Freiraumplanerischer Wettbewerb für den Burchardplatz und das Kontorhausviertel

Donnerstag, 25.03.2021, Drucksache 22/

Antrag der Abgeordneten Dirk Kienscherf, Ole Thorben Buschhüter, Gabriele Dobusch, Martina Koeppen, Christel Oldenburg, Matthias Czech, Lars Pochnicht, Hansjörg Schmidt, Frank Schmitt, Ali Simsek, Isabella Vértes-Schütter, Markus Schreiber, Michael Weinreich, Dagmar Wiedemann, Arne Platzbecker, Sabine Jansen, Julia Barth, Ralf Neubauer, Simon Kuchinke, Clarissa Herbst und Fraktion sowie der Abgeordneten Olaf Duge, Gerrit Fuß, Rosa Domm, Dominik Lorenzen, Zohra Mojadeddi, Johannes Müller, Andrea Nunne, Lisa Maria Otte, Miriam Putz, Gudrun Schittek, Ulrike Sparr, Lena Zagst (GRÜNE) und Fraktion

Der Burchardplatz ist ein schlummernder Schatz im Hamburger Kontorhausviertel. Namensgeber des Platzes ist Bürgermeister Johann Heinrich Burchard. Das Kontorhausviertel, zwischen Meßberg und Steinstraße gelegen, ist eines der eindrucksvollsten innerstädtischen Quartiere der 1920er Jahre. Es entstand damals das erste reine Büroviertel auf dem europäischen Kontinent. Die Mitte der von Fritz Schumacher geplanten städtebaulichen Anlage bildet der Burchardplatz, um den sich unter anderem das Chilehaus, das Miramar-Haus, der Meßberg-, der Mohlen-, der Montan- und der Sprinkenhof als kulturhistorisch und architektonisch beeindruckendes Ensemble gruppieren.
Die große Choleraepidemie von 1892 war der Anlass, die damaligen Gängeviertel ab 1912 abzureißen und stattdessen das Kontorhausviertel zu errichten. Die Bewohner*innen wurden unter anderem auf die Veddel und in die Jarrestadt umgesiedelt. Mit seinen monofunktionalen Bürogebäuden, die in einer beeindruckenden Architektur des Backstein-Expressionismus und der neuen Sachlichkeit in Blockrandbebauung entstanden, ist das Quartier ein Wahrzeichen Hamburgs und seit dem 5. Juli 2015 zusammen mit der Speicherstadt Teil des UNESCO-Welterbes.
Stadtplätze sind Symbole für die Geschichte und Kultur eines Ortes. Sie sind ebenso Treffpunkte, Orte des Verweilens, und können lebendige Anziehungspunkte von besonderer Qualität sein. Als Zentrum des Kontorhausviertels repräsentiert der Burchardplatz wie kaum ein anderer die Kaufmannsgeschichte der Freien und Hansestadt Hamburg.
SPD und GRÜNE wollen sich für eine denkmalgerechte und belebende Weiterentwicklung des öffentlichen Raumes in dem Viertel einsetzen. Der Platz und die umgebenden öffentlichen Räume sollen gemeinsam mit der BID-Initiative Burchardplatz zu einem Besuchermagneten entwickelt werden. Der Burchardplatz soll kein Parkplatz mehr sein. Dafür soll ein freiraumplanerischer Wettbewerb für den Burchardplatz und den angrenzenden öffentlichen Raum im Kontorhausviertel ausgelobt werden.
Derzeit wird der Platz als Parkplatz und dienstags und donnerstags für einen Wochenmarkt genutzt. Ein lebendiger Gastronomiebereich und auch Einzelhandel sind am Platz und insbesondere in der Mohlenhofstraße hin zur Steinstraße verortet. Die Mohlenhofstraße bietet von Norden kommend das Entree zu dem Areal, dieses gilt es mit in die Planungen einzubeziehen, um das gesamte Quartier südlich der Mönckebergstraße mit zugkräftigen südführenden Wegeansätzen umzugestalten und laufbrechende Komponenten zu erkennen und abzumildern.
Auch die Altstädter Straße sowie die Burchard- und Niedernstraße bis hin zum Kattrepel sollen in die Freiraumplanung mit einbezogen werden. Generell gilt es, die historisch seit dem Bau der Speicherstadt und der Errichtung des Freihafens im 19. Jahrhundert gewachsene Ost-West-Ausrichtung der Innenstadt an den richtigen Stellen aufzubrechen, um in Nord-Süd-Richtung die gegenseitigen Verbindungswege zwischen Innenstadt und HafenCity zu prägen. Das Kontorhausviertel ist hier ein wichtiges städtebauliches Bindeglied.
In dem Quartier wird bereits heute auch wieder innerstädtisch gewohnt. Durch das neue Johann Kontor am Johanniswall kommen zusätzlich circa 150 Wohnungen hinzu. Und auch auf der nahen Nikolai-Insel und in der Domstraße entstehen rund 150 weitere Wohneinheiten. Bei beiden Vorhaben findet der erfolgreiche Hamburger Drittel-Mix Anwendung, sodass innerstädtisch in der Umgebung des Platzes 100 neue geförderte Wohnungen entstehen.
Das Gebiet ist an den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) sehr gut angebunden. Die U-Bahnhaltestellen Meßberg, Steinstraße und Mönckebergstraße sind fußläufig zu erreichen. Seit der Führung von Buslinien über die Steinstraße gibt es im nördlichen Eingangsbereich des Kontorhausviertels eine an der Kreuzung zur Mohlenhofstraße weitere hervorragende Anbindung des Quartiers an den ÖPNV. Durch den Bau des Johann Kontors entsteht in unmittelbarer Nachbarschaft eine Tiefgarage mit bis zu 179 Stellplätzen.
Eine vitalisierende Hebung der städtebaulichen Ressourcen und Qualitäten des Burchardplatzes und eine weitere Steigerung der Attraktivität des Gebiets für Hamburger*innen sowie Tourist*innen muss Hand in Hand mit einer klugen Freiraumplanung gehen. Nutzungskonzepte für den Platz und den öffentlichen Raum gilt es gemeinsam mit den Menschen vor Ort und den Stakeholdern der Innenstadt zu entwickeln –sowohl für einen attraktiven Burchardplatz und ein vitales Kontorhausviertel als auch als missing link zwischen Innenstadt und HafenCity. Wetterunabhängige und ganzjährige Nutzungskonzepte können dabei ein geeignetes Mittel darstellen. Auch der Einsatz von Lichtkunst und Kunst im öffentlichen Raum kann die Attraktivität des Viertels weiter steigern und sollte in einer gesamtheitlichen Betrachtung mitberücksichtigt werden. Ebenso gilt es, Fragen der Bepflanzung und der Materialität (z. B. beim Bodenbelag) in die Gestaltungsideen einzubeziehen.
Damit der Burchardplatz inmitten der Stadt als ein lebendiger Ort des Miteinanders entwickelt werden kann und das hanseatische Lebensgefühl in Zukunft noch besser durch das Leben auf dem Platz widergespiegelt wird möge die Bürgerschaft beschließen:

Der Senat wird ersucht,
1. einen freiraumplanerischen Wettbewerb für den Burchardplatz und das Kontorhausviertel unter Einbeziehung der Bürgerschaft auszuloben. Dieser Wettbewerb muss einen sensiblen Umgang mit dem außergewöhnlichen universellen Wert des Welterbes „Speicherstadt und Kontorhausviertel mit Chilehaus“ gewährleisten. Der Status als Welterbe ist nicht zu gefährden. Der Wettbewerb soll das Ziel haben, für das Kontorhausviertel und den Burchardplatz eine eigene quartiersbildende Qualität unter Berücksichtigung des historischen Kontextes zu entwickeln. Im Rahmen der Planung soll bzw. sollen
a. eine Betrachtung des gesamten Freiraums im Kontorhausviertel durchgeführt werden,
b. ein tragfähiges, vielfältiges und attraktives Nutzungskonzept für den Burchardplatz aufgezeigt werden, um den sozialen, ökologischen und kulturellen Bedürfnissen der Besucher*innen allen Alters zu dienen sowie die Vermittlung der historischen Bedeutung auch unter Berücksichtigung der Kolonial-Vergangenheit Hamburgs gewährleistet sein,
c. die Gestaltung des öffentlichen Raums auch im Sinne der klimaresilienten Stadt verbessert werden,
d. geprüft werden, wie die Erdgeschossflächen eingebunden werden können,
e. der Entstehung von sommerlichen Hitzeinseln durch die Entwicklung eines Grünkonzepts, welches den historischen Kontext respektiert, entgegengewirkt werden;
f. Flächen für Gastronomie und Außenverkauf berücksichtigt werden;
g. die Nord-Süd-Verbindung in Richtung Innenstadt und HafenCity einbezogen werden.
2. vor der Sitzung der Jury die Wettbewerbsentwürfe der Öffentlichkeit auszustellen und dieser die Möglichkeit zur Kommentierung einzuräumen, um diese Kommentare der Jury zu übermitteln;
3. den Lichtbeirat in die Fragen der Illuminierung des Areals einzubeziehen. Ziel soll eine energiesparende Beleuchtung sein, die den Bedürfnissen der Nutzer*innen des Platzes Rechnung trägt;
4. ein zukunftsorientiertes Verkehrskonzept auch unter Betrachtung der Verbindungen zum Rathausquartier für das Kontorhausviertel zu entwickeln. Dabei sollen die Bedürfnisse des Fuß- und Radverkehrs besonders berücksichtigt werden und die KfZ-Stellplätze im öffentlichen Raum reduziert werden;
5. der Bürgerschaft zeitgerecht zu berichten.
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