Hamburg im nachhaltigen Tourismus voranbringen

Freitag, 18.05.2018, Drucksache 21/

Antrag der Abgeordneten Arno Münster, Wolfgang Rose, Karl Schwinke, Birte Gutzki-Heitmann, Dorothee Martin, Hansjörg Schmidt, Joachim Seeler, Hauke Wagner und Fraktion sowie Dr. Anjes Tjarks, René Gögge, Farid Müller, Ulrike Sparr, Dr. Carola Timm (GRÜNE) und Fraktion

Der „Economist“ kürt Hamburg regelmäßig zu einer der Top 10 lebenswertesten Städte der Welt. Nicht nur die Hamburgerinnen und Hamburger lieben ihre Stadt zwischen Stadtpark und Planten un Blomen und Alster und Elbe. Auch international zählt Hamburg zu einer beliebten Adresse. Dabei führen die unterschiedlichsten Gründe Menschen nach Hamburg: der Hafen, eine bunte Clubszene auf St. Pauli, Museen, Kongresse, ein Abend im Musical, Theater oder ein Ticket in der Elbphilharmonie. Ein breites kulturelles Angebot, vielseitige Freizeitangebote und neue Attraktionen, wie die Elbphilharmonie, machen Hamburg zu einem beliebten Ziel für Städtereisende.
Als Stadt am Wasser, mit dem Elberadweg vor der Tür, viel Grün und Natur zieht Hamburg auch eine Vielzahl an Gästen an, denen Nachhaltigkeit und Ressourcenschutz beim Reisen und während ihres Aufenthalts wichtig ist.
Laut einer für das Bundesumweltministerium erstellten Studie ist es 32 Prozent der Deutschen wichtig, dass der Urlaub ökologisch verträglich ist, 38 Prozent, dass er sozialverträglich ist. Der Deutsche Tourismusverband (DTV) als Dachverband bekennt sich ausdrücklich zu einer nachhaltigen Entwicklung im Deutschlandtourismus.
In der von der Hamburg Tourismus GmbH (HHT) in Auftrag gegebene Nachhaltigkeits-konzeption „Städtetourismus Hamburg“ heißt es: „Nachhaltigkeit ist ein Zukunftsthema im Tourismus, das zunehmend an Bedeutung gewinnt. (…) Immer mehr Regionen und Städte in Deutschland setzen auf nachhaltigen Tourismus.“ Sie kommt zu dem Schluss: „Weltweit orientiert sich die touristische Destinationsentwicklung verstärkt am Leitbild der nachhaltigen Entwicklung und auf der Nachfrageseite wächst das Interesse an nachhaltigerer Reisegestaltung.“
Während sich Tourismusregionen im ländlichen Raum bereits auf den Weg gemacht haben, ist das Thema nachhaltiger Tourismus in Großstädten relativ neu und ganzheitliche Ansätze noch im Initiativstadium.
Mit dieser Antragsinitiative wollen die Regierungsfraktionen von SPD und GRÜNEN daher den Hamburger Tourismus auf dem Weg eines solchen Nachhaltigkeitskonzepts stärken und sicherstellen, dass sich der Tourismus in Hamburg zukünftig ökologisch und sozial verträglich entwickelt.
Mit der Drucksache 21/9700 hat der Senat im Juli 2017 den Weg zur „Umsetzung der Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen in Hamburg“ beschlossen. Die sogenannte „Agenda 2030“ der Vereinten Nationen mit ihren 17 Zielen und 169 Unterzielen bietet ein Verständnis davon, was nachhaltige Entwicklung und Lebensqualität in einer Stadt wie Hamburg im Jahr 2030 ausmachen kann. Neben einer Bestandsaufnahme und Analyse der bisherigen Maßnahmen werden die Themen benannt, an denen in den nächsten Jahren konkret weitergearbeitet werden soll. Es werden vier zentrale Handlungsbereiche ausgewiesen, die für die zukunftsfähige Entwicklung der Stadt besonderes relevant sind: Umwelt und Stadt – Nachhaltige Wirtschafts- und Finanzpolitik – Teilhabe und sozialer Zusammenhalt – Bildung und Wissenschaft. Nachhaltiger Tourismus bietet exzellente Chancen, im Cluster „Nachhaltige Wirtschafts- und Finanzpolitik“ in den nächsten Jahren einen zentralen Schwerpunkt zu bilden.
