"Flüchtlingsambulanz für Kinder und Jugendliche" - Angebote für traumatisierte Flüchtlingskinder und - jugendliche sichern und den Bedarfen anpassen

Donnerstag, 15.01.2015, Drucksache 20/

Antrag der Abgeordneten Ksenija Bekeris, Wolfgang Rose, Kazim Abaci, Annkathrin Kammeyer, Uwe Lohmann, Doris Müller, Jens-Peter Schwieger, Ali Simsek, Sylvia Wowretzko, Barbara Nitruch, Regina Jäck, Brigitta Schulz und Fraktion

Seit 1999 betreibt das UKE in enger Kooperation mit der Stiftung "Children for Tomorrow" die "Flüchtlingsambulanz für Kinder und Jugendliche".
Children for Tomorrow ist eine gemeinnützige Stiftung mit dem Ziel, Kinder und Familien, die Opfer von Krieg, Verfolgung und organisierter Gewalt geworden sind, zu unterstützen. Sie wurde 1998 von Stefanie Graf ins Leben gerufen.
Seit April 2011 hat Children for Tomorrow ein eigenes Stiftungsgebäude auf dem Gelände des UKE, in dem die Flüchtlingsambulanz ihr Zuhause gefunden hat. Children for Tomorrow (CFT) und das Ambulanzzentrum der UKE GmbH ermöglichen mit ihrer Kooperation Flüchtlingskindern ein ambulantes psychiatrisches und psychotherapeutisches Versorgungsangebot mit stationärer Anbindung innerhalb der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, -psychotherapie und -psychosomatik des UKE.
In der Ambulanz werden Flüchtlingskinder und -jugendliche im Alter von 0-21 Jahren psychiatrisch und psychotherapeutisch behandelt. Circa 80% dieser Patienten sind unbegleitete Flüchtlinge zwischen 14 und 21 Jahren, die ohne ihre Eltern oder andere Verwandte allein nach Deutschland geflohen sind. In ihrem Heimatland und auf der Flucht waren sie in der Regel mehrfach bedrohlichen und traumatisierenden Situationen ausgesetzt, die bei Menschen oft langfristige psychische Erkrankungen hervorrufen.
Derzeit werden in der Ambulanz 180 Therapieplätze angeboten, auf 60 von ihnen erfolgt eine wöchentliche Regelpsychotherapie. 120 Plätze dienen der sozialpsychiatrischen Versorgung, einschließlich supportiver therapeutischer Gespräche und Kunsttherapie.
Diese umfangreiche Versorgung ist ein Alleinstellungsmerkmal der Flüchtlingsambulanz. Die Ambulanz ist nach Zahl der Behandlungsplätze und aufgrund der Vielfalt der Angebote für Flüchtlingskinder und –jugendliche einzigartig in Deutschland. Trotz des umfangreichen Therapieangebotes müssen Hilfesuchende derzeit mehrere Monate auf ein Erstgespräch warten. Je länger eine posttraumatische Belastungsstörung unbehandelt bleibt, desto größer ist das Risiko einer Chronifizierung - verbunden mit dem Leid der Betroffenen und hohen Folgekosten für die Gesellschaft - etwa durch langfristige Arbeitsunfähigkeit und delinquentes Verhalten.
Die Ambulanz wird derzeit finanziert durch Einnahmen, die im Rahmen der Abrechnung der medizinischen Leistungen mit den Kranken- und Sozialkassen erfolgen, sowie eine Förderung in Höhe von aktuell rund 288.000 Euro pro Jahr durch CFT für Dolmetscher- und anteilige Personalkosten.
Die Dolmetscherkosten betragen derzeit rund 120 Tsd. Euro p.a..
Mit der Übernahme der Dolmetscherkosten durch CFT wird eine Lücke im derzeitigen Versorgungssystem geschlossen:
Flüchtlingskinder und –jugendliche sprechen in der Regel kein Deutsch, muttersprachliche Therapeuten stehen nicht oder in zu geringer Zahl zur Verfügung und das SGB sieht keine Übernahme der Dolmetscherkosten vor, womit Flüchtlingen, die über einen Aufenthaltstitel verfügen, der Zugang zu therapeutischen Angeboten vielfach verwehrt bliebe.

Die Bürgerschaft möge beschließen:

Der Senat wird ersucht,
1. vor dem Hintergrund einer geplanten Erhöhung der Therapieplätze von derzeit 180 auf künftig 200 zu prüfen, ob und unter welchen Bedingungen und ggf. in welcher Höhe eine Übernahme der Dolmetscherkosten durch die FHH möglich ist,

2. die Kooperationspartner in ihrem Bemühen um Effizienzsteigerungen zu unterstützen und

3. der Bürgerschaft bis zum 31. März 2015 zu berichten.

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