Freiwilligendienste

Dienstag, 26.07.2011

Bundesregierung gefährdet das Freiwillige Soziale Jahr in Hamburg

Die SPD-Bürgerschaftsabgeordneten Doris Müller und Juliane Timmermann
haben der Bundesregierung vorgeworfen, die erfolgreiche Arbeit von Anbietern des Freiwilligen Sozialen Jahres (FSJ) in Hamburg zu gefährden.

Ausgelöst durch das weitgehende Desinteresse am Bundesfreiwilligendienst hat das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) den Trägern angekündigt, finanzielle Zuwendungen für FSJ-Plätze davon abhängig zu machen, ob zeitgleich Plätze im Bundesfreiwilligendienst im Verhältnis 3 zu 2 besetzt werden. Viele Hamburger Anbieter sind durch diese Vorgaben nun verunsichert und sehen ihre Planungen für das Freiwillige Soziale Jahr in Gefahr.

Die SPD-Bürgerschaftsfraktion kritisiert, dass das BMFSFJ offenbar mit der Brechstange versuchen will, einen Umschwung vom Freiwilligen Sozialen Jahr hin zu dem bisher weniger erfolgreichen und nachgefragten Bundesfreiwilligendienstes zu erzwingen. Die Sozialpolitikerin Doris Müller dazu: „Das Freiwillige Soziale Jahr soll für die Konstruktionsfehler des Bundesfreiwilligendienstes in Haftung genommen werden. Ich fordere die zuständige Bundesministerin Schröder auf, hier umgehend für Klarheit zu sorgen. Die Bundesregierung gerät angesichts der Folgen ihrer schlechten Gesetzgebung in Panik und stiftet ein heilloses Durcheinander. Die Bundesministerin sollte lieber dafür sorgen, dass die Konstruktionsfehler des Bundesfreiwilligendienstes etwa beim Kindergeld jetzt endlich behoben werden.“

Die sportpolitische Sprecherin Juliane Timmermann ergänzt: „Es ist gar nicht einzusehen, dass beispielsweise Sportvereine, die bisher weder mit dem Zivildienst noch mit dem Bundesfreiwilligendienst zu tun hatten, jetzt gezwungen werden sollen, Plätze im Bundesfreiwilligendienst zu besetzen. Ich befürchte, dass hier Sinnvolles und Gewachsenes zerstört wird. Das Freiwillige Soziale Jahr ist über viele Jahre etabliert, den Bundesfreiwilligendienst jetzt innerhalb weniger Tage auf das gleiche Niveau zu entwickeln, ist schlicht unmöglich.“

Zum Hintergrund:
Bisher hatte der Bundesfreiwilligendienst, mit dem die Bundesregierung den Wegfall des Zivildienstes kompensieren will, keinen großen Erfolg. Von den bundesweit 35.000 Stellen ist bisher nur ein Bruchteil besetzt. Ganz anders ist die Situation beim Freiwilligen Soziale Jahr. Dieses ist sehr erfolgreich und es gibt seit Jahren eine große Nachfrage.

In Hamburg leisten rund 1.000 Jugendliche ein Freiwilliges Soziales Jahr. Die größten Einsatzstellen sind beim Diakonischen Werk und im Elsa-Brandström- Haus des DRK angesiedelt. Die Hamburger Sportjugend bietet 68 Plätze in Sportvereinen und –verbänden an.

Zum 1.4.2011 waren von den in Hamburg vorhandenen 2.396 Zivildienstplät-zen nur 1.154 besetzt. Zivildienstplätze sollen jetzt mit Freiwilligen aus dem Bundesfreiwilligendienst besetzt werden.
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