Studie zur Entwicklung der Baugemeinschaften in Hamburg

Mittwoch, 10.03.2021, Drucksache 22/

Antrag der Abgeordneten Dirk Kienscherf, Gabriele Dobusch, Martina Koeppen, Christel Oldenburg, Matthias Czech, Lars Pochnicht, Michael Weinreich, Dagmar Wiedemann, Sabine Jansen und Fraktion sowie der Abgeordneten Olaf Duge, Maryam Blumenthal, Rosa Domm, Gerrit Fuß, René Gögge, Dominik Lorenzen, Zohra Mojadeddi, Johannes Müller, Andrea Nunne, Lisa Maria Otte, Miriam Putz, Gudrun Schittek, Ulrike Sparr (GRÜNE) und Fraktion

Mit der Drucksache 21/13087 und der daraus folgenden Senatsmitteilung 21/18146 hat die Rot-Grüne Koalition das Wohnungsbausegment der Baugemeinschaften in der Kontinuität der vergangenen 30 Jahre auf ein solides Fundament für die kommenden Jahre gestellt.
In Hamburg wurden seit den 80er Jahren bis heute 137 Baugemeinschaftsprojekte mit knapp 3.200 Wohneinheiten realisiert.
Die aktuelle Entwicklung auf dem Wohnungsmarkt, insbesondere Entwicklung der Grundstückspreise und der Baukosten – aber auch die Maßgabe von Gestaltungsanforderungen und gesamtgesellschaftliche Veränderungen z. B. in der Arbeitswelt, verstärkt durch die Corona-Pandemie – stellen auch die Baugemeinschaften vor stetige und aktuell völlig neue Herausforderungen.
Das Bedürfnis nach Gemeinschaft und sozial verantwortlichem Handeln veranlasst immer mehr Menschen und vor allem Familien, sich zu Baugemeinschaften zusammenzuschließen, um sich ein gemeinsames zu Hause zu kreieren, das im Hamburger Stadtgebiet für diese Gruppierungen bezahlbar ist. Aus der Historie der Baugruppen in den 80er Jahren sind hierbei vor allem drei prägende Essentials erwachsen: Selbstbestimmung, Selbstverwaltung und Mitplanung bei freier Architektenwahl.
Aus diesem Kontext heraus haben sich vielfältige Formen des Zusammenlebens/Wohnens entwickelt, die sich in den Anfangsjahren zunächst in der inneren Stadt konzentrierten. Mittlerweile verteilen sie sich von Neugraben über Ochsenwerder bis nach Langenhorn im ganzen Stadtgebiet und bilden vielfach einen Nukleus für quartiersbezogene Aktivitäten.
Das Jahr 2020 wird unsere Gesellschaft maßgeblich neu prägen. Der solidarische Gedanke stellt sich in „Pandemie-Zeiten“ in einer bisher ungeahnten Vielfalt völlig neu. Welche Auswirkungen wird dies auf unsere Stadtgesellschaft haben? Wie werden sich, wie müssen sich Stadtquartiere zukünftig entwickeln? Welche Aufgaben kommen dabei auf die Baugemeinschaften zu? Welche nachbarschaftlichen Effekte werden im Vergleich zum individualisierten Wohnen durch Baugemeinschaften generiert?
Zusammen mit der von Rot-Grün initiierten Wohnstudie, die sich primär auf die allgemeinen Entwicklungen des Wohnverhaltens – auch unter dem Aspekt der Corona-Pandemie – konzentriert, ist es an der Zeit, im Bereich Baugemeinschaften eine Art Resümee zu ziehen und einen Blick in die Zukunft zu wagen.

Es gilt zu analysieren, welche Formen von Baugemeinschaften bisher entstanden sind. Welche Erfahrungen haben diese nach zum Teil über 30 Jahren gemacht? Welche Anforderungen, welche Bedürfnisse gibt es auf die Zukunft bezogen? Wie wird das Gemeinschaftliche, das Solidarische aktuell bewertet? Welche Konzeptbausteine werden nachgefragt bzw. angeboten? Welche Gruppierungen und Alterszusammensetzungen fanden und finden sich in welcher Form zusammen? Welche sozialen Gruppen wählen Baugemeinschaften als Wohnform und warum? Welche Möglichkeiten haben Menschen mit geringem Einkommen oder niedrigem Bildungsabschluss, sich in Baugemeinschaften einzubringen, und wie funktionieren die sozialen Unterstützungssysteme innerhalb von Baugemeinschaften? Ergeben sich daraus neue Anforderungen an die Fördermodule?
Es gilt herauszufinden, wie „Stadt“ neu in selbstbestimmten und selbstverwalteten Strukturen entwickelt werden kann und sollte. Hamburg hat eine ganze Palette an Großprojekten in der Entwicklung, die in den nächsten 5 bis 20 Jahren in die Umsetzung kommen. Dies sind alles städtische Grundstücke, bei denen Hamburg die Gestaltungshoheit besitzt. In allen Quartieren sollen bis zu 20 Prozent des Geschosswohnungsbaus durch Baugemeinschaften realisiert werden. Das sind, wie in der Drs 21/18146 aufgeführt, ca. 3.300 Wohneinheiten. Die IBA Hamburg GmbH (IBA), die Hafencity Hamburg GmbH (HCH) und die Science City Hamburg Bahrenfeld GmbH (SCHB) haben diese Potenziale erkannt und erkennen die Baugemeinschaften auch als Pioniere der Quartiersentwicklung an.

Die Bürgerschaft möge beschließen:

Der Senat wird ersucht,
1. eine wissenschaftliche Studie zur Entwicklung des gemeinschaftlichen Bauens und Wohnens („Baugemeinschaften“) und selbstverwalteter Wohnformen in Hamburg in Auftrag zu geben. In dieser Studie soll, aufbauend auf einer Entwicklungsgeschichte der Baugemeinschaften, deren integrierende und sozial stabilisierende Leistung auf die Quartiere untersucht werden. Zudem sollen nach Möglichkeit zukünftige Trends erhoben und Grundlagen für neue Formen von Baugemeinschaften geschaffen werden.
2. der Bürgerschaft bis Ende 2022 einen Bericht vorzulegen.
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