Struktur des Arbeitsmarktes und der Hilfebedürftigkeit in Hamburg

Freitag, 20.02.2009, Drucksache 19/2409

Antwort des Senats: Parlamentsdatenbank

Gro�e Anfrage der Abgeordneten Elke Badde, Gabriele Dobusch, Ingo Egloff, Arno Münster, Wolfgang Rose, Andrea Rugbarth, Karl Schwinke, Carola Veit und Fraktion.


Der durch die internationale Finanzkrise ausgelöste Konjunktureinbruch und damit einher-gehende Auftragsrückgänge wirken sich seit Beginn des Jahres massiv auf den Hambur-ger Arbeitsmarkt aus. In den vorangegangenen Monaten hatten viele Unternehmen die geschrumpfte Nachfrage nach Arbeitsleistung zunächst durch den Abbau von Überstun-den, Urlaub und vermehrte Kurzarbeit aufgefangen – die Arbeitslosenzahlen blieben stabil. Im Januar ist die Zahl der Kurzarbeiter weiter nach oben gegangen und erstmals gab es, nach seit Jahren rückläufigen Arbeitslosenzahlen, einen sprunghaften Anstieg der Arbeits-losigkeit um fast 10 Prozent - das sind 6.562 Menschen in Hamburg mehr ohne Arbeit. Besonders betroffen sind Ältere – in den Zeiten der Krise scheinen sie wieder diejenigen zu sein, die als erste entlassen werden. Auch bei den Jüngeren stieg die Arbeitslosigkeit überproportional an. In wie weit bestimmte andere Merkmale oder Lebensumstände, z.B. der Familienstand und die Anzahl der Kinder in einem Haushalt, Auswirkungen auf die Chancen zur Erwerbstätigkeit haben, darüber geben die monatlichen Arbeitsmarktberichte der Bundesagentur für Arbeit keine Auskunft.
Deutschland hat im europäischen Vergleich eine geringe Müttererwerbsquote. Unzurei-chende Kinderbetreuung in Verbindung mit mangelnder Familienfreundlichkeit vieler Un-ternehmen in Bezug auf die Ausgestaltung von Arbeitsplätzen und insbesondere Arbeits-zeiten, die schwer mit der Betreuung eines oder mehrerer Kinder zu vereinbaren sind, er-schweren vor allem Müttern den Zugang zum Arbeitsmarkt. Besonders schwierig ist dies für Alleinerziehende, die zum einen keine Unterstützung bei der Erziehungs- und Betreu-ungsarbeit haben und zum anderen von einer gering qualifizierten Teilzeittätigkeit ihren Lebensunterhalt und den ihrer Kinder selten bestreiten können. Inwieweit sich die man-gelnde Verfügbarkeit und „Flexibilität“ von Müttern und den Vätern, die die Rolle des (Al-lein)Erziehenden übernommen haben, konkret in Hamburg auf ihre Chancen auf dem Ar-beitsmarkt auswirkt, ist noch genauer zu analysieren.
Um Maßnahmen gezielt darauf ausrichten zu können, welche Personen, bzw. Personen-gruppen besonders von Arbeitslosigkeit bedroht sind, bzw. es besonders schwer haben, aus der Erwerbslosigkeit, eine den Lebensunterhalt sichernde Tätigkeit zu finden, bedarf es sowohl einer Analyse der Entwicklung und Struktur der Beschäftigung in Hamburg als auch der Hilfebedürftigkeit.
Der Senat hat hierzu bisher keine Daten und leider noch immer keinen Bericht über Haus-halt, Stellenplan, operative Ziele, arbeitsmarktpolitisches Programm, sowie einen Bericht der Jobcenter vorgelegt, obwohl dieser im Koalitionsvertrag angekündigt worden war.

