zur Drs. 21/15588 LNG und Erdgas als Übergangstechnologien der Energiewende möglichst umweltverträglich gestalten

Donnerstag, 17.01.2019, Drucksache 21/

Antrag der Abgeordneten Monika Schaal, Anne Krischok, Gert Kekstadt, Annegret Kerp-Esche, Gulfam Malik, Hauke Wagner, Michael Weinreich, Dora Heyenn und Fraktion sowie der Abgeordneten Ulrike Sparr, Dominik Lorenzen, Farid Müller, Dr. Carola Timm, Dr. Anjes Tjarks (GRÜNE) und Fraktion

Hamburg bekennt sich klar zum Klimaschutz und zur Energiewende, wie z. B. der Klimaplan und der Koalitionsvertrag für die 21. Wahlperiode dokumentieren. Im Stromsektor kommt die Energiewende gut voran. In der Wärmeversorgung hat Hamburg durch den Rückkauf des Fernwärmenetzes Engagement gezeigt und sich neue Möglichkeiten erschlossen. Im Straßenverkehr ist Hamburg führend in der E-Mobilität, baut neue Radwege und erweitert das ÖPNV-Angebot.
Eine besondere technische Herausforderung in Sachen Energiewende und Klimaschutz ist der Hafen. Die Verbrennung von Schiffsdiesel ist nicht nur aus Klimaschutz-Sicht schädlich, sondern beeinträchtigt auch massiv und für alle spürbar die Luftqualität. Daher muss der Einsatz von Schiffsdiesel im Hafengebiet vordringlich reduziert werden, um Luftschadstoffe wie Feinstaub und Stickoxide zu reduzieren. Hierfür setzt der Senat auf verschiedene kurz- und mittelfristig verfügbare Technologien, wie z. B. Landstrom. Eine besondere Rolle für eine bessere Luft rund um den Hafen spielt durch starke Kühlung verflüssigtes Erdgas, auch als Liquid Natural Gas bzw. LNG bezeichnet. LNG wird zum Beispiel eingesetzt, um dezentral in Generatoren Strom für Schiffe zu erzeugen. Auch die Umrüstung von Schiffsmotoren auf den Betrieb mit LNG scheint geeignet, die Luftschadstoffe verhältnismäßig schnell zu reduzieren.
Bei allen Vorteilen, die LNG für die Luftreinhaltung bringt, ist bei der Öko- und Klimabilanzierung von LNG und Erdgas Sorgfalt angebracht. Grundsätzlich stellt sich Erdgas in der Klimabilanz besser dar als auf Mineralöl basierende Kraftstoffe. Doch Erdgas, das im Wesentlichen aus Methan besteht, ist ein extrem klimawirksames Gas, wenn es in die Atmosphäre entweicht. Laut Berechnungen des Intergovernmental Panel on Climate Change (Weltklimarat) ist die Klimawirksamkeit von Methan für einen Zeitraum von 100 Jahren 28 mal so hoch wie die von CO2. Diese Klimawirksamkeit wird als „CO2-Äquivalent“ bezeichnet, d. h. eine Tonne Methan entspricht z. B. 28 Tonnen CO2-Äquivalent. Die kurzfristige Wirksamkeit innerhalb von 20 Jahren ist sogar 84 mal so hoch. Der sogenannte Methanschlupf, also das in die Atmosphäre entweichende Methan, ist daher ein entscheidender Faktor für die Klimabilanz von Erdgas und LNG als Energieträger. Besonders umweltschädlich ist Gas, das im Fracking-Verfahren gewonnen wurde.
Im Koalitionsvertrag aus dem Jahr 2015 heißt es daher: „Die Koalition lehnt die Förderung unkonventioneller Erdgasvorkommen mittels Fracking ab.“ Und „Die Koalition wird sich auf Bundesebene […] für eine Gaskennzeichnung einsetzen.“ Dementsprechend hat Hamburg auf der Umweltministerkonferenz 2016 initiiert, dass im Sommer 2017 ein Expertenworkshop zum Thema Erdgas-Zertifizierung stattfand. Dieser machte deutlich, dass nur in einigen Extremfällen die CO2-Äquivalente inklusive Förderung und Transport bei Erdgas höher sind als bei Mineralölprodukten. Ferner gibt es insbesondere bei konventionell gefördertem Gas aus Russland zum Teil höhere Methanemissionen als bei Fracking-Gas. Schließlich schätzten die Expertinnen und Experten die Chancen, über die EU ein internationales Zertifizierungssystem einzurichten, gering ein. Selbst wenn es ein solches System geben würde, würde der Effekt auf den Markt gering sein, da Zertifizierungssysteme vor allem dann Wirkung zeigen, wenn sie ein explizit nachgefragtes, aber knappes Gut belegen. In diesem Sinne sahen die Expertinnen und Experten für ein europäisches Zertifizierungssystem für Biogas und Gas aus erneuerbaren Energien mittelfristig deutlich bessere Chancen.
Die Bürgerschaft möge beschließen:
Der Senat wird gebeten,
1. die Möglichkeiten einer Zertifizierung von Gas aus erneuerbaren Energien zu untersuchen und möglichst auf Bundesebene darauf hinzuwirken,
2. zu prüfen, wie die Gewinnung und der Einsatz von Gas aus erneuerbaren Energien (Biogas, Power-to-Gas) gesteigert werden können, und dabei auch Kooperationsmöglichkeiten mit Gasnetz Hamburg einzubeziehen,
3. bei Entscheidungen, die zum Umstieg von anderen fossilen Energieträgern (z. B. Mineralölen) auf Erdgas-Produkte (z. B. LNG) führen, eine Klima- und Umweltbilanzierung darzulegen, die auch die Klimagase der Erzeugungskette der Energieträger zumindest abschätzt,
4. beim Einkauf den Anteil von Gas mit EE-/Biogas-Anteil bei steigendem Angebot im Rahmen des wirtschaftlich vertretbaren nach und nach zu erhöhen.


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