Fairplay für alle: Sport braucht starke Frauen!

Mittwoch, 10.02.2021, Drucksache 22/

Antrag der Abgeordneten Gabriele Dobusch, Sören Schumacher, Juliane Timmermann, Annkathrin Kammeyer, Ekkehard Wysocki, Regina Jäck, Danial Ilkhanipour, Marc Schemmel, Baris Önes, Iftikhar Malik, Nils Springborn, Sarah Timmann, Cem Berk, Britta Schlage, Simon Kuchinke und Fraktion sowie Maryam Blumenthal, Mareike Engels, Miriam Block, Sina Demirhan, Alske Freter, René Gögge, Sina Imhof, Farid Müller, Ivy May Müller, Miriam Putz, Peter Zamory (GRÜNE) und Fraktion

Der Sport ist eine der größten zivilgesellschaftlichen Bewegungen weltweit. Die Reichweite des Sports bietet damit die Chance für Impulse gesellschaftlichen Fortschritts. Gleichzeitig hat der Sport damit eine Verantwortung und muss den Anspruch erheben, eine Vorbildfunktion zu übernehmen. Eine zentrale Aufgabe dabei ist es, die gleichberechtigte Teilhabe und Repräsentanz von Mädchen und Frauen im Sport voranzubringen. Dieses gilt für Sportarten und Entscheidungsgremien im Sport gleichermaßen.
Im Gleichstellungspolitischen Rahmenprogramm (GPR) der Freien und Hansestadt Hamburg und dessen Fortschreibung (Drs. 20/7125, Drs. 21/11341) sind auch Handlungsziele und Maßnahmen für den Bereich des Sports verankert. Um eine geschlechtergerechte Wirklichkeit in allen Facetten des Sports zu erreichen, werden im GPR einzelne Maßnahmen gemeinsam mit dem Sport stetig weiterentwickelt. Mitwirkungs- und Steuerungsstrukturen sollen geschlechtergerecht ausgestaltet werden. Im Kern geht es darum, die gleichberechtigten Teilhabechancen von Mädchen und Frauen zu stärken.
Im deutschen Sport gilt das Subsidiaritätsprinzip. Daraus folgt, dass der selbstverwaltete und selbstverantwortete Sport auch aus sich heraus gleichstellungspolitische Ziele entwickelt, einen eigenen Gestaltungsanspruch hat und jeweils möglichst in seinen Strukturen umsetzt. Dieses geschieht im Sport bereits. So haben das Präsidium und der Vorstand des Deutschen Olympische Sportbundes (DOSB) im Dezember 2020 erstmals einen umfassenden Gleichstellungsbericht für den deutschen Sport vorgelegt. Dieser wurde anhand von Befragungen innerhalb der Mitgliedsstrukturen des Sports erstellt und befasst sich u. a. mit den Handlungsfeldern Gleichstellung in Führungspositionen, Förderung von Trainerinnen und Kampfrichterinnen, Kampf gegen sexualisierte Gewalt und geschlechtergerechte Darstellung in den (Sport-)Medien. Die Zukunftskommission Sport (ZKS) in Hamburg empfiehlt u. a. eine Frauenquote von mindestens 30 Prozent in Führungsgremien des organisierten Hamburger Sports. Ebenso zu begrüßen ist, dass beim Hamburger Sportbund (HSB) Gleichberechtigung und Gender Mainstreaming feste Leitbildbestandteile des Landessportbundes sind. Gleichzeitig wird aus dem Bericht des DOSB jedoch deutlich, dass Hamburg mit 35,7 Prozent den geringsten Organisationsgrad bei Mädchen und Frauen im Vergleich mit den anderen Landessportbünden hat.
Mit Blick auf diesen ersten Befund begrüßen es die Fraktionen von SPD und Grünen sehr, dass mit dem neuen Sportfördervertrag 50.000 Euro für das Thema Gendergerechtigkeit ab 2021 zur Verfügung stehen.

Um systematische Verbesserungen eng zu begleiten, ist es zudem zielführend, gemeinsam mit dem organisierten Sport in Hamburg ein Berichtswesen auf den Weg zu bringen, um in regelmäßigen Abständen Fortschritte aber auch Schwierigkeiten im Bereich der Gleichstellung von Mädchen und Frauen im Sport zu dokumentieren.
Netzwerke wie das seit Ende 2019 existierende Bündnis „Sportsfrauen fordern Fairplay“, ein Zusammenschluss von Frauen aus der Hamburger Sportwelt, unterstreichen deutlich, dass es an der Zeit ist, den Fairplay-Gedanken des Sports auch für das Anliegen der Gleichstellung konsequent umzusetzen. Kurzum: für tatsächlich gleichberechtigte Teilhabechancen im Sport. Kernforderungen der „Sportsfrauen“ beziehen sich dabei auf eine Kultur der Gleichberechtigung im Sport, Anpassung struktureller Rahmenbedingungen zur gleichberechtigen Teilhabe im Sport, gleichberechtigte geschlechtersensible Darstellung in der Öffentlichkeit und den Medien, Gewaltfreiheit sowie gleiches Recht und gleiches Geld für Alle. In immer mehr Sportarten werden richtigerweise gleiche Preisgelder für Männer und Frauen eingeführt. Jetzt ist eine weitere Sportart dazugekommen. So hat die Professional Windsurfers Association (PWA) beschlossen, dass es ab der Saison 2021 gleiche Preisgelder für Frauen und Männer geben wird.
Gerade auch der aus dem Sport kommende Fairplay-Gedanke, der mittlerweile eine semantische Anlehnung in anderen Bereichen des gerechten gesellschaftlichen Handelns erfährt – zum Beispiel beim Thema Fairtrade – belegt, dass der Sport die Kraft haben kann, auf gesellschaftliche Prozesse Einfluss zu nehmen.
Eine weitere bundesweite Plattform von Frauen im Sport ist das Projekt „bravestories“. Bravestories will dazu beitragen, die Themen Diversität und Geschlechtergerechtigkeit sichtbar zu machen. Bravestories bietet dabei Frauen eine Möglichkeit, die eigenen Erfahrungen mit den Themen Gleichstellung und gleichberechtigter Teilhabe im Sport in die Öffentlichkeit zu bringen. Bravestories bezeichnet diese Sportlerinnen als „Mutmacherinnen“.

Die Bürgerschaft möge beschließen:

Der Senat wird ersucht,
1. gemeinsam, u. a. mit dem organisierten Sport, regelmäßig über gleichstellungspolitisch relevante Entwicklungen im Hamburger Sport zu berichten;

2. die gleichstellungspolitisch relevanten Entwicklungen im Sport bei der Fortschreibung des Gleichstellungspolitischen Rahmenprogramms aufzugreifen,

3. der Bürgerschaft erstmalig bis zum 30. Juni 2022 zu berichten.
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