Vor diesem Hintergrund fragen wir den Senat:
1. Entwicklung und Struktur der Beschäftigung in Hamburg
1.1. Wie entwickelte sich die sozialversicherungspflichtige Vollzeitbeschäftigung in Hamburg seit März 2007 (Angaben bitte vierteljährlich, differenziert nach Frauen und Männern, sowie nach Deutschen und Ausländern)
1.2. Wie entwickelte sich die sozialversicherungspflichtige Teilzeitbeschäftigung in Hamburg seit März 2007 (Angaben bitte vierteljährlich, differenziert nach Frauen und Männern, sowie nach Deutschen und Ausländern)
1.3. Wie entwickelte sich die Zahl der geringfügig Beschäftigten in Hamburg seit An-fang 2002? (Bitte differenziert nach Frauen und Männern)
1.3.1. Welche Erkenntnisse hat der Senat über die Entwicklung der Zahl der Beschäf-tigten seit 2002, die mehrere Mini-Jobs haben?
1.3.2. Welche Erkenntnisse hat der Senat über die Verbreitung von Minijobs bei Ham-burger Studentinnen und Studenten seit 2002?
1.4. Wie entwickelte sich die Zahl der Selbständigen in Hamburg seit 2006? (Bitte auch differenziert nach Geschlecht und Wirtschaftsbereichen aufführen)
1.5. Wie viele der Mütter bzw. der Väter in Hamburg sind erwerbstätig? (Bitte nach Vollzeit oder Teilzeit, Staatsangehörigkeit, Anzahl der Kinder und ob alleinerziehend aufschlüsseln) Wie hat sich dies seit 2005 entwickelt?
1.6. Wie viele Existenzgründungen gab es in Hamburg seit 2006? (Bitte auch differen-ziert nach Wirtschaftsbereichen aufführen)
1.6.1. Wie viele Existenzgründungen von Frauen gab es in Hamburg seit 2006? (Bitte nach Jahren und Wirtschaftsbereichen aufführen)
1.6.2. Wie viele Existenzgründungen wurden seit 2006 in Hamburg durch die Bundes-agentur und / oder Programme der FHH gefördert? (Bitte nach Jahren und Geschlech-tern getrennt darstellen)
1.6.3. Welche Erkenntnisse liegen dem Senat über das Gründungsverhalten von Vä-tern und Müttern für die Jahre seit 2006 vor?
1.7. Wie viele Insolvenzen, bzw. Betriebsaufgaben gab es in Hamburg seit 2006? (Bitte auch differenziert nach Wirtschaftsbereichen aufführen)
1.8. Wie entwickelte sich in Hamburg der Bestand an öffentlich-geförderter Beschäfti-gung und der von arbeitslosen Teilnehmerinnen und Teilnehmern in Aus- und Weiter-bildung? (Bitte differenzieren nach Geschlecht)
1.9. Wie viele Beschäftigte waren in den Jahren 2005, 2006, 2007 und 2008 von Kurz-arbeit betroffen? (Bitte unterscheiden nach konjunkturellen Kurzarbeitergeld, Saison-kurzarbeitergeld und Transferkurzarbeitergeld)
1.10. In wie vielen Unternehmen in Hamburg wurde in den Jahren 2005, 2006, 2007 und 2008 Kurzarbeit geleistet?
1.11. In wie vielen Unternehmen wird seit September 2008 Kurzarbeit geleistet, bzw. wie viele Unternehmen haben Kurzarbeit angezeigt? Und in welchem jeweiligen Aus-maß?
1.12. Wie viel Kurzarbeitergeld wurde in Hamburg seit September 2008 an wie viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer gezahlt?
1.13. Wie hoch schätzt der Senat die Zahl der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Kurzarbeit in den nächsten Monaten ein? Welche konkreten Hinweise liegen dem Se-nat über Unternehmen vor, die Kurzarbeit beantragen wollen?
1.14. Welche Branchen sind nach Einschätzung des Senats in Zukunft besonders von Kurzarbeit betroffen?