Im Mobilitätsbereich umfasst der Hamburger Tourismus bereits eine ganze Zahl an Angeboten: Mit der HamburgCard gibt es nicht nur ermäßigten Eintritt in Hamburgs Museen und Attraktionen, sondern sie beinhaltet auch eine freie Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs. Hamburg lässt sich hervorragend mit dem Fahrrad erkunden: Auf der Website von Hamburg Tourismus bietet die Stadt viele Erkundungstouren mit dem Rad an. Das StadtRad ist auch für Touristinnen bzw. Touristen und mit der HamburgCard nutzbar. Der „Bahnhit“ fördert die Anreise von Touristinnen und Touristen mit der Bahn nach Hamburg. Diese Angebote sollen ausgebaut und aktiv beworben werden. Darüber hinaus soll das Hamburger Tourismusmarketing noch gezielter Menschen ansprechen, die ein Interesse an nachhaltigem Tourismus haben. Dazu zählen Individualtouristinnen und -touristen genauso wie Firmen, die z.B. in Hamburg an Kongressen teilnehmen und ein erhöhtes Interesse an nachhaltigen Angeboten, wie beispielsweise ökologisch zertifizierten Hotels, haben.
In Hamburg gibt es bereits Hotels, die hohe Nachhaltigkeitsstandards einhalten und sich entsprechend zertifiziert haben. Das wollen wir unterstützen. Daher sollen Hotels mit Zertifizierungen, z.B. durch die Deutsche Gesellschaft für nachhaltiges Bauen (DGNB), das europaweite „Eco-Management and Audit Scheme“ (EMAS) oder das weltweite „Green Globe“ Zertifizierungssystem, bei der Vergabe von städtischen Flächen für Hotelneubauten besondere Berücksichtigung finden.
Steigender Tourismus kann auch zu Interessenskonflikten mit den Anwohnerinnen und Anwohnern führen. Der „Sightseeingdruck“ ist dabei räumlich meist begrenzt auf die Gebiete St. Pauli-Landungsbrücken oder das Quartier um die Reeperbahn. Eine zunehmend wahrgenommene Eventisierung des öffentlichen Raums ist eine Herausforderung, die insbesondere in den viel besuchten Quartieren in die öffentliche Diskussion rückt. Die Untersuchung „Balancing Tourism“ der HHT hat die potenziellen Konflikte zwischen Anwohnerinnen und Anwohnern und Besucherinnen und Besuchern untersucht. Die Analyse ergab, dass in Hamburg weniger die Zahl und Verteilung der Touristinnen und Touristen für Probleme sorgt, sondern das teilweise unangemessene Verhalten von manchen Besucherinnen und Besuchern, sowohl der Fernangereisten wie derjenigen aus Stadt und dem Umland. Hier wurden mit Initiativen aus dem Stadtteil oder Kampagnen, wie der Kampagne „your pleasure, our home“ der BDI Reeperbahn und der Stadtreinigung Hamburg bereits erste Schritte unternommen, um den Problemen zu begegnen.
Um das Tourismuswachstum in Hamburg auch zukünftig mit dem Leben im Quartier zu vereinbaren, ist es uns wichtig, die Akzeptanz von Tourismus in Hamburg zu fördern und möglichen Konflikten vorzubeugen. Mit der Sauberkeitsoffensive (Drs. 21/11059) verbessern wir die Sauberkeit in der Stadt, gerade die „hot spots“ werden dabei häufiger und intensiver gereinigt. Zum anderen kann die Hamburg Tourismus GmbH entsprechend mitsteuern. Sie verfolgt seit einiger Zeit eine solche Strategie und wird im Jahr 2018 einen neuen Bereich „Destination Management“ einrichten. Diesen Ansatz begrüßen wir und wollen ihn unterstützen.
