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Unabhängigkeit von Microsoft und Co: Rot-Grün will Alternative zu US-Software in der Verwaltung prüfen

Sonntag, 03.05.2026

In Zeiten wachsender geopolitischer Unsicherheit ist digitale Souveränität und die Unabhängigkeit von großen Tech-Konzernen auch für die öffentliche Verwaltung von zentraler Bedeutung. Eine mögliche Alternative zu gängigen Anbietern wie Microsoft ist die speziell für die Verwaltung entwickelte Software openDesk. Die Regierungsfraktionen von SPD und Grünen wollen den Einsatz dieser Open-Source-Lösung in der Hamburger Verwaltung prüfen lassen. Ziel ist es, neue Erkenntnisse über Voraussetzungen und Möglichkeiten zur Stärkung der digitalen Souveränität Hamburgs zu gewinnen. Die Hamburgische Bürgerschaft entscheidet über den rot-grünen Antrag in ihrer Sitzung am 6. Mai.

Dazu Tim Stoberock, Sprecher für Digitalisierung und Datenschutz der SPD-Fraktion Hamburg: „US-amerikanische Anbieter wie Microsoft dominieren den Markt für Cloud-Dienste und digitale Arbeitsmittel. Das gilt auch für die deutsche Verwaltung. Diese Abhängigkeit ist kein abstraktes Risiko, sondern eine reale Gefahr für unsere staatliche Handlungsfähigkeit und Sicherheit. Die digitalen Sanktionen der USA gegen IStGH-Richter Nicolas Guillou und die drohenden Zugriffe auf europäische Daten auf US-Servern machen das sehr deutlich. Deutschland muss im Bereich der digitalen Infrastruktur dringend unabhängiger werden. Deshalb müssen wir auch in Hamburg handeln. Wir setzen uns dafür ein, den Einsatz von Open-Source-Lösungen in der öffentlichen Verwaltung konsequent auszubauen. Die Einführung von openDesk ist dabei ein vielversprechender und konkreter Ansatz hin zu mehr digitaler Souveränität und Resilienz. Gemeinsam mit der Verwaltung wollen wir diese Umstellung sorgfältig prüfen. So minimieren wir finanzielle und technische Risiken und sorgen gleichzeitig für mehr Unabhängigkeit und sichere Daten."

Dazu Eva Botzenhart, Sprecherin für Digitalisierung und Datenschutz der Grünen Fraktion Hamburg: „Die in der Verwaltung genutzte digitale Software ist ein wichtiger Bestandteil unserer kritischen Infrastruktur. Wenn diese zentralen Systeme von einzelnen privaten Unternehmen und außereuropäischen Rechtslagen abhängig sind, ist das ein strategisches Sicherheitsrisiko. Im rot-grünen Koalitionsvertrag haben wir uns deshalb zum Ziel gesetzt, die digitale Souveränität unserer Stadt zu stärken. Aktuell werden auch in der Hamburger Verwaltung hauptsächlich Lösungen von US-Anbietern eingesetzt, insbesondere Microsoft. Open-Source-Lösungen wie openDesk bieten die Chance, durch transparente und überprüfbare Software sowie offene Standards mehr Kontrolle und Unabhängigkeit zu gewinnen. Mit unserem Antrag wollen wir nun prüfen, ob sich ein Programm wie openDesk für die Hamburg Verwaltung eignet. Ziel dieser Testphase ist es, notwendige Voraussetzungen und Spielräume für Lösungen auszuloten, die unsere Verwaltung vor potenziellen Gefahren von außen schützen. Damit gehen wir einen ersten, verantwortungsvollen Schritt, um Hamburgs digitale Infrastruktur souveräner und damit sicherer zu machen.“

 

  • Digitalisierung und Datenschutz