Hamburg als Innovationsstadt – weitere Unterstützung des Standortfaktors Virtual Reality und Stärkung der Games-Branche

Dienstag, 11.12.2018, Drucksache 21/

Antrag der Abgeordneten Arno Münster, Wolfgang Rose, Karl Schwinke, Birte Gutzki-Heitmann, Dorothee Martin, Hansjörg Schmidt, Joachim Seeler, Hauke Wagner und Fraktion sowie der Abgeordneten Farid Müller, Anna Gallina, Dominik Lorenzen, Dr. Carola Timm, Dr. Anjes Tjarks (GRÜNE) und Fraktion

Haushaltsplan-Entwurf 2019/2020
Einzelplan 3.3

Die Freie und Hansestadt Hamburg hat in den letzten Jahrzehnten mit einer clusterorientierten Wirtschaftspolitik sowie einer gezielten Förderung von Multiplikatoren, Vereinen und Plattformen durchweg gute Erfahrungen gemacht. Mit der Bereitstellung von öffentlichen Mitteln sowie dem Engagement wichtiger Hamburger Akteure erfolgt eine zielgerichtete Wirtschaftsförderpolitik. Der zunehmende Wettbewerb zwischen den nationalen und internationalen Standorten und die hohe Geschwindigkeit der technologischen Entwicklungen führen dazu, dass Standorte ihre Wirtschaftsförderstrukturen mit Weitsicht ausrichten müssen. Der Hamburger Senat unterstützt die Rahmenbedingungen und gibt gezielt Anreize für eine gute wirtschaftliche Entwicklung gerade auch im Bereich von hoch innovativen Unternehmen.
Die Bereiche Virtual Reality/Virtuelle Realität (VR), Augmented Reality/Erweiterte Realität (AR) und 360-Grad-Technologien gehören zu den Technologien, die weltweit zunehmend an Bedeutung für alle gesellschaftlichen Bereiche gewinnen.
Die Bürgerschaftsfraktionen von SPD und GRÜNEN haben im Rahmen der letzten Haushaltsberatungen den Senat mit einem Antrag ersucht (Drs. 21/7023), eine Initiative zu entwickeln bzw. zu unterstützen, die Hamburg als Pionierstandort im Bereich VR/AR/360-Grad international etablieren und die bestehenden Impulse und Gemeinschaften bündeln und ausbauen sollte.
Der Senat entsprach diesem Ersuchen und stellte 300.000 Euro zur Verfügung, damit zukunftsfähige Geschäftsmodelle an der Schnittstelle von Content und Technologie entwickelt werden, ein Wissenstransfer zwischen Forschung, Industrie und Unternehmen stattfindet und Startups mit der in Hamburg ansässigen, starken Medien- und Digitalindustrie vernetzt werden. Mittlerweile wurde die Initiative in einen Verein, den nextReality.Hamburg e.V., umgewandelt. Zudem wurden mehrere Leuchtturm-Events veranstaltet, darunter ein Hackathon zur Zukunft intelligenter Verkehrssysteme und ein überregional beachteter nextReality-Wettbewerb mit Preisverleihung und einer Ausstellermesse (vgl. Drs. 21/12053).
Die großen Hamburger Transportunternehmen, die Hamburg Port Authority, die Hochbahn AG sowie die Hamburger Hafen und Logistik AG, nutzen teilweise VR/AR 360-Grad-Video. Interessiert zeigen sich, laut Senat, außerdem Start-ups, die die VR in Kooperation mit großen Immobilienentwicklern und -firmen nutzen wollen. Denkbar sei außerdem der Einsatz in der Medizintechnik (siehe Ausschussbericht 21/13993).
Aktuell befindet sich der Standort Hamburg auch dank nextReality.Hamburg auf einem guten Weg, wichtigste Stadt Deutschlands in der VR/AR/360-Grad-Video-Szene zu werden. Die Zeichen stehen auf Weiterentwicklung und Ausbau. Die ursprünglich mit der Anschubfinanzierung geplanten Vereinsstrukturen sind mittlerweile funktionsfähig, tragen sich aber noch nicht eigenständig durch Mitgliedsbeiträge und Firmen-Sponsorings.
Um weiterhin erfolgreich zu bleiben und das Ziel zu verfolgen, Hamburg als Pionierstandort für VR/AR/360-Grad-Video zu etablieren, soll die Anschubfinanzierung um weitere zwei Jahre verlängert und weiter durch die Stadt verstärkt werden.
Als gleichermaßen traditionsreicher wie hoch innovativer Medien- und Digitalstandort bietet Hamburg zudem hervorragende Rahmenbedingungen für die Entwicklung der Games-Branche (Computer- und Videospiele). Die Stadt hat sich national wie international den Ruf als „Gamecity“ erworben.
In den letzten Jahren hat sich die Games-Branche in Hamburg zu einem relevanten Wirtschaftscluster mit über 150 Unternehmen entwickelt, darunter eine beeindruckende Anzahl von innovativen Content-Unternehmen und Dienstleistern, die sich des Themas „Games“ angenommen haben. Dass vier der zehn größten Games-Unternehmen in Deutschland ihren Sitz in Hamburg haben, spricht für die Wettbewerbsfähigkeit des Standortes.
Von den Games-Unternehmen gehen starke Innovationsimpulse auch außerhalb der Games-Welt aus. So zählten Games-Unternehmen beispielsweise zu den ersten Digitalunternehmen, die Micro-Payments erfolgreich eingeführt haben. Auch der Einfluss auf die Fachkräfte-Situation am Standort ist erheblich, da viele junge Menschen zuerst bei einem Games-Unternehmen ihr IT-Handwerk lernen und sich dann bei anderen Unternehmen weiterentwickeln.
Die Games-Branche hat sich in den letzten Jahren stark diversifiziert. Der Markt ist internationaler geworden und andere Standorte investieren inzwischen in großem Umfang in diese Wachstumsbranche. Daher erscheint es sinnvoll, den Games-Standort in Hamburg stärker zu vermarkten, zudem Projekte mit überregionaler Strahlkraft zu unterstützen, Vernetzungen innerhalb der Branche und mit Nachbarbranchen zu fördern sowie das Betreuungsangebot für bereits ansässige Unternehmen sowie für Existenzgründer auszubauen.
Einen wichtigen Beitrag hierzu hat das Projekt gamecity:Hamburg geleistet. Mit dieser Initiative verfügt Hamburg über ein herausragendes Alleinstellungsmerkmal. Dieses Projekt soll weiter unterstützt werden.
Die Bürgerschaft möge beschließen:
Der Senat wird ersucht,
1. für den Haushalt 2019/20 der gamecity.Hamburg und dem nextReality.Hamburg e. V. Mittel aus den durch die Digitale Dividende II erzielten Erlösen (Produkgtruppe 251.07 „Amt Medien“, Kontenbereich Kosten aus Transferleistungen) zur Verfügung zu stellen; und
2. der Bürgerschaft weiterhin jährlich zu diesem Themenbereich zu berichten.

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