Hamburg ist auch Austragungsort vieler Großevents: Ob Hafengeburtstag, Marathon oder Alstervergnügen – viele Veranstaltungen kommen jedes Jahr wieder. Best practises in Dingen nachhaltige Veranstaltungen gibt es bereits: Die Altonale hat gemeinsam mit anderen Aktiven und unterstützt durch die Behörde für Umwelt und Energie (BUE) das Netzwerk GREEN EVENTS HAMBURG gegründet, das sich für die Etablierung einer nachhaltigen Veranstaltungskultur in Hamburg einsetzt. Für Veranstaltungen braucht es allgemein und hamburgweit gültige Leitlinien zu Klima- und Ressourcenschutz sowie zum Schutz der Anwohnerinnen und Anwohner. Bereits im Jahr der Umwelthauptstadt Europas 2011 hat Hamburg einen Leitfaden für nachhaltige Veranstaltungen mit dem Titel „Green Events“ herausgegeben, der Handlungsempfehlungen für tourismuswirksame Veranstaltungen in Richtung Nachhaltigkeit gibt. Diese Ansätze wollen wir nun systematisch weiterentwickeln.
Hamburg bietet hervorragende Voraussetzungen als Standort für nachhaltigen Tourismus – als Kongressstadt, als fahrradfreundliche Stadt, als Stadt am Wasser und als grüne Stadt mit lebenswerten Parks und Grünanlagen. Die Nachhaltigkeitskonzeption der HHT kommt zu dem Schluss, dass Hamburg in Dingen nachhaltiger Tourismus bereits einen guten Weg eingeschlagen hat. Handlungsbedarf bestehe jedoch insbesondere bei nachhaltigen Pauschalangeboten und der Vermarktung des Themas. Hier wollen wir anknüpfen und mit dieser Initiative Hamburg im nachhaltigen Tourismus voranbringen.

Die Bürgerschaft möge beschließen,
Der Senat wird ersucht,
1. entlang der Handlungsempfehlungen der Nachhaltigkeitskonzeption „Städtetourismus Hamburg“ gemeinsam mit der HHT eine Strategie zur Förderung des nachhaltigen Tourismus in Hamburg zu entwickeln, die darauf abzielt, die Angebote im Bereich nachhaltiger Tourismus zu fördern. Dabei sollen Angebote entlang der gesamten touristischen Dienstleistungskette betrachtet werden. Die Hamburg Card soll künftig in digitaler Form und auch als „Ökovariante“, mit nachhaltigen Angeboten zur Verfügung stehen.
2. gemeinsam mit der HHT und weiteren Akteuren wie dem Tourismusverband Hamburg oder dem Dehoga eine Marketingstrategie zu entwickeln, welche die Angebote im Bereich nachhaltiger Tourismus aktiv bewirbt. Städtereisende mit einem Interesse an Nachhaltigkeit und Ressourcenschutz sollen dabei gezielt angesprochen werden.
3. darauf hinzuwirken, dass bei der Vergabe von städtischen Flächen für Hotelneubauten Hotels, die hohe Nachhaltigkeitsstandards vorweisen, besonders berücksichtigt werden. Hotels sollen ermutigt werden, sich durch anerkannte Zertifizierungssysteme wie z.B. der DGNB, dem „Green Globe“ oder EMAS zertifizieren zu lassen.
4. die „balancing tourism“-Strategie der HHT zu fördern und in diesem Rahmen darauf hinzuwirken, mit den betroffenen Bezirksämtern sowie touristischen Institutionen vor Ort quartiersbezogene Konzepte zu entwickeln u.a. mit dem Ziel, eine örtliche Entzerrung der Touristenströme und die bessere Verteilung von Veranstaltungen auf alle Bezirke zu erreichen.
5. zu prüfen, inwiefern auf Basis des im Rahmen der Umwelthauptstadt entwickelten Leitfadens „Green Events“ von 2011 hamburgweit-gültige und verbindliche Leitlinien zur Durchführung von Veranstaltungen erstellt werden können. Sie sollen insbesondere Richtlinien zum Umwelt- und Ressourcenschutz und Schutz der Anwohnerinnen und Anwohner enthalten und für wiederkehrende Veranstaltungen ab einer relevanten Größe gelten. Die Leitlinien sollen im Dialog mit allen betroffenen Stakeholdern, insbesondere den Genehmigungsbehörden und den Bezirken, aufgestellt werden. Dabei sollen Erfahrungen und best practise-Beispiele ausgetauscht werden, um sinnvolle einheitliche Standards zu entwickeln.
6. der Bürgerschaft bis zum 1. Quartal 2019 zu berichten.
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