort des Senats

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