zu Drs. 21/15987 Neues Sportzentrum Hoheluft – Realisierung des quartiersbezogenen multifunktionalen Sportzentrums Hoheluft am Lokstedter Steindamm

Mittwoch, 27.02.2019, Drucksache 21/

Antrag der Abgeordneten Monika Schaal, Dirk Kienscherf, Jenspeter Rosenfeldt, Sören Schumacher, Juliane Timmermann, Olaf Steinbiß, Annkathrin Kammeyer, Urs Tabbert, Hendrikje Blandow-Schlegel, Uwe Giffei, Annegret Kerp-Esche, Milan Pein, Marc Schemmel, Güngör Yilmaz, Jasmin Janzen und Fraktion sowie der Abgeordneten Christiane Blömeke, Martin Bill, Anna Gallina, Murat Gözay, Farid Müller (GRÜNE) und Fraktion

Hamburg ist attraktiv und lebenswert. Damit dies so bleibt, ist es unerlässlich, im Zuge des anhaltenden Wachstums Hamburgs eine qualifizierte und wohnortnahe Infrastruktur mit zu entwickeln. Das geplante Sportzentrum Hoheluft wird in diesem Zusammenhang in einem erheblichen Maße zu einer lebendigen Quartiersentwicklung beitragen. Mit der Bereitstellung von Planungsmitteln für das neue Sportzentrum am Lokstedter Steindamm mit der Drs. 21/12497 haben die Fraktionen von SPD und GRÜNEN die Grundlage dafür geschaffen, dass durch ein solides Bauvorhaben an der Grenze der Bezirke Hamburg-Nord und Eimsbüttel bauliche und räumliche Potenziale zukunftsbewusst genutzt werden.
Hamburg wurde im Herbst 2018 von der internationalen Active-Wellbeing-Initiative als Global Active City zertifiziert. Die Verleihung des Labels erfolgte durch den Präsidenten des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), Herrn Thomas Bach. Sport und Bewegung werden in Planungsprozessen damit an Bedeutung gewinnen. Das Projekt Sportzentrum Hoheluft des Eimsbütteler Turnverbandes (ETV) bettet sich hierbei in diese Strategie für eine lebenswerte Stadt vorbildlich ein und hat die Chance, einen neuen identitätsstiftenden urbanen Raum zu prägen.
Das Einzugsgebiet des neuen Sportzentrums befindet sich zwischen den Kerngebieten der Bezirke Eimsbüttel und Hamburg-Nord sowie deren Urbanisierungszonen. In der Region sind zahlreiche Wohnungsbauvorhaben zum Teil bereits fertiggestellt oder in der Umsetzung und Planung. Dazu zählen unter anderem in Lokstedt die Stadtgärten am Veilchenweg, Lokstedt 360° sowie der Süderfeldpark, in Groß Borstel das Tarpenbeker Ufer, in Eimsbüttel die Nachverdichtung mit Neubauten an der Hoheluftchaussee, die Julius-Vosseler-Siedlung am Lenzweg und in Eppendorf die Osterfeldstraße. Insgesamt werden in den aufgeführten Stadtteilen in naher Zukunft über 3.000 Wohneinheiten neu entstehen.
Hinzu kommt in den betreffenden Stadtteilen in den Bezirken Eimsbüttel und Hamburg-Nord eine Vielzahl an weiteren Potenzialflächen, die sich zurzeit in Vorbereitung befinden. In Lokstedt sind diese Flächen unter anderem rund um den Siemersplatz, in der Stresemannallee, dem Lohkoppel- und Rimbertweg sowie auf der Lokstedter Höhe. Die ermittelten Potenzialflächen in Lokstedt kommen insgesamt auf rund 1.600 Wohneinheiten. In den Stadtteilen Eimsbüttel und Hoheluft-West gibt es 29 Potenzialflächen mit ca. 540 zusätzlichen Wohneinheiten. Hinzu kommt in Eimsbüttel das neue Stadtquartier an der Unna- und Quickbornstraße. In unmittelbarer Nähe zu dem neuen Sportzentrum sind kleinere Flächen an der Hoheluftchaussee und der Gärtnerstraße mit (rückwärtigem) Bebauungspotenzial, sowie im Eppendorfer Weg und dem Generalsviertel.
Neben dem 118.000 Quadratmeter großen Areal am Tarpenbeker Ufer in Groß Borstel, das 750 Wohneinheiten umfasst, existieren auch im Bezirk Hamburg-Nord in Eppendorf Wohnbauflächenpotenziale, die höchstens einen Kilometer von dem geplanten Sportzentrum entfernt liegen. Dazu gehören Flächen östlich des Eppendorfer Parks sowie in der Martinistraße, dem Salomon-Heine-Weg und auf der Meenkwiese mit Baupotenzial von rund 300 Wohneinheiten.
Rechnet man diese kleineren Neubauprojekte und Wohnungsbaupotenziale in den fünf Stadtteilen hinzu, werden vermutlich etwa 10.000 Menschen mehr in dem Einzugsbereich zwischen Siemersplatz und U-Bahn Hoheluftbrücke bzw. Alsterlauf und Beiersdorf leben. Damit wächst die Nachfrage nach nahe am Wohnort liegenden Freizeitgelegenheiten, aber auch nach Kinderbetreuungsplätzen, so dass die geplante Anlage eine notwendige und passgenaue Erweiterung der sozialen Infrastruktur vor Ort darstellt.
Vor diesem Hintergrund passt sich das geplante Sportzentrum des Eimsbütteler Turnverbandes (ETV) in die Quartiersentwicklung der Bezirke Eimsbüttel und Hamburg-Nord ein. Das sanierte und zu einem multifunktionalen Sport-, Gesundheits- und Bildungszentrum ausgebaute Areal an der Magistrale Lokstedter Steindamm kann dabei eine Scharnierfunktion zwischen den Stadtteilen Lokstedt, Eppendorf, Groß-Borstel, Eimsbüttel und Hoheluft übernehmen. Die Bürgerinnen und Bürger dieser Stadtteile erhalten durch die neue Anlage einen barrierefreien Sport-, Bildungs- und Gesundheitspark in zentraler Lage, der mit einer attraktiven Außenfläche ganzjährig eine hohe Aufenthaltsqualität bieten wird.
Die Planungen sehen unter anderem eine Bewegungskita mit Krippenbereich für 120 Kinder, Räume für Gymnastik und Wellness, eine Boulderanlage, ein Fitnesscenter, Dachnutzung sowie Konferenz- und Verwaltungsräume vor. Zusätzlich dazu sind eine Kinderbewegungslandschaft und Sportgastronomie mit 70 Plätzen geplant. Eine variable Nutzung der Räume durch unterschiedliche Zielgruppen ermöglicht eine effektive Kapazitätsauslastung. Ein Teil der Dachfläche wird mit einer extensiven Begrünung versehen sein. Eine Photovoltaikanlage ist in Prüfung. Ergänzt wird die Maßnahme durch die neu geordneten und sanierten Tennisplätze sowie die umfassend sanierte Außenanlage. Mit dem Universitätskrankenhaus Eppendorf (UKE) laufen Gespräche über eine Kooperation vor Ort. Die Sanierung und Umgestaltung des Areals mit den angeführten Bewegungsangeboten entspricht den zu erwartenden Ansprüchen an Sportstätten vor dem Hintergrund des demografischen Wandels.
Der ETV ist einer der größten Sportvereine Hamburgs. Der Verein hat ein solides Mitgliederwachstum und ist auch auf Grund seiner Größe gut als Bauherr geeignet. Der Verein ist traditionell vor Ort verankert. Die Anlage am Lokstedter Steindamm befindet sich auf einer Sportrahmenvertragsfläche. Die Fläche ist dem ETV bis 2051 überlassen worden. Für die geplante Anlage ist eine 50-jährige Bindungsfrist vorgesehen.
Das neue Sportzentrum verfügt ferner über eine hervorragende öffentliche Verkehrsanbindung. Es ist direkt über die Bushaltestellen Veilchenweg sowie die Metrobuslinie 5 und Buslinie 281 erreichbar. Mittelfristig wird es mit der U5 eine direkte U-Bahnanbindung in der unmittelbaren Umgebung geben. Die Machbarkeitsuntersuchung für die U5 wurde durch den Senat Anfang 2019 vorgestellt und das Bürgerbeteiligungsverfahren für den Teilabschnitt begann am 8. Februar 2019 im UKE.
Geplant ist ein dreigeschossiger Neubau verbunden mit einer umfassenden Sanierung des Areals. Der Bau soll parallel zum Lokstedter Steindamm entstehen und schützt mit dem Baukörper den dahinter liegenden sanierten Sport- und Freizeitpark vor Straßenlärm. Durch die längsseitige Ausrichtung und bei einer Höhe von 13,95 m über Straßenniveau (ohne Staffelgeschoss), wird durch das neue Sportzentrum eine städtebauliche Landmarke am Lokstedter Steindamm entstehen. Im Untergeschoss sollen 76 Stellplätze, 3 Behindertenstellplätze und 22 Fahrradstellplätze entstehen. Für Elektro PKWs und E- Bikes sind jeweils zwei Ladestationen geplant.
Der ETV wird das, im Übrigen weitgehend unversiegelte, Areal mit Außengastronomie für die Bürgerinnen und Bürger frei zugänglich halten. Der Verein verspricht sich davon unter anderem eine weiterhin gute Verankerung im Stadtteil und bietet zusätzliche Aufenthalts- und Erholungsmöglichkeiten auch für Nichtmitglieder. Insgesamt werden durch die Baumaßnahme 7.821 qm zusätzliche stadtteilbezogene Räume geschaffen.
Die Bausumme beträgt rund 18,7 Millionen Euro brutto, von denen 18.273.180 Euro nach baufachlicher Prüfung förderfähig sind. Die Eigenmittel belaufen sich auf drei Millionen Euro. Der ETV beteiligt sich mit diesem nennenswerten Eigenkapitalanteil an der Maßnahme und trägt das Refinanzierungsrisiko. Durch das Förderprogramm „Förderkredit Sportstätten“ der Investitions- und Förderbank (IFB), das 2015 erstmalig durch Rot-Grün aufgelegt und dessen Volumen mit dem Haushaltsbeschluss 2019/20 auf einen Rahmen von jährlich 10 Millionen Euro verdoppelt wurde, besteht die Möglichkeit, mit dem IFB-Förderkredit in Höhe von insgesamt 8.757.591 Euro die Maßnahme in den Jahren 2019 und 2020 zu unterstützen. Über Mittel des Sportfördervertrages kann die Maßnahme durch den Hamburger Sportbund mit bis zu 900.000 Euro mitfinanziert werden. Hinzu kommen Mittel für den Kindertagesstättenbau von der Behörde für Arbeit Soziales, Familie und Integration in Höhe von 2.119.000 Euro sowie Sondermittel der Bezirke Hamburg-Nord und Eimsbüttel in Höhe von jeweils 200.000 Euro. Der Finanzierungsbedarf für die Maßnahme über die Zentrale Investitionsreserve beträgt somit noch 3.000.000 Euro.

Die Bürgerschaft möge beschließen:
Der Senat wird ersucht,
1. im Haushaltsjahr 2019 Ermächtigungen in Höhe von bis zu 3.000.000 Euro aus dem Einzelplan 9.2, Aufgabenbereich 283 Zentrale Finanzen, Zentrale Investitionsreserve zur Umsetzung investiver Maßnahmen am Sportzentrum Hoheluft am Lokstedter Steindamm durch den Eimsbütteler Turnverband e.V. auf den Einzelplan 1.5, Aufgabenbereich 219 Soziales, Jugend und Gesundheit zu übertragen,

2. dem Einzelplan 1.5 die hierfür notwendigen konsumtiven Mittel für Abschreibungen im Doppelhaushalt 2019/2020 aus der Produktgruppe 283.02 Zentrale Ansätze II zur Verfügung zu stellen, und

3. der Hamburgischen Bürgerschaft bis zum 30.09.2021 über den Verlauf der Baumaßnahme zu berichten.



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