2. Entwicklung und Struktur der Arbeitslosigkeit und Hilfebedürftigkeit
2.1. Wie hat sich die Zahl der Arbeitssuchenden in Hamburg seit Oktober 2007 entwi-ckelt? (Bitte monatlich angeben und differenziert darstellen nach Alterskohorten, Ge-schlecht und Deutsche / Ausländer)
2.2. Wie hat sich die Zahl der Bezieherinnen und Bezieher von Arbeitslosengeld II seit Juli 2007 entwickelt? (Bitte monatlich angeben und differenziert darstellen nach Alters-kohorten, Geschlecht und Ausländer / Deutsche)
2.3. Wie entwickelte sich die Zahl der abhängig Beschäftigten, die ergänzend zum Ein-kommen Arbeitslosengeld II beziehen? (Bitte seit Juli 2007 monatlich und differenziert nach Geschlecht angeben)
2.3.1. Wie hoch war dabei die Zahl derjenigen, die sozialversicherungspflichtig be-schäftigt waren?
2.3.2. Wie hoch war dabei die Zahl derjenigen, die geringfügig beschäftigt waren?
2.4. Wie entwickelte sich die Zahl der Selbständigen, die ergänzend zum Einkommen Arbeitslosengeld II beziehen? (Bitte seit Juli 2007 monatlich angeben)
2.5. Wie entwickelte sich seit Juli 2007 die Zahl der Bezieherinnen und Bezieher von Arbeitslosengeld I, die ergänzend Arbeitslosengeld II beziehen? (Bitte monatlich und differenziert nach Geschlecht und Alterskohorten angeben)
2.6. Wie entwickelte sich seit Juli 2007 die Zahl der Bedarfsgemeinschaften in Ham-burg? (Bitte monatlich angeben)
2.6.1. Wie entwickelte sich dabei die Zahl der Alleinstehenden (Single-Bedarfsgemeinschafen) – Bitte nach Geschlecht differenzieren?
2.6.2. Wie entwickelte sich dabei die Zahl der Paare ohne Kinder?
2.6.3. Wie entwickelte sich dabei die Zahl der Alleinerziehenden mit einem Kind? (Bitte insgesamt und nach Geschlecht getrennt darstellen)
2.6.4. Wie entwickelte sich dabei die Zahl der Alleinerziehenden mit zwei Kindern? (Bit-te insgesamt und getrennt nach Geschlecht darstellen)
2.6.5. Wie entwickelte sich dabei die Zahl der Alleinerziehenden mit drei oder mehr Kindern? (Bitte insgesamt und getrennt nach Geschlecht darstellen)
2.6.6. Wie entwickelte sich dabei die Zahl der Paare mit einem Kind?
2.6.7. Wie entwickelte sich dabei die Zahl der Paare mit zwei Kindern?
2.6.8. Wie entwickelte sich dabei die Zahl der Paare mit drei oder mehr Kindern?
2.7. Wie entwickelte sich seit 2005 die Zahl der 18 – Unter25jährigen Transferempfän-gerinnen und Empfänger nach SGB II, die noch im Haushalt ihrer Eltern leben, wie die-jenige derer, die alleine leben oder einer anderen Bedarfsgemeinschaft zugehörig sind (z.B. Partnerschaft, eigenes Kind)? (Bitte nach Geschlechtern differenzieren)
2.8. Wie entwickelte sich die Zahl der Kinder und Jugendlichen in Hamburg, die Sozi-algeld erhalten seit Juli 2007? Wie hoch war jeweils ihr Anteil an der Gesamtzahl der Kinder in Hamburg (Bitte quartalsweise und nach Jobcentern differenziert angeben)
2.8.1. Wie entwickelte sich dabei die Zahl der Unter-6jährigen?
2.8.2. Wie entwickelte sich dabei die Zahl der 6-14jährigen?
2.8.3. Wie entwickelte sich dabei die Zahl der Über-14jährigen?
2.9. Wie entwickelte sich seit 2005 die Zahl der Familien in Hamburg, die einen Kinder-zuschlag erhalten? (Bitte wenn möglich quartalsweise und seit 1.10.2008 monatsweise angeben)
2.9.1. Wie entwickelte sich dabei die Zahl der Alleinerziehenden mit einem Kind?
2.9.2. Wie entwickelte sich dabei die Zahl der Alleinerziehenden mit zwei Kindern?
2.9.3. Wie entwickelte sich dabei die Zahl der Alleinerziehenden mit drei und mehr Kin-dern?
2.9.4. Wie entwickelte sich dabei die Zahl der Paare mit einem Kind?
2.9.5. Wie entwickelte sich dabei die Zahl der Paare mit zwei Kindern?
2.9.6. Wie entwickelte sich dabei die Zahl der Paare mit drei und mehr Kindern?
2.10. Wie hoch war die Bewilligungsquote bei der Beantragung eines Kinderzuschla-ges in Hamburg in den Jahren 2005, 2006, 2007, 2008?
2.11. Was waren in Hamburg die häufigsten Ablehnungsgründe für einen Antrag auf Kinderzuschlag? Zu wie viel Prozent erfolgte eine Ablehnung aufgrund der Unterschrei-tung der Mindesteinkommensgrenze?
2.12. Wie haben sich die Bewilligungsquote und die Anteile der Ablehnungsgründe seit dem 1.10.2008 in Hamburg verändert?
2.13. In wie vielen Familien in Hamburg, die einen Kinderzuschlag erhalten, wird ein Einkommen aus unselbständiger Arbeit erzielt, in wie vielen wird ein Einkommen aus selbständiger Arbeit erzielt, wie viele erhalten Arbeitslosengeld I, wie ist bei den restli-chen der Lebensunterhalt überwiegend gedeckt?
2.14. Wie entwickelte sich die Zahl der Wohngeldbezieherinnen und -bezieher in Ham-burg seit 2005? (Bitte wenn möglich quartalsweise angeben)
2.14.1. Wie entwickelte sich dabei insbesondere die Zahl der Alleinerziehenden mit einem oder mehr Kindern?
2.14.2. Wie entwickelte sich dabei die Zahl der Paare mit einem oder mehr Kindern?
2.15. Wie hat sich die Zahl der Haushalte mit Kindern in Hamburg seit 2005 entwickelt, die gleichzeitig Kinderzuschlag und Wohngeld beziehen?





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  • Arbeitsmarkt und Berufsbildung

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  • Gleichstellung

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  • Mittelstand und Handwerk

Karl Schwinke

  • Kooperationsprojekte Hamburg/Schleswig-Holstein

Carola Veit

Referent/